Die Zahl der Zulassungen von Benzinfahrzeugen in Deutschland ist um rund ein Fünftel gesunken. In anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus.
Laut neuen Daten des Europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) übertrafen die Verkäufe von reinen Elektroautos in der Europäischen Union im Dezember 2025 erstmals jene von reinen Benzinfahrzeugen.
Trotz der Aufweichung des ursprünglich geplanten EU-Verbots von Verbrennernab 2035 wurden im vergangenen Jahr deutlich mehr Hybridfahrzeuge neu zugelassen. Dies deutet auf einen strukturellen Wandel im europäischen Automarkt hin.
Die Europäische Union hatte angekündigt, dass in der EU ansässige Automobilhersteller ab 2035 eine Reduzierung der CO₂-Emissionen um 90 Prozent erreichen müssen – statt der zuvor im EU-Recht vorgesehenen vollständigen Emissionsfreiheit. Damit wurde das im März 2023 beschlossene und umstrittene Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor faktisch abgeschwächt.
Im Gesamtjahr 2025 blieben Hybrid-Elektroautos, die sowohl über Batterien als auch über Benzinmotoren verfügen, die wichtigste Fahrzeugkategorie. Deutschland, die Niederlande, Belgien und Frankreich entwickelten sich dabei zu den vier größten Märkten für Elektrofahrzeuge in der EU. Auf diese Länder entfielen zusammen 62 Prozent aller Neuzulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge.
Gleichzeitig gingen die Zulassungen von Benzinfahrzeugen bis Ende 2025 EU-weit um 18,7 Prozent zurück. Alle großen Automärkte verzeichneten Rückgänge, wobei Frankreich mit einem Minus von 32 Prozent besonders stark betroffen war. Es folgten Deutschland mit 21,6 Prozent, Italien mit 18,2 Prozent und Spanien mit 16 Prozent.
In vielen Teilen Europas haben Benzin- und Dieselfahrzeuge damit erheblich an Marktanteilen verloren. Zwar machen Benziner weiterhin mehr als ein Viertel des Marktes aus, der Anteil von Dieselfahrzeugen ist jedoch auf unter zehn Prozent gefallen.
Warum ist das so?
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt in den nationalen Förder- und Steuersystemen. Laut Eurostat werden die Kaufentscheidungen der Verbraucher für Benzin-, Diesel- oder alternative Antriebe vor allem durch staatliche Anreize und steuerliche Rahmenbedingungen beeinflusst.
Im vergangenen Jahr boten Italien, Polen und Griechenland die großzügigsten Subventionen für den Kauf von Elektrofahrzeugen. In Italien können Privatpersonen Zuschüsse von bis zu 11.000 Euro erhalten, was bis zu 30 Prozent des Kaufpreises eines neuen Elektroautos abdeckt. Die Förderung ist einkommensabhängig, Fahrzeuge mit einem Bruttopreis von über 42.700 Euro sind ausgeschlossen.
Griechenland und Polen gewähren jeweils rund 9.000 Euro an Kaufprämien. In Griechenland kommen zusätzlich 2.000 Euro für die Verschrottung eines alten, umweltschädlichen Fahrzeugs sowie 1.000 Euro für Käufer unter 29 Jahren hinzu. Darüber hinaus profitieren Elektrofahrzeuge dort von umfangreichen Steuererleichterungen: Batterieelektrische Fahrzeuge sind von der Zulassungssteuer befreit, besonders emissionsarme Fahrzeuge auch von der Kfz-Steuer.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie für die Europäische Union bleibt trotz des Strukturwandels enorm. Mehr als acht Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts werden in diesem Sektor erwirtschaftet. Zudem stellt die Automobilindustrie 8,1 Prozent aller Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe – insgesamt arbeiten rund 13,6 Millionen Menschen in Europa in diesem Bereich.