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Staatsakt für Emma Bonino: Italien beerdigt Kult-Politikerin

Sarg von Emma Bonino nach der weltlichen Trauerfeier in Rom
Sarg von Emma Bonino nach der weltlichen Zeremonie in Rom Copyright  Euronews - Fanuel Morelli
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Von Mattarella bis Meloni, von Schlein bis Letta: Italiens Politikprominenz ist in der Trauer vereint. Emma Bonino war als Kämpferin über die Parteien hinaus respektiert und verehrt.

Die gesamte italienische Politik von rechts bis links erwies Emma Bonino die letzte Ehre. In der Protomoteca-Halle des Kapitols in Rom hat der Staat mit einer weltlichen Trauerfeier Abschied von der historischen Radikalen-Politikerin genommen. Bonino war am verganenen Freitag im Alter von 78 Jahren gestorben. Die Zeremonie brachte Vertreter politischer Lager zusammen, die sonst oft weit auseinanderliegen. Sie alle einte die Anerkennung der Rolle, die Bonino in der politischen und zivilen Geschichte der Republik gespielt hat.

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Vertreter der Institutionen und der Politik füllten den Saal mit Platz für rund 200 Menschen bis auf den letzten Sitz. Zu den Trauergästen zählten Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschefin Giorgia Meloni. Bürgermeister Roberto Gualtieri empfing sie mit der Trikolore-Schärpe, an seiner Seite der Vorsitzende von Più Europa, Riccardo Magi, und der Abgeordnete Benedetto Della Vedova. Ebenfalls anwesend waren Senatspräsident Ignazio La Russa, der Vizepräsident der Abgeordnetenkammer Giorgio Mulè und der Präsident des Verfassungsgerichts Giovanni Amoroso.

Präsident Sergio Mattarella bei der Staatstrauerfeier für Emma Bonino in Rom
Präsident Sergio Mattarella bei der Staatstrauerfeier für Emma Bonino in Rom Euronews - Fanuel Morelli

Mattarella hatte in seiner Kondolenzbotschaft hervorgehoben, Bonino habe „dem Leben der Republik ihren Stempel aufgedrückt“ und daran erinnert, wie wichtig ihr die Einheit und eine stärkere Integration Europas gewesen seien.

An der Zeremonie nahmen Minister der Regierung Meloni teil, Vertreter des Mitte-Links-Lagers, Repräsentanten des radikalen Spektrums sowie Persönlichkeiten, die Bonino in ihren jahrzehntelangen politischen Aktivitäten begegnet waren. Unter ihnen Marina Calderone, Carlo Nordio und Adolfo Urso, Elly Schlein, Giuseppe Conte, Romano Prodi, Matteo Renzi, Massimo D'Alema, Angelo Bonelli, Enrico Letta, Mario Monti, Carlo Calenda, Paolo Gentiloni, Laura Boldrini, Renato Brunetta, Maurizio Lupi, Francesco Boccia und Maurizio Gasparri. Ebenfalls anwesend waren Roberto Giachetti und Maria Elena Boschi.

Auf der Piazza del Campidoglio verfolgten weniger als 100 Menschen die Zeremonie auf einer Großleinwand. Die anhaltende Hitze in der Hauptstadt hielt viele fern.

Wer war Emma Bonino

Radikale, Feministin, überzeugte Europäerin und zentrale Figur im Kampf für Bürgerrechte: Emma Bonino prägte mehr als ein halbes Jahrhundert italienischer Politik. In die Institutionen zog sie nach den Jahren der radikalen Mobilisierungen ein.

Sie saß im italienischen Parlament und im Europäischen Parlament, war Außenministerin und EU-Kommissarin. Ihre Kämpfe trug sie auch auf die internationale Bühne. Abtreibung und Selbstbestimmung, Menschenrechte, Laizität des Staates und europäische Integration gehörten zu den Themen, mit denen sie ihr langes politisches Engagement verknüpfte.

Ehrung über Lagergrenzen hinweg

Die starke Präsenz im Kapitol zeigt, dass Bonino längst nicht nur einem politischen Lager angehört. Sie hatte Verbündete und Gegner, vertrat oft gegen den Strom gerichtete Positionen und erlebte unterschiedliche Regierungen, Mehrheiten und politische Epochen. Heute kommt die Anerkennung ihrer Kämpfe und ihrer Rolle im öffentlichen Leben Italiens jedoch aus nahezu allen Teilen des politischen Spektrums.

Regierungschefin Giorgia Meloni bei der Trauerfeier für Emma Bonino in Rom
Regierungschefin Giorgia Meloni bei der Trauerfeier für Emma Bonino in Rom Euronews - Fanuel Morelli

„Eine Lehrerin für die Jugend“

Ob junge Menschen oder Institutionen, ob der Einsatz für Rechte oder die konkreten politischen Auseinandersetzungen: In den Reden bei der Trauerfeier entstand das Bild einer Bonino, die weit über die radikale Szene hinaus Spuren hinterlassen hat.

Der frühere Regierungschef Enrico Letta erinnerte an sie als Orientierungspunkt für die jungen Generationen. „Emma gehört den jungen Menschen, den jungen Menschen von heute“, sagte er und erzählte, wie Studierende sie bei ihren Begegnungen nie gehen lassen wollten. Bonino habe, so Letta, „die Institutionen zu respektieren gewusst“ und zugleich deren „Trägheit und natürlichen Hang zum Bewahren aufbrechen“ können. Sie sei „eine Frau der Institutionen gewesen, ohne sich von ihnen einengen zu lassen“.

Der ehemalige Regierungschef Romano Prodi hob ihre „Beharrlichkeit bei der Verteidigung von Rechten“ und den Einsatz „für Schwache und Schutzlose“ hervor und nannte dies „eine Lehre für uns alle“. Prodi erinnerte auch an die Zusammenarbeit in seiner zweiten Regierung, in der er Bonino die Verantwortung für Europapolitik und Außenhandel übertrug.

Für den Parteichef von Più Europa, Riccardo Magi, war Bonino „eine der am wenigsten rhetorischen und direktesten Personen“, die er je kennengelernt habe. Zu ihren wichtigsten Erfolgen zählte er den Internationalen Strafgerichtshof, der derzeit „unter starkem Beschuss“ stehe. Auch Elly Schlein hatte bereits bei der zivilen Totenwache am Montag einen zentralen Zug von Boninos Engagement hervorgehoben und daran erinnert, dass „Bürgerrechte und soziale Rechte untrennbar sind“.

Während der heutigen Zeremonie erinnerte Carla Taibi, langjährige Assistentin Boninos, daran, welch Privileg und Verantwortung es gewesen sei, an ihrer Seite zu arbeiten. Sie beschrieb Bonino als „politische und menschliche Geschichte wie nur wenige“ und als „Inspiration für viele junge Frauen“.

Der letzte Abschied

Am Ende der Zeremonie begleitete Präsident Mattarella den Sarg gemeinsam mit den Angehörigen und weiteren Würdenträgern hinaus, wie es das Protokoll vorsah.

Für Emma Bonino, die über Jahrzehnte eine zentrale Figur der italienischen und europäischen Politik war, hat dieser letzte Gruß des Staates eine Bedeutung, die über parteipolitische Grenzen hinausreicht. Er steht für die öffentliche Anerkennung einer Frau, die dazu beigetragen hat, einige der wichtigsten Kapitel in der zivilen und politischen Geschichte des Landes zu schreiben.

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