Juristische Wende für die Kinder von Catherine Birmingham und Nathan Trevallion: Das Jugendgericht in L’Aquila ordnet eine schrittweise Rückkehr unter Aufsicht der Sozialdienste an. Die Verteidigung jubelt, doch Logistik und Zeitpunkt der definitiven Rückkehr bleiben unklar.
Die vertrackte Geschichte der sogenannten "Waldfamilie" in Italien kommt in Bewegung. Das Jugendgericht in der abruzzischen Hauptstadt hat an diesem Dienstag grünes Licht für eine schrittweise Annäherung der drei Kinder an ihre Eltern Catherine Birmingham und Nathan Trevallion gegeben.
Die Verfügung, die die scheidende Vorsitzende Cecilia Angrisano unterzeichnet hat, folgt den Anträgen der Verteidigung des anglo-australischen Paares vom 25. Juni teilweise und sieht ein stufenweises Verfahren für die Rückkehr der Kinder in die Familie vor.
Rückkehrplan und Auflagen der Richter
Der Weg hin zur vollständigen Wiederherstellung der elterlichen Verantwortung, die im November 2025 ausgesetzt wurde, bleibt unter strenger Beobachtung der Sozialdienste. In der ersten Phase sollen die Treffen tagsüber in Palmoli geschützt und in Anwesenheit der Betreuungskräfte stattfinden.
In etwa einem Monat sollen Übernachtungen an den Wochenenden beginnen.
Die drei Kinder – ein achtjähriges Mädchen und zwei sechsjährige Zwillinge – lebten seit rund acht Monaten in einem Kinderheim in Vasto. Den Eltern, die in einem abgeschiedenen Haus im Wald ohne Strom und fließend Wasser wohnen, war das Sorgerecht entzogen worden. Die jüngsten Monate in der Heimunterbringung waren von starken Spannungen geprägt, im März musste die Mutter die Einrichtung sogar verlassen. Bis dahin hatte sie gemeinsam mit den Kindern dort gewohnt. Der Fall sorgt in Italien seit Monaten für Schlagzeilen und Empörung gegenüber den Behörden. Diese waren auf die Familie aufmerksam geworden, als sie wegen einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus musste. Die Eltern wollen ihre Kinder fern von konventionellen Lebensformen und -zwängen großziehen, lehnen Unterricht aber nicht grundsätzlich ab.
Position der Verteidigung: "Fortschritt, aber zu viel Unklarheit"
Der Anwalt der Eltern, Simone Pillon, begrüßt zwar die juristische Kurskorrektur, äußerte aber große Bedenken wegen der fehlenden festen Fristen für eine endgültige Zusammenführung und kündigte eine neue Beschwerde beim Berufungsgericht an.
"Es ist ein bedeutender Schritt nach vorn, doch das gerichtliche Verfahren wirkt noch weit von einem Abschluss entfernt", erklärte Pillon. "Die Verzögerung hat den Kindern faktisch die Sommerferien mit den Eltern genommen. Hinzu kommt die Unbestimmtheit der Zeitplanung: Die Kassation hat im Juli 2026 bekräftigt, dass Unterbringungen außerhalb der Familie klar befristet sein müssen. Man kann nicht 'sine die' weitermachen."
Der Anwalt weist zudem auf die komplizierte Alltagslogistik hin: Die fast einstündigen Fahrten zwischen Vasto und Palmoli könnten für die Kinder sehr belastend werden. Völlig offen bleiben außerdem die Fragen zur offiziellen Wohnsitzmeldung der Kinder und zur Einschulung.
Das Gericht hat zwar verfügt, sie in eine öffentliche Schule aufzunehmen und die Vormundin damit beauftragt. Doch weder die konkrete Schule noch die Modalitäten des Schulbesuchs stehen bisher fest.
Wohnproblem und Reaktion der Gemeinde
Im Hintergrund steht weiter das Thema des Bauernhauses der Eltern in Palmoli, das die Richter Ende 2025 wegen Mängeln bei Bildung, Gesundheitsschutz und sozialer Einbindung als ungeeignet für die Kinder eingestuft haben.
Nach einer Zeit in einer Unterkunft und in einer Wohnung, die die Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, ist das Paar in sein eigenes Bauernhaus zurückgekehrt, um die von den Behörden verlangten Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen.
Die Gemeinde Palmoli hat bereits die Baugenehmigung für die Erweiterung und die Anpassung des Hauses an die Vorschriften erteilt, und die Baustelle soll spätestens Mitte September offiziell starten.
Auch Palmolis Bürgermeister Giuseppe Masciulli hat auf die Entscheidung der Richter in L’Aquila reagiert: "Die Öffnung hin zu einer Rückkehr der Kinder ist zweifellos positiv, doch die Abläufe bleiben unerklärlich langsam. Es hat über zwei Monate gedauert, um zu bestätigen, was die Gutachten der Kinder- und Jugendneuropsychiatrie und die im Juni eingesetzte gerichtlich bestellte Sachverständige bereits empfohlen hatten."