EU-Staaten haben im Jahr 2025 so viele Aufenthaltstitel wie nie zuvor vergeben, rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die wichtigsten Faktoren dafür waren Erwerbstätigkeit und Familiennachzug.
Migration gehört in Europa weiterhin zu den politisch umstrittensten Themen. Zugleich haben die EU-Staaten im vergangenen Jahr so viele Erstaufenthaltstitel für Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger erteilt wie noch nie seit Beginn der Statistik im Jahr 2008.
Laut Eurostat wurden 2025 in der EU rund 3,9 Millionen Erstaufenthaltstitel ausgestellt. Das sind 10,1 Prozent mehr beziehungsweise 355.350 zusätzliche Titel im Vergleich zu 2024.
Bei den neuen Titeln lag die Erwerbstätigkeit vorn. Sie machte 33,6 Prozent aller Entscheidungen aus, ein Plus von 16,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Es folgte der Familiennachzug, der um 14,1 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent zunahm. Aufenthalte zu Bildungszwecken stiegen um 9 Punkte auf einen Anteil von 15,5 Prozent.
Nur eine Kategorie schrumpfte. Genehmigungen aus sonstigen Gründen, etwa zum internationalen Schutz, gingen um 0,9 Prozentpunkte zurück.
Spanien: Familiennachzug liegt vorn
Spanien lag 2025 bei der Zahl der Erstaufenthaltstitel EU-weit an der Spitze und erteilte 635.438 Genehmigungen, das entspricht 16,5 Prozent des EU-Gesamtwerts. Den Ausschlag gab dabei klar der Familiennachzug, nicht neue Arbeitsmigration.
Der Staat stellte 275.869 familienbezogene Titel aus, mehr als jedes andere EU-Land. Sie machten 43,4 Prozent aller spanischen Aufenthaltsgenehmigungen aus.
Marokkanerinnen und Marokkaner waren EU-weit die größte Gruppe, die einen familienbezogenen Titel erhielt. Mehr als die Hälfte dieser Genehmigungen, 51,7 Prozent, entfiel auf Spanien.
Spanien war auch insgesamt das wichtigste Ziel für marokkanische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger: 43,8 Prozent von ihnen ließen sich dort nieder. Dahinter stehen seit Langem gewachsene Migrantengemeinschaften sowie historische und sprachliche Bindungen, die auch viele Menschen aus Venezuela, Kolumbien und Peru anziehen.
Erwerbstätigkeit war die zweitgrößte Kategorie in Spanien. Rund 115.040 Titel entfielen auf Arbeit, der dritthöchste Wert in der EU nach Polen und Portugal.
Danach folgten Aufenthalte zu Bildungszwecken. Spanien stellte 105.419 Genehmigungen für internationale Studierende aus und lag damit erneut auf Rang drei in der EU, hinter Frankreich und Deutschland.
Deutschland, Polen und die übrigen Top fünf
Eine kleine Gruppe von EU-Staaten stellte den Großteil der neuen Titel aus. Hinter Spanien folgen Deutschland mit 605.292 Genehmigungen (15,7 %), Polen mit 467.314 (12,1 %), Italien mit 433.099 (11,2 %) und Frankreich mit 377.462 (9,8 %).
Diese fünf Länder stehen zusammen für fast zwei Drittel aller Erstaufenthaltstitel, die die EU im vergangenen Jahr vergeben hat.
Malta verzeichnete mit Abstand die höchste Zahl an Genehmigungen im Verhältnis zur Bevölkerung: 57 pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner, gefolgt von Zypern (47) und Portugal (27), gegenüber einem EU-Durchschnitt von nur neun.
Am anderen Ende der Skala liegen die Slowakei, Tschechien, Rumänien, Estland und Bulgarien. Sie stellten jeweils nur vier Genehmigungen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner aus, die niedrigsten Werte in der EU.
Nicht überall stiegen die Zahlen. Kroatien verzeichnete den stärksten Rückgang, ein Minus von 43,3 Prozentpunkten im Vergleich zu 2024, gefolgt von Griechenland mit einem Rückgang um 20,6 Prozentpunkte und Österreich mit 15,5 Prozent weniger Genehmigungen.
Am anderen Ende steht Portugal. Dort haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt, ein Plus von 154,9 Prozent, auch wenn die Gesamtzahl von 310.639 Titeln deutlich unter der Spaniens bleibt.
In den übrigen EU-Staaten unterscheiden sich die Hauptgründe für einen Aufenthaltstitel deutlich. Polen und Portugal vergaben insgesamt die meisten beschäftigungsbezogenen Genehmigungen, 318.186 beziehungsweise 240.523, vor allem an Arbeitskräfte aus der Ukraine, Belarus und Brasilien.
Deutschland stellte die meisten Titel für indische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus, überwiegend für Arbeit und Studium. Bei Genehmigungen zu Bildungszwecken liegen Frankreich und Deutschland EU-weit vorn, mit 118.404 beziehungsweise 112.500 Titeln.
Ukrainerinnen und Ukrainer: größte Gruppe, Schwerpunkt Polen
Nach Staatsangehörigkeit betrachtet erhielten Ukrainerinnen und Ukrainer EU-weit mehr Erstaufenthaltstitel als jede andere Gruppe: insgesamt 335.096, das entspricht 8,7 Prozent aller vergebenen Genehmigungen.
Die große Mehrheit davon konzentriert sich auf ein Land. Polen stellte 72 Prozent aller Titel aus, die an ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gingen, und 87 Prozent der Genehmigungen für Belarussinnen und Belarussen, die meisten davon für Erwerbstätigkeit.
Ukrainerinnen und Ukrainer sowie Brasilianerinnen und Brasilianer waren tatsächlich die beiden Staatsangehörigkeiten, die EU-weit die meisten beschäftigungsbezogenen Titel erhielten.
Auch hier bündeln sich die Zahlen in jeweils einem Zielland. Rund 86,3 Prozent aller Erwerbstitel für Ukrainerinnen und Ukrainer stammen aus Polen, während 90,3 Prozent der Genehmigungen für Brasilianerinnen und Brasilianer in Portugal ausgestellt wurden.
Staatsangehörige aus Indien (227.577) und Marokko (202.054) komplettieren die EU-weite Top drei.
Unter den übrigen großen Gruppen verzeichneten Syrerinnen und Syrer sowie Belarussinnen und Belarussen als einzige einen Rückgang im Vergleich zu 2024, um 42,1 beziehungsweise 15,5 Prozentpunkte, während Aufenthaltstitel für Kolumbianerinnen und Kolumbianer um 43,4 Prozentpunkte zunahmen – der stärkste Zuwachs unter den großen Nationalitäten.
Ende 2025 verfügte die EU insgesamt über 27,8 Millionen gültige Aufenthaltstitel, so viele wie nie zuvor. Anders als bei den neuen Genehmigungen ist Familiennachzug EU-weit der wichtigste Grund, einen gültigen Titel zu besitzen, nicht Erwerbstätigkeit.
Am meisten gültige Genehmigungen hielten marokkanische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit 2,2 Millionen, gefolgt von Menschen aus der Türkei (2,0 Millionen) und aus der Ukraine (1,7 Millionen).