Russland greift die Ukraine mit tödlichen Raketen und Drohnen an. Zugleich dringt ein mutmaßlicher Flugkörper kurz in den polnischen Luftraum ein und verschwindet vom Radar.
Wolodymyr Selenskyj spricht von einem "kritischen Mangel" an Luftabwehrraketen aus Partnerländern. Verzögerte oder schleppende Lieferungen machten die Ukraine seiner Ansicht nach anfälliger für russische Angriffe. Die Folge seien zivile Todesopfer und Zerstörung.
Nach einer Nacht schwerer russischer Angriffe auf die Ukraine wurden landesweit mindestens acht Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt.
Vier Erwachsene und zwei Mädchen im Alter von fünf und zwölf Jahren kamen ums Leben, als eine ballistische Rakete in ein Wohnhaus nahe der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih einschlug. Acht weitere Menschen wurden verletzt, teilte der Verteidigungsrat von Krywyj Rih mit. Die Zahl der Todesopfer könnte noch steigen.
"Dieser russische Terror beweist einmal mehr, dass der Schutz vor der russischen Raketenbedrohung die wichtigste Aufgabe ist, wenn es darum geht, das Leben unseres Volkes zu retten", schrieb Selenskyj auf X.
"Unzeitige Hilfe und Verzögerungen bei der Lieferung von Abfangraketen führen zu dieser Art der Zerstörung und zu solchen Opfern, wie wir sie leider heute erleben."
Im ostukrainischen Gebiet Poltawa wurde ein Mensch bei einem Drohnenangriff auf ein Lagerhaus getötet. In der westukrainischen Stadt Lwiw wurden bei Angriffen mindestens 15 Menschen verletzt.
Kyjiws Bürgermeister Witalij Klitschko erklärte, Russland "greife die Hauptstadt mit ballistischen Waffen an". Die Militärverwaltung der Stadt bestätigte, dass ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt wurden.
"Die Gefahr weiterer Angriffe besteht weiterhin. Bleiben Sie in den Schutzräumen!", sagte Klitschko am frühen Donnerstag. In mehreren Stadtbezirken sei es zu Bränden gekommen.
Bei Angriffen in einem östlichen Bezirk Kyjiws wurden zudem fünf weitere Menschen verletzt. Fotos des Rettungsdienstes zeigten am Donnerstag Feuerwehrleute, die Trümmer beschädigter Gebäude durchsuchten.
In Polen meldeten die Behörden unterdessen, dass gegen 3.40 Uhr MEZ ein unbekanntes Objekt im polnischen Luftraum registriert worden sei. Hubschrauberbesatzungen entdeckten später einen Krater nahe dem Dorf Tarnawa-Kolonia, nachdem das Geschoss vom Radar verschwunden war.
Der amtierende ukrainische Außenminister Andrii Sybiha warf Moskau vor, "den NATO-Luftraum zu verletzen". Auf X schrieb er: "In der Nacht hat eine russische Marschflugrakete vom Typ Kh-101 im Rahmen des massiven Angriffs auf die Ukraine polnischen Luftraum durchquert."
Aus Moskau lag zunächst keine offizielle Stellungnahme vor.