An diesem Sonntag ist ein Gefangener übers Dach einer JVA in Duisburg ais der U-Haft geflohen - wenige Tage nachdem sich der bekannte Betrüger Hendrik Holt abgesetzt hat.
Ein 35-Jähriger hat am frühen Sonntagmorgen die Gitterstäbe seiner Zelle durchgesägt und ist aus dem dritten Stock der Justizvollzugsanstalt (JVA) Duisburg-Hamborn auf das Dach des vierstöckigen Gebäudes geklettert und geflohen. Es ist schon der zweite spektakuläre Gefängnisausbruch in Deutschland innerhalb weniger Tage, nachdem sich der bundesweit bekannte Betrüger Hendrik Holt - wie gewohnt dreist - aus der Haft in Berlin verabschiedet hatte.
"Hollywoodreifer Ausbruch"
Der Westdeutsche Rundfung (WDR) berichtet von einer "filmreifen Flucht", andere Medien von einem "hollywoodreifen Ausbruch" in Nordrhein-Westfalen. Denn dem U-Häftling und Tüftler aus Serbien gelang es, sich durch einen sehr schmalen Spalt des vergitterten Fensters zu zwängen, die Feinvergitterung zu entfernen und die Sicherung der Dachkante des Gefängnisses zu überwinden.
Der Mann, der seit Februar in Duisburg in Untersuchungshaft saß, gilt nicht als Gewaltverbrecher. Er war aber wegen zwei Wohnungseinbrüchen (noch nicht rechtskräftig) zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.
Offenbar Werkzeug in einem Loch in der Zelle versteckt
Der Häftling, nach dem nun gefahndet wird, ist 1,75 m groß und schlank. Auf dem rechten Oberarm trägt er eine Tätowierung, die einen Frauenkopf zeigt.
Seinen Ausbruch hatte der Mann offenbar von langer Hand geplant.
"Wir konnten in der Zelle bereits ein raffiniertes Versteck im Boden ausfindig machen", erklärt Lukas Kockmann, der Pressesprecher des NRW-Justizministeriums im WDR. "Wir müssen davon ausgehen, dass in diesem Versteck ein Werkzeug hinterlegt war, mit dem es ihm überhaupt gelingen konnte, die Stahlverstrebungen aufzusägen."
Windpark-Betrüger Hendrik Holt verschwindet: Nach Moskau?
Wenige Tage zuvor hatte sich der bekannte Betrüger Hendrik Holt aus dem offenen Vollzug in Berlin verabschiedet. Der inzwischen 36-Jährige hatte jahrelang mit einem Familienunternehmen ausländischen Investoren für Millionensummen Windkraftanlagen in Deutschland verkauft, die es gar nicht gab, um sein Luxusleben zu finanzieren.
Hendrik Holt war im April 2020 im Hotel Adlon in Berlin festgenommen und später zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Als Freigänger musste er sich zuletzt unter der Woche jeden Abend in der JVA Düppel in Berlin melden.
Doch statt am obligatorischen Sommerfest des Gefängnisses teilzunehmen, schrieb der verurteilte Betrüger eine Nachricht auf Instagram: "Liebesgrüße aus Moskau. Sehr schön hier. Der Kaviar ist fantastisch."
Ob sich Hendrik Holt wirklich in Russland aufhält, ist laut DER WELT, die mit dessen Management per Whatsapp kommuniziert hat, allerdings nicht klar. Das "Holt Family Office“ soll den Journalisten aber über eine russische Nummer ein Exklusiv-Interview angeboten haben.
Ob Hendrik Holt alleine auf der Flucht ist oder ob er seine Frau und seine Tochter treffen wollte, ist bisher ebenfalls nicht geklärt.