Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger arbeiten in der Europäischen Union deutlich häufiger in befristeten oder Teilzeitjobs als EU-Staatsangehörige. In manchen Ländern sind die Unterschiede besonders groß. Woran liegt das?
Migrantinnen und Migranten aus Staaten außerhalb der Europäischen Union, die aber in der EU leben und arbeiten, haben es offenbar schwerer, eine langfristige Beschäftigung zu finden als die einheimische EU-Bevölkerung.
Aktuelle Daten von Eurostat zeigen:
Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern im Alter von zwanzig bis 64 Jahren, die in einem der 27 Mitgliedstaaten leben, hatten im vergangenen Jahrzehnt besonders häufig befristete Verträge und Teilzeitjobs. Bei den jeweiligen Staatsangehörigen des Landes war der Anteil hingegen am niedrigsten.
Was steckt hinter dieser Verteilung?
Fachleute führen das auf mehrere Ursachen zurück, darunter sprachliche Hürden, kulturelle Unterschiede und einen hohen Verwaltungsaufwand.
„Viele Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern stoßen auf zusätzliche Hindernisse, wenn sie stabile, unbefristete Stellen suchen: Sprachbarrieren, nicht anerkannte Abschlüsse, kleinere berufliche Netzwerke, Diskriminierung und aufenthaltsrechtliche Einschränkungen“, sagte Joanna Hofman, Leiterin Forschung und Evaluierung für Beschäftigung, Wohlfahrt und Qualifikationen beim Marktforschungsunternehmen Ipsos, gegenüber Europe in Motion.
„Deshalb landen sie häufiger in prekären Beschäftigungsformen, wenn sie in den Arbeitsmarkt eintreten“, so Hofman.
Andere entscheiden sich bewusst für weniger dauerhafte Jobs, abhängig von ihren persönlichen Vorstellungen.
„Einige Migrantinnen und Migranten nehmen Saison- oder Kurzzeitjobs an und suchen gezielt befristete oder Teilzeitstellen, weil sie in ihr Herkunftsland zurückkehren wollen oder weil diese Form der Beschäftigung besser zu ihrer Lebenssituation passt“, sagte Hofman. „Ich gehe aber davon aus, dass vor allem strukturelle Hindernisse am Arbeitsmarkt den größten Teil dieser Unterschiede erklären.“
Zypern, Niederlande, Polen an der Spitze
Trotzdem ist der Anteil von Nicht-EU-Staatsangehörigen in befristeten oder Teilzeitjobs in den vergangenen Jahren gesunken. Im Jahr 2025 erreichte er seinen niedrigsten Stand.
Zwischen 2015 und 2025 verzeichneten Beschäftigte aus Nicht-EU-Staaten mit befristeten Verträgen besonders hohe Anteile in Zypern, den Niederlanden und Polen. In allen drei Ländern lag der Anteil laut Eurostat über 40 Prozent.
Hinzu kommt: Frauen arbeiteten in allen Staatsangehörigkeitsgruppen deutlich häufiger mit befristeten Verträgen als Männer. Die größten Unterschiede gab es in Italien, Spanien und Portugal.
Hofman sieht mehrere Gründe für dieses Ungleichgewicht.
„Betreuungsaufgaben spielen eine große Rolle. Frauen müssen nach wie vor häufiger bezahlte Arbeit mit Kinderbetreuung oder anderen Pflegeaufgaben verbinden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie befristete oder flexiblere Stellen annehmen“, sagte sie. „Außerdem sind Frauen in Branchen wie Gesundheit, Sozialwesen, Bildung und Gastgewerbe überrepräsentiert, in denen befristete Verträge vergleichsweise üblich sind.“
Im Jahr 2025 nahmen Nicht-EU-Staatsangehörige am häufigsten Teilzeitstellen an. Ihr Anteil lag bei rund 22 Prozent. Bei den jeweiligen Staatsangehörigen des Landes waren es etwa 17 Prozent.
Teilzeitbeschäftigte aus anderen EU-Staaten lagen dazwischen, mit einem Anteil von 20 Prozent.
Die größten Unterschiede zwischen Einheimischen, in anderen EU-Ländern arbeitenden EU-Bürgerinnen und -Bürgern sowie Nicht-EU-Staatsangehörigen verzeichneten die Niederlande. Danach folgten Finnland und Frankreich.
Auch bei Teilzeit waren Frauen in allen Gruppen deutlich häufiger vertreten als Männer.
Besonders oft selbstständig: Einheimische Männer
Anders sieht es bei der Selbstständigkeit aus. Im Jahr 2025 war ihr Anteil bei EU-Bürgerinnen und -Bürgern, die im eigenen Land leben, mit 13,5 Prozent am höchsten.
Danach folgten EU-Staatsangehörige, die in einem anderen Mitgliedstaat leben, mit 10,9 Prozent, sowie Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger mit 10,1 Prozent.
Nach Einschätzung von Fachleuten spielt dabei eine Rolle, dass Einheimische das Rechts-, Steuer- und Regulierungssystem besser kennen. Sie haben zudem leichter Zugang zu Finanzierung, beruflichen Netzwerken und Informationen.
„Staatsangehörige eines Landes verfügen im Allgemeinen eher über diese Ressourcen und stoßen auf weniger bürokratische Hürden“, erläuterte Hofman. „Nicht-EU-Staatsangehörige müssen häufig zusätzliche rechtliche oder visumsbedingte Auflagen erfüllen. Dadurch wird der Weg in die Selbstständigkeit erschwert“, so die Leiterin Forschung und Evaluierung für Beschäftigung, Wohlfahrt und Qualifikationen beim Marktforschungsunternehmen Ipsos weiter.
Besonders hohe Anteile an Selbstständigen unter den Einheimischen meldeten Griechenland und Italien. Bei Bürgern aus anderen EU-Staaten lagen Kroatien und Portugal vorn. EU-weit war der Anteil an Selbstständigen bei Männern in allen Staatsangehörigkeitsgruppen durchgehend höher als bei Frauen.