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Deutschland im Visier: Attacken gegen Flughäfen, Firmen und Manager

Sprengsatzentschärfung am Leipziger Flughafen
Sprengsatzentschärfung am Leipziger Flughafen Copyright  Hendrik Schmidt/(c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Verena Schad
Zuerst veröffentlicht am
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Drohnen-Attacke am Leipziger Flughafen, ein angegriffener deutscher Frachter, ausgeforschte Rüstungsmanager und zerstörte Lager deutscher Firmen in der Ukraine: Hybride und konventionelle Angriffe gegen Deutschland häufen sich. Innenminister Alexander Dobrindt spricht von einer neuen Bedrohungslage.

"Wir haben es mit einer hybriden Bedrohung zu tun." Mit diesen Worten machte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach dem Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Leipziger Flughafen deutlich, wie ernst die Sicherheitsbehörden die aktuelle Lage einschätzen.

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Noch ist unklar, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch steckt. Dobrindt spricht bislang nur von "fremden Mächten". Ermittlungen laufen. Doch Sicherheitsexperten und Politiker vermuten, dass sich Deutschland zunehmend im Visier eines russischen Schattenkriegs befinden könnte.

Es wird definitiv aggressiver
Hans Jakob Schindler
Sicherheitsexperte, The International Centre for Counter-Terrorism (ICCT)

"Es wird definitiv aggressiver", sagt Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler zu Euronews. "Nach meiner Einschätzung hat es damit zu tun, dass es trotz aller Rhetorik für Russland nicht so ganz optimal läuft in der Ukraine." Es sei immer schwieriger, Erfolge zu vermelden.

Schindler erinnert an "peinliche Schläge auf die Infrastruktur" Russlands durch ukrainische Raketen und Drohnen in den vergangenen Wochen, inklusive Logistikinfrastruktur - zum Teil tausende Kilometer von der Front entfernt. "Und das könnte durchaus die Antwort sein, zu sagen, ihr könnt es da, wir machen es überall."

Zum Angriff in Leipzig zeigte sich der Terrorismus-Experte Peter Neumann im Podcast der BILD überrascht, dass Dobrindt Russland nicht ausdrücklich genannt hat. Wenn Sicherheitsbehörden von "hybriden Bedrohungen" sprächen, sei damit in den meisten Fällen Russland gemeint, so Neumann.

Die politischen Konsequenzen einer Aussage in dieser Richtung wären enorm.
Hans Jakob Schindler
Sicherheitsexperte, The International Centre for Counter-Terrorism (ICCT)

Der Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler versteht diese Enttäuschung nicht. "Es gibt noch keinen Beweis, dass es Russland ist." Sollten die Drohnenführer nicht identifiziert werden können, etwa durch eine abgefangene Kommunikation, dann "wird es schwer werden, den Vorfall wirklich gerichtsfest auf Russland zurückzuführen".

"Deswegen auch die durchaus sehr verständliche, sehr große Zurückhaltung des Innenministers", so Schindler. "Wenn der Innenminister Russland sagt, lautet die Frage automatisch Angriff Deutschland, Angriff NATO, Artikel 4, ja oder nein? Also die politischen Konsequenzen einer Aussage in dieser Richtung durch einen für das Thema verantwortlichen Politiker wären enorm."

Wenn ein NATO-Mitgliedstaat seine Sicherheit bedroht sieht, kann er nach Artikel 4 eine Beratung im Nordatlantikrat verlangen, was noch kein militärischer Beistand nach Artikel 5 wäre.

Auffällige Serie von Vorfällen?

Der Leipziger Flughafen ist nicht der einzige Fall, der derzeit Fragen aufwirft. Innerhalb weniger Tage häuften sich Vorfälle mit Bezug zu Deutschland.

Im Schwarzen Meer wurde der Frachter "Emil" einer Hamburger Reederei nach Medienberichten von russischen Drohnen angegriffen. Das Schiff geriet in Brand, die Besatzung musste evakuiert werden. Russland bestätigte Angriffe auf Frachtschiffe in der Region, behauptete jedoch, diese hätten militärische Güter für die Ukraine transportiert. Unabhängig überprüfen lässt sich das bislang nicht.

Fast zeitgleich wurden bei russischen Raketenangriffen in der Ukraine Lager deutscher Unternehmen zerstört. Betroffen waren unter anderem Bosch, Liqui Moly und Puma. Das zentrale Lager der zur Würth-Gruppe gehörenden Marke Liqui Moly in Kyjiw brannte vollständig aus. Liqui Moly stellt unter anderem Motoröle und wichtige Industrieschmiermittel für Maschinen her.

Hinzu kommen Berichte über mögliche Anschlagspläne gegen deutsche Rüstungsunternehmen. Der Geschäftsführer des Drohnenherstellers Donaustahl soll von mutmaßlichen russischen Agenten ausgespäht worden sein, wie jetzt bekannt wurde.

Diese hybride Kriegsführungswelle baut sich eigentlich seit 2014 langsam, aber stetig immer aggressiver auf.
Hans-Jakob Schindler
Sicherheitsexperte, The International Centre for Counter-Terrorism (ICCT)

In der öffentlichen Wahrnehmung häufen sich die Vorfälle mit mutmaßlich russischer Beteiligung. Rückt die Bedrohung aus Moskau tatsächlich näher an uns heran?

"Diese hybride Kriegsführungswelle baut sich eigentlich seit 2014 langsam, aber stetig immer aggressiver auf. 2014 ging es los mit Miss- und Desinformation und Cyberattacken. Dann kamen nach 2022 Sabotageakte dazu, Wegwerfagenten, Störung der Zivilinfrastruktur, aggressive Spionage mit Drohnen", so Hans-Jakob Schindler.

Der Terrorismus-Experte erinnert außerdem an den Paket-Anschlag auf dem Leipziger Flughafen von 2024. Das Paket war explodiert, bevor es im DHL-Flieger war. Ansonsten hätte es zu einem Absturz kommen können.

Für diesen Vorfall sei mit hoher Wahrscheinlichkeit Russland verantwortlich, so Schindler. Im Baltikum stünden Personen vor Gericht, "die dafür verantwortlich sein sollen und die offensichtlich Beziehungen zu russischen Nachrichtendiensten haben".

Standen deutsche Manager im Visier?

Nicht zu vergessen der "vorbereitete Mord-Anschlag auf Rheinmetall", so Schindler. 2024 hatten westliche Geheimdienste vor einem mutmaßlich von Russland geplanten Anschlag auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger gewarnt. Nach Angaben deutscher und US-amerikanischer Behörden soll der Plan vereitelt worden sein, bevor er umgesetzt werden konnte.

Besonders brisant sind jetzt aktuelle Berichte über mögliche Anschlagspläne gegen einen weiteren deutschen Rüstungsmanager. Nach Recherchen der ZEIT soll der Geschäftsführer des Drohnenherstellers Donaustahl über Monate von mutmaßlichen russischen Agenten ausgespäht worden sein. Deutsche Sicherheitsbehörden gehen dem Verdacht nach, dass ein Anschlag vorbereitet wurde. Der Manager steht inzwischen unter Personenschutz.

Mehrere Verdächtige wurden in Deutschland, Spanien und an der serbisch-ungarischen Grenze festgenommen. Gegen sie wird unter anderem wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit für einen ausländischen Nachrichtendienst ermittelt.

Was bedeutet "hybrider Krieg"?

Experten sprechen seit Jahren von einem sogenannten hybriden Krieg. Gemeint sind Angriffe unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Konflikts. Dazu zählen Sabotage, Cyberattacken, Spionage, Desinformation oder Angriffe auf kritische Infrastruktur.

Innenminister Alexander Dobrindt sprach in Leipzig in diesem Zusammenhang auch von einem "Wettrüsten". Moderne Drohnen würden gezielt so entwickelt, dass sie bestehende Abwehrsysteme umgehen könnten. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV warten mehrere große deutsche Flughäfen weiterhin auf angekündigte Systeme zur Drohnenerkennung und -abwehr.

Sicherheitsexperten wie Hans Jakob Schindler warnen deshalb seit Längerem, dass sich der Krieg längst nicht mehr nur auf die Front in der Ukraine beschränkt. Wo genau die Grenze zwischen klassischer Spionage, Sabotage und einem hybriden Angriff verläuft, dürfte in den kommenden Wochen auch Thema der politischen Debatte sein.

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