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Südeuropa in Flammen: Kann die EU-Strategie Waldbrände stoppen?

Ein Feuerwehrmann richtet seine Schutzkleidung, ein Feuer brennt in einem Wald nahe Saint-Jean-d’Illac in Südwestfrankreich, Dienstag, 28. Juli 2026.
Ein Feuerwehrmann richtet seine Schutzausrüstung; in einem Wald bei Saint-Jean-d'Illac lodert ein Feuer. Südwestfrankreich, Dienstag, 28. Juli 2026. Copyright  AP / Emma da Silva
Copyright AP / Emma da Silva
Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Die Waldbrandstrategie der EU-Kommission vom März greift zu kurz: In Spanien und Frankreich laufen große Evakuierungen, Tausende Hektar sind schon verbrannt. Gleichzeitig blockieren die EU-Staaten wichtige Regeln zur Waldpflege.

Die lang erwartete Waldbrandstrategie der Europäischen Kommission, die im März vorgestellt wurde, sollte einen Kurswechsel einleiten: weg vom reinen Löschen bereits ausgebrochener Brände, hin zu einem stärkeren Fokus auf Prävention. Vier Monate später erleben Spanien und Frankreich eine der schwersten Waldbrandsaisons seit Jahren. Damit wird die Kluft zwischen den ambitionierten Plänen aus Brüssel und den bislang begrenzten Fortschritten vor Ort deutlich sichtbar.

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Inzwischen breiten sich die Brände über weite Teile Südeuropas aus. Die Europäische Kommission muss sich daher die Frage gefallen lassen, ob ihr Versprechen, Prävention stärker in den Mittelpunkt zu rücken als den Katastrophenschutz, nicht zu spät kam, um in diesem Sommer bereits Wirkung zu entfalten. Die im März vorgestellte Strategie markierte einen deutlichen Kurswechsel. Bislang setzte Brüssel vor allem auf Löschflugzeuge, Feuerwehrkräfte und Notfalleinsätze.

Nun räumt die EU ein, dass sie sich in einem kostspieligen Kreislauf befindet: Immer heftigere Brände werden bekämpft, anstatt sie durch vorbeugende Maßnahmen möglichst zu verhindern. Viele Elemente der neuen Waldbrandstrategie der EU-Kommission existieren bislang jedoch nur auf dem Papier. Zentrale Maßnahmen befinden sich noch in der Umsetzung oder stehen noch aus.

Die Kommission räumte ein, dass jahrzehntelang aufgegebene landwirtschaftliche Flächen, unbewirtschaftete Wälder, anhaltende Dürren und steigende Temperaturen enorme Mengen leicht entzündlicher Vegetation entstehen ließen – darunter Kiefern- und Eukalyptusbestände, die sich über weite Teile Europas erstrecken.

Die Konsequenz daraus: Diese Flächen müssen frühzeitig gepflegt und ausgedünnt werden, bevor sie zur Brandgefahr werden. Geplant ist, Landwirtinnen und Landwirte sowie Forstbetriebe finanziell dafür zu unterstützen, Wälder auszulichten, Weidewirtschaft zu fördern und brachliegende Flächen wieder nutzbar zu machen. Zudem will die Kommission Feuchtgebiete, Moore und Auen renaturieren, damit sie mehr Wasser speichern und die Ausbreitung von Bränden auf natürliche Weise verlangsamen.

Für die Brände, die in diesem Sommer bereits wüten, kommen diese Maßnahmen jedoch zu spät. Sie können das aktuelle Risiko nicht mehr mindern. Umweltkommissarin Jessika Roswall erklärte bei einem Treffen der Landwirtschaftsministerinnen und -minister am 26. Mai in Brüssel, die Kommission plane "keine neuen Initiativen zur Waldbewirtschaftung" und habe "derzeit keine zusätzlichen Indikatoren oder Leitlinien vorgesehen".

Stattdessen greift Europa erneut auf jene Notfallinstrumente zurück, die die Kommission selbst als nicht mehr ausreichend bezeichnet hat: rescEU-Löschflugzeuge werden entsandt, grenzüberschreitende Feuerwehreinheiten angefordert und der EU-Katastrophenschutz aktiviert, sobald ein Mitgliedstaat nach dem anderen um Unterstützung bittet. Ein grundlegendes Problem der europäischen Waldbrandpolitik bleibt damit bestehen: Politische Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel fließen vor allem nach verheerenden Bränden.

Die vorbeugende Pflege von Wäldern und Landschaften erfordert hingegen langfristige, kontinuierliche Investitionen – oft über viele Jahre hinweg, bevor sich messbare Erfolge einstellen. Die Kommission hat selbst eingeräumt, dass Prävention in der Vergangenheit deutlich weniger Priorität hatte als die Reaktion auf akute Krisen. Die im März vorgestellte Strategie ist deshalb auch ein Eingeständnis, dass Europa die Ursachen der zunehmenden Waldbrandgefahr lange vernachlässigt und sich stattdessen vor allem auf die Bekämpfung ihrer Folgen konzentriert hat.

Kommission nur bedingt verantwortlich

Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen hängen jedoch nicht von Brüssel, sondern von den Mitgliedstaaten ab. Waldbewirtschaftung, Raumplanung und Katastrophenschutz fallen überwiegend in die Zuständigkeit der nationalen Regierungen. Zudem soll ein Großteil der Mittel für Präventionsmaßnahmen aus den EU-Agrarfonds sowie aus künftigen EU-Haushalten finanziert werden.

Die Europäische Kommission kann Impulse geben, Maßnahmen koordinieren und finanzielle Anreize schaffen. Die eigentliche Umsetzung liegt jedoch bei den Mitgliedstaaten, den Regionen sowie bei Landwirtinnen und Landwirten, Forstbetrieben und privaten Waldbesitzern. Hinzu kommt, dass eine Sperrminorität im Rat seit Jahren strengere und verbindliche Vorgaben für die Waldbewirtschaftung blockiert.

Schweden und Finnland führen seit Jahren den Widerstand gegen eine stärkere Rolle der EU in der Forstpolitik an. Frankreich stellte sich bei zentralen Gesetzesvorhaben häufig an ihre Seite und bestand darauf, dass die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder weitgehend nationale Zuständigkeit bleiben müsse. Paris trug maßgeblich dazu bei, das EU-Renaturierungsgesetz im Jahr 2024 abzuschwächen, und sprach sich wiederholt gegen weitergehende Kompetenzen Brüssels in der Forstpolitik aus.

Auch der vorgeschlagene EU-Gesetzentwurf zum Waldmonitoring stieß 2024 auf den Widerstand mehrerer Mitgliedstaaten. Sie warnten davor, der Europäischen Kommission damit zu weitreichende Eingriffsmöglichkeiten in ihre nationale Forstpolitik einzuräumen. Die Empfehlung an die Mitgliedstaaten zum integrierten Management von Waldbrandrisiken, die am 29. Juni verabschiedet wurde, bleibt daher rechtlich unverbindlich. Auch die Vision der Kommission, Feuchtgebiete und renaturierte Ökosysteme als natürliche Brandschneisen zu nutzen, wird Jahre brauchen, bis sie Landschaften und Brandrisiken spürbar verändert.

Für Martin Pigeon, Experten für Wälder und Klima bei der Umweltorganisation Fern, kommt die aktuelle Entwicklung deshalb nicht überraschend. Den Großbrand, der derzeit Tausende Hektar Kiefernplantagen in der französischen Gironde zerstört, bezeichnet er als "absolut vorhersehbar". "Einige Flächen, die heute brennen, haben schon vor vier Jahren gebrannt – und wurden trotzdem wieder mit Kiefern bepflanzt. Die konventionelle Forstwirtschaft steckt in einem Kreislauf aus Monokulturen und Kahlschlägen fest. Die Kosten trägt die gesamte Gesellschaft, doch der Einfluss dieser Branche auf die Forstpolitik hat bislang jede ernsthafte EU-Regulierung der Waldbewirtschaftung blockiert", sagte Pigeon gegenüber Euronews.

Mit Blick auf die Zukunft stellt er die grundsätzliche Frage: "Wie lange soll die Gesellschaft noch die enormen wirtschaftlichen, klimatischen und gesundheitlichen Kosten für die vergleichsweise geringen Profite dieser Branche tragen?" Klimaexperten warnen seit Jahren, dass sich die Waldbrandsaison in Europa verlängert, intensiver wird und immer schwerer vorhersehbar ist.

Auch die Europäische Kommission räumt in ihrer Strategie ein, dass selbst ein noch so leistungsfähiger Katastrophenschutz an seine Grenzen stößt, wenn Wälder und ländliche Räume nicht widerstandsfähiger werden. Wie grundlegend der Handlungsbedarf eingeschätzt wird, zeigt auch eine interne Aussage aus der Kommission: "Wir müssen klar sagen: Eine andere Waldbewirtschaftung ist wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe, wenn wir die Lage in den kommenden Jahren verbessern wollen."

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