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Russland: Sieben von zehn Tankstellen ohne Benzin, Kraftstoffkrise verschärft sich

Warteschlange an einer Tankstelle in Moskau, 30. Juni.
Schlange an einer Tankstelle in Moskau, 30. Juni. Copyright  AP Photo
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Von Nadezhda Driamina
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Ukrainische Drohnenangriffe auf Russlands Energieanlagen haben so starke Treibstoffknappheit ausgelöst, dass der Kreml sie einräumt. In Moskau bilden sich erstmals Schlangen, Russland verkauft wieder verbotenen Billigkraftstoff und verhaftet öffentlich klagende Bürger.

Am Mittwoch führte weniger als jede dritte Tankstelle in Russland Benzin. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass eine zweite Welle der Treibstoffknappheit das Land noch stärker trifft als die erste. In Moskau bildeten sich erstmals Schlangen an den Zapfsäulen.

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Die Monitoring-App Gdebenz schätzte die landesweite Benzinverfügbarkeit am Mittwoch auf 28 % der Tankstellen. Eine Woche zuvor waren es noch 41 %.

In fast allen Regionen galten seit vergangenem Samstag Einschränkungen beim Kraftstoffverkauf, berichtete die Plattform Benzinmap, die landesweit Auflagen und Preise erfasst. Dazu zählen Begrenzungen der Verkaufsmenge pro Kunde, eine über QR-Codes gesteuerte Rationierung und Regelungen nach geraden und ungeraden Kennzeichen.

In Moskau setzten Tankstellen der Marke Gazprom Neft ein zeitweiliges Limit von 40 Litern pro Tankvorgang. Tatneft begrenzte Benzin auf 50 Liter und Diesel auf 60 Liter. Bis Mittwoch zeigte der Dienst Yandex Fuel, dass AI-92-Benzin in der Hauptstadt nur noch an etwa jeder zehnten Station verfügbar war.

Die Krise ist eine direkte Folge der anhaltenden Drohnenangriffe Kyjiws auf die russische Ölinfrastruktur. Die Ukraine will damit Russlands Kriegsmaschinerie schwächen. Russland setzt seine umfassende Invasion in der Ukraine fort. Bis Anfang Juli trafen Drohnen jede große Raffinerie im Land mindestens einmal.

Allein in den ersten beiden Augustwochen wurden fast ein Dutzend weiterer Anlagen getroffen, darunter Yaroslavnefteorgsintez in Jaroslawl, zwei Raffinerien in Baschkortostan und Exportinfrastruktur im Hafen von Ust-Luga.

Das Magazin „Russian Forbes“ errechnete, dass beschädigte Raffinerien inzwischen 54 % der gesamten nationalen Verarbeitungskapazität ausmachen. Die tägliche Benzinproduktion sank im Juli auf 75.000 bis 80.000 Tonnen, bei einer Sommernachfrage von 115.000 bis 120.000 Tonnen. Das entspricht einem täglichen Defizit von rund 35 %.

Russlands Präsident Wladimir Putin räumte die Knappheit Ende Juli ein und bezeichnete sie als „nicht kritisch“. Am Mittwoch wiederholte er diese Formulierung.

„Es gibt keine kritischen Folgen solcher Angriffe, es gab sie nicht und es kann sie nicht geben. Sie fügen uns jedoch selbstverständlich Schaden zu; das ist offensichtlich, wir verstehen es, wir sehen es und wir wissen es“, sagte Putin.

Importstreit verschärft Benzinkrise

Russlands Stellung als einer der größten Ölexporteure der Welt schützt das Land nicht vor der Knappheit.

Im Juli untersagte Moskau die Ausfuhr von Benzin und Diesel, um die Versorgung im Inland zu sichern. Seither importiert Russland Treibstoff per Bahn aus Belarus – die Lieferungen stiegen zwischen Januar und Juli im Jahresvergleich auf das 25-Fache – sowie aus Kasachstan. Erstmals kam auch Marokko hinzu: In Tanger wurde eine von Lukoil gelieferte Fracht von rund 30.000 Tonnen AI-92 verladen und nach Murmansk verschifft.

Ein großer Teil des importierten Treibstoffs erreicht die Verbraucher jedoch nicht. Nach Angaben russischer Branchenquellen, auf die das Portal InfoTEK verweist, stecken große Mengen indischen und marokkanischen Benzins in Murmansk fest. Die Lieferanten verlangen zwischen 110.000 und 130.000 Rubel pro Tonne, der staatliche Regulierer fordert jedoch einen Preis von unter 78.000 Rubel**.**

Im September droht eine weitere Versorgungslücke, wenn die belarussische Raffinerie in Nowopolotsk planmäßig gewartet wird.

Belarus lieferte im Juli rekordhohe 212.000 Tonnen Benzin und 162.000 Tonnen Diesel nach Russland. Das Land verarbeitet inzwischen russisches Rohöl im Lohnverfahren und ist für Moskau zur wichtigsten externen Treibstoffquelle geworden. Beide Raffinerien des Landes – Nowopolotsk und Mozyr – verfügen zusammen über eine Exportkapazität von rund 2 Mio. Tonnen pro Jahr, also nur einen Bruchteil dessen, was Russland benötigt.

Die Endverbraucherpreise für Benzin stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 7,4 % auf durchschnittlich 70 Rubel pro Liter, Diesel verteuerte sich laut offiziellen Daten um mehr als 12 %. Bewohner einiger Regionen berichten, dass die Preise bereits über 100 Rubel pro Liter (1,02 €) liegen.

Der Kreml wies den Föderalen Antimonopoldienst an, die Preisaufsicht zu verschärfen; die Behörde erklärte am Mittwoch, sie habe 41 Verfahren gegen Ölunternehmen wegen Verstößen eröffnet.

Die Krise zwingt Russland, Kraftstoffsorten wieder einzuführen, die es in den 2010er-Jahren verboten hatte. Am 5. August erlaubte die Regierung für fast ein Jahr die Produktion, den Import und den Verkauf von Benzin der Klassen Euro-2, Euro-3 und Euro-4.

Schwefelreicher Kraftstoff unterhalb des Standards Euro-5 kann moderne Motoren schädigen und führt zu deutlich höheren Luftschadstoffwerten. Der Handel mit den niedrigeren Qualitäten begann am Dienstag an der Börse in Sankt Petersburg.

Unterdessen gehen die Behörden gegen Menschen vor, die sich öffentlich über die Knappheit beschweren.

In Wolgograd nahmen die Behörden fünf Einwohner fest, nachdem sie eine Videobotschaft an den Leiter des russischen Ermittlungskomitees Alexander Bastrykin aufgenommen hatten. Darin beklagten sie, dass Funktionäre ohne Einschränkungen tanken, während gewöhnliche Autofahrer mit Rationierungen leben müssen.

Eine der festgenommenen Personen erhielt fünf Tage Verwaltungshaft, eine weitere musste ein Bußgeld zahlen. In Perm wurde ein Bewohner, der allein mit einem Plakat gegen die eingeschränkte Benzinversorgung protestierte, ebenfalls mit einer Geldstrafe belegt.

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