Während Spanien gegen Waldbrände und Hitze kämpft, kursieren erneut Falschbehauptungen zu Ursachen und Regierungsmaßnahmen. Gefälschte Zeitungsseiten und unbelegte Theorien über Solarparks halten einer Überprüfung nicht stand.
Spanien kämpft derzeit gegen mehrere Waldbrände und bereitet sich zugleich auf eine weitere Hitzewelle vor. Parallel dazu kursieren im Netz irreführende Behauptungen über den Umgang mit den Bränden und ihre Ursachen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez ruft die Bevölkerung auf, sich auf verlässliche Informationen zu stützen, und warnt vor der Verbreitung falscher Behauptungen.
Am 13. Juli sprach er im andalusischen Almería nach einem Besuchan der Brandstelle im südostspanischen Los Gallardos. Er nannte die Rolle der Medien "entscheidend" im Kampf gegen "Desinformation" und betonte, dass die Verbreitung von Falschinformationen einen Notfall zusätzlich erschweren könne.
Am 27. Juli bedankte sich Sánchez anschließend bei den Medien dafür, gegen die Verbreitung von Desinformation über die Brände vorzugehen.
"Wir sehen sehr viele Fake News, sehr viel Desinformation darüber, ob die Brände gelegt wurden, um Solarkraftwerke, Lithiumminen oder Minen für Seltene Erden zu errichten", sagte er. Die Behörden untersuchten weiter die tatsächliche Ursache des Notfalls. Zugleich sagte er, die Klimakrise löse Hitzewellen aus, die die Waldbrände noch verschärften.
Spanien kennt irreführende Theorien rund um Waldbrände schon länger. Im vergangenen Jahr machten Behauptungen die Runde, Brände würden absichtlich gelegt, damit Bauunternehmen die Flächen anschließend bebauen könnten – obwohl sich das als falsch herausstellte.
In diesem Jahr tauchen viele dieser Erzählungen erneut auf, ergänzt um neue falsche Behauptungen über die Reaktion der Regierung auf die Feuer.
Ein Beispiel: Ein auf X und Facebook geteiltes Bild gibt vor, die Titelseite der spanischen Zeitung El País zu zeigen. Demnach habe die Regierung die Mittel für die Waldbrandvorsorge um mehr als die Hälfte gekürzt, von 423 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 181 Millionen Euro im Jahr 2026.
Das Bild ist jedoch eine Fälschung.
El País hat eine solche Titelseite nicht gedruckt. In der echten Ausgabe vom 24. Juli ist ein Interview mit dem früheren Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero die Aufmachergeschichte.
Zudem verweisen jüngste Regierungsankündigungen auf ausgeweitete nationale Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Waldbrandsaison 2026 und zur Vorbeugung.
Nach der jüngsten Waldinvestitionsstudie des Ministeriums für den Ökologischen Wandel stiegen die Investitionen des Zentralstaats in die Waldbrandprävention von 13 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 28,3 Millionen Euro im Jahr 2024.
Behauptungen: Brände sollen Solarparks den Weg bereiten
Eine weitere kursierende Behauptung lautet, der Brand in Los Gallardos sei absichtlich gelegt worden, um Fläche für ein Solarpark-Projekt zu schaffen.
Als "Beweis" verweisen die Beiträge auf Planungsunterlagen für das geplante Photovoltaikprojekt Sorbas II des Energiekonzerns EIDF sowie auf eine amtliche Mitteilung im spanischen Staatsanzeiger BOE. Daraus wird suggeriert, das Feuer, dem bislang mindestens 13 Menschen zum Opfer gefallen sind, stehe in Zusammenhang mit dem Vorhaben.
Eine Auswertung der Dokumente durch das spanische Faktencheck-Portal Maldita stützt diese Schlussfolgerung jedoch nicht. Demnach liegt das vorgesehene Gelände für die Solaranlage Sorbas II außerhalb des von den Flammen betroffenen Gebiets.
Außerdem war der Solarpark auf landwirtschaftlichen Flächen geplant. Eine Umwidmung des Areals wäre für das Projekt also gar nicht nötig gewesen.
Die Behörden haben die Ursache des Waldbrands von Los Gallardos ebenfalls nicht mit dem geplanten Solarprojekt in Verbindung gebracht.
Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass ein herabgestürztes Stromkabel oder eine Stromleitung den Brand ausgelöst hat.
Weitere Beiträge auf X, Facebook und TikTok behaupten, der Ausbau von Solarparks in Spanien stehe generell in direktem Zusammenhang mit Waldbränden und Regierung oder Projektentwickler würden Feuer legen, um Flächen für neue Projekte zu schaffen.
Dem widerspricht das spanische Forstgesetz: Es verbietet in der Regel eine Nutzungsänderung abgebrannter Waldflächen für mindestens 30 Jahre. Ausnahmen sind nur in eng begrenzten, gesetzlich definierten Fällen möglich, etwa wenn ein Bauprojekt als öffentliches Interesse gilt.
Spanische Faktenchecker haben außerdem falsche Behauptungen widerlegt, wonach die UN-Agenda 2030 oder das Forstgesetz das Roden von Wald grundsätzlich verbieten. Tatsächlich verpflichtet die Regelung die Regionen dazu, Maßnahmen zur Waldbrandprävention durchzuführen.