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EU vergibt Nachhaltigkeitssiegel für Rechenzentren: Obergrenzen für Strom- und Wasserverbrauch

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Techniker bauen in Frankfurt am Main, Deutschland, am Montag, 14. September 2026, eine KI-Anlage auf. (AP Photo/Michael Probst).
Bau einer KI-Anlage in Frankfurt am Main am Montag, 14. September 2026. Foto: AP/Michael Probst. Copyright  AP / Michael Probst
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Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Die EU-Kommission stellt neue Nachhaltigkeitsregeln für Rechenzentren vor. Wasser- und Energieverbrauch werden künftig erfasst, Mindeststandards gelten ab 2027. Big Tech Konzerne sollen bereits versucht haben, Einfluss auf die Regelungen zu nehmen.

Die Europäische Union arbeitet an neuen Regeln für Rechenzentren in der EU. Mit einem Nachhaltigkeitsregelwerk sollen energieintensive Rechenzentren, die unter anderem für Künstliche Intelligenz notwendig sind, Standards einhalten. Gleichzeitig mischen sich Technologiekonzerne wie Microsoft bereits ein und versuchen, die neuen Regeln des Staatenbundes mitzugestalten.

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Rechenzentren in der EU, welche die Regeln erfüllen, erhalten ab 21. September ein elektronisches Nachhaltigkeitslabel. Dazu müssen sie einer installierten Leistung von mehr als 500 kW vorweisen und die Effizienzvorschriften der EU einhalten. Das geht aus neuen Vorgaben hervor, die die Europäische Kommission am Montag vorgestellt hat.

"Ziel des Bewertungssystems ist es, mehr Transparenz über den Energieverbrauch von Rechenzentren zu schaffen und als Grundlage für bessere Politik sowie für die Beschaffung nachhaltiger digitaler Infrastruktur und Dienste in Europa zu dienen", erklärte die Kommission in den neuen Regeln zur Einstufung von Rechenzentren.

EU-Rechenkapazität soll bis 2035 verdreifacht werden

Der Schritt erfolgt, weil Brüssel die Kapazität der Rechenzentren in der EU bis 2035 verdreifachen will. Damit soll die Abhängigkeit von großen Tech-Konzernen sinken und Europas eigene KI-Fähigkeiten gestärkt werden. Abgeordnete des Europaparlaments haben jedoch jüngst Bedenken geäußert, dass Microsoft die neuen Regeln zu stark beeinflussen könnte.

Parallel dazu kämpft die EU mit einer sich zuspitzenden Energiekrise. Rechenzentren gelten schon heute als Treiber des Stromverbrauchs und stoßen in einigen Gemeinden auf Widerstand.

Die Kommission betont, dass die EU Rechenzentren braucht, um Cloud-Dienste, KI und digitale Angebote zu ermöglichen. Ihr rascher Ausbau setzt jedoch die Stromnetze, Wasserressourcen und die lokale Bevölkerung unter Druck.

Im Jahr 2024 verbrauchten Rechenzentren in Europa 68 Terawattstunden Strom. Bis 2030 rechnet die EU mit einem Anstieg auf 114 TWh. Dann würden Rechenzentren nach EU-Daten 3,2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs ausmachen, derzeit sind es 2,5 Prozent.

Das neue Nachhaltigkeitslabel soll Anlagen vergleichbar machen – beim Strom- und Wasserverbrauch ebenso wie bei der Herkunft ihrer Energie. Obwohl für Rechenzentren mit mehr als 500 kW Leistung seit 2023 eine Berichtspflicht gilt, räumt die Kommission ein, dass längst nicht alle Betreiber die Daten liefern.

"Im ersten Jahr […] hat etwa ein Drittel der Rechenzentren gemeldet. Im zweiten Jahr wurde es besser, und im dritten Jahr sehen die vorläufigen Zahlen erneut besser aus. Ich denke, wir erreichen die Marke von 50 Prozent problemlos", sagte ein Kommissionsbeamter, der anonym bleiben wollte, am Montag vor Medienvertreterinnen und Medienvertretern.

Er wies jedoch darauf hin, dass die Durchsetzung der Regeln vor allem bei den EU-Staaten liegt. Der eigentliche Druck wird Anfang des kommenden Jahres einsetzen.

Obergrenzen für Energie und Wasser kommen erst 2027

Vorerst verzichtet die Kommission darauf, feste Obergrenzen für Strom- oder Wasserverbrauch vorzuschreiben.

Die schärferen Vorgaben sollen 2027 folgen. Dann will die Kommission Mindestanforderungen an die Effizienz festlegen, die neue Rechenzentren nicht mehr unterschreiten dürfen, erklärte der Beamte.

Diese "Bewährungszeit" eröffnet der Branche jedoch Spielraum. Unternehmen nutzen sie, um bei der Kommission für möglichst günstige Nachhaltigkeitskriterien zu werben.

In einer Stellungnahme vom Juli 2026 an die deutsche Bundesregierung erklärte Microsoft, man unterstütze saubere Energie sowie Strom- und Wassereffizienz als Nachhaltigkeitsindikatoren. Zugleich forderte der Konzern Änderungen an den vorgesehenen Kategorien zur Wassereffizienz im Label, wie aus dem deutschen Lobbyregister hervorgeht.

Bram Vranken, Forscher und Aktivist bei der Watchdog-Organisation Corporate Europe Observatory (CEO), kritisierte den Einfluss der Tech-Großkonzerne auf die neuen EU-Regeln für Rechenzentren.

"Die Vertraulichkeitsklausel von Microsoft bleibt erhalten, wenn auch umformuliert. Das ist äußerst problematisch. Viele Angaben im Label werden sich dadurch kaum überprüfen lassen", sagte Vranken gegenüber Euronews.

Er ergänzte, nach den derzeitigen Regeln könne ein Google-Rechenzentrum zwar eine sehr gute Bewertung bei der Energieeffizienz erhalten, gleichzeitig aber einen nicht offengelegten Gigawatt-Verbrauch haben, der im Label gar nicht sichtbar werde.

Da die EU beim Aufbau ihrer digitalen Infrastruktur auf die großen Technologiekonzerne angewiesen ist, spielen diese auch im Regulierungskonflikt eine zentrale Rolle. Die neuen Regeln der Kommission spiegeln den Anspruch wider, Europa zu einem „führenden KI-Kontinent“ zu machen. Zugleich machen sie die Spannung deutlich zwischen dem schnellen Ausbau der nötigen Infrastruktur und einer strengen Regulierung jener US-Konzerne, die sie bereitstellen sollen.

Nach Angaben der Kommission kann das neue Nachhaltigkeitslabel auch emissionsarme Energieformen, einschließlich Atomstrom, berücksichtigen. Die künftigen Mindeststandards könnten später verpflichtend werden.

Brüssel prüft außerdem, ob Rechenzentren selbst aktiver Teil des Stromsystems werden können, indem sie Flexibilität bereitstellen und ihre Abwärme einspeisen – möglicherweise an bis zu vier Millionen Haushalte in Europa.

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