Zu Beginn seines Besuchs in New York traf Selenskyj US-Senatoren. Er dankte für breite parteiübergreifende Unterstützung und ein schärferes Russland-Sanktionsgesetz, das Trump unterschrieben hat.
Russland hat in der Nacht mit Raketen und Drohnen mindestens vier ukrainische Regionen beschossen. Nach Behördenangaben kamen dabei vier Menschen ums Leben.
Die ukrainischen Streitkräfte beschädigten dagegen bei einem weiteren Fernangriff eine russische Erdölraffinerie. Der fortgesetzte tägliche Schlagabtausch aus der Luft bildet den Hintergrund für den Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den USA. Denn an der Front bewegen sich die Linien kaum.
Selenskyj will nun am Rande der UN-Generalversammlung in New York andere Staats- und Regierungschefs treffen, darunter US-Präsident Donald Trump. Er hofft auf ihre Unterstützung, um die seit mehr als vier Jahren andauernde russische Großinvasion in seinem Land zu beenden. Russlands Präsident Wladimir Putin nimmt an der jährlichen Tagung nicht teil.
Selenskyj bringt Vorschläge zur Deeskalation nach New York
Selenskyj eröffnete seinen Besuch in New York mit einem Treffen mit US-Senatoren. Er dankte ihnen für die aus seiner Sicht starke parteiübergreifende Unterstützung für die Ukraine und für das jüngst beschlossene verschärfte Sanktionsgesetz gegen Russland, das Trump unterzeichnet hat.
"Frieden und Sicherheit rücken näher, sobald das Gesetz vollständig umgesetzt ist“, sagte Selenskyj.
Auf sozialen Plattformen teilte Selenskyj mit, er habe die Senatoren über seine Vorschläge für Deeskalationsmaßnahmen informiert, die er noch am Dienstag mit Trump erörtern will.
Der ukrainische Präsident plant zudem, Trump erneut zu drängen, weitere in den USA produzierte Patriot-Luftverteidigungssysteme zu liefern, die Kyjiw dringend benötigt, um russische ballistische Raketen abzufangen.
Selenskyj sucht zudem Unterstützung, um den Fluss ukrainischen Getreides und anderer Agrarprodukte über das Schwarze Meer auf die Weltmärkte zu sichern. Russische Angriffe auf Frachtschiffe haben Kyjiws Ausfuhren stark beeinträchtigt, schaden der ukrainischen Wirtschaft und gefährden die globale Versorgung.
Ukrainische Spezialkräfte melden Treffer auf russische Raffinerie
Nach Angaben Kyjiws traf das Militär in der Nacht die Kuibyschew-Raffinerie für Erdöl im Gebiet Samara südöstlich von Moskau.
Mehrere Drohnen hätten ihre Ziele erreicht und auf dem Gelände ein großes Feuer ausgelöst, teilten ukrainische Spezialkräfte mit.
Die Raffinerie gehört dem Energiekonzern Rosneft und versorgt Zentralrussland laut der Mitteilung mit wichtigen Treibstoffen. Dort werden Benzin, Diesel, Schweröl und andere Produkte hergestellt. Die Ukraine erklärte, sie habe dieselbe Anlage bereits im vergangenen Juni angegriffen.
Bei dem Angriff in Samara sei eine Person getötet und vier weitere verletzt worden, sagte Regionsgouverneur Wjatscheslaw Fjodorischtschew.
Der Gouverneur erklärte, „der Feind hat Industrieanlagen ins Visier genommen“, nannte aber keine konkreten Objekte.
Das russische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, die Luftabwehr habe in der Nacht 297 ukrainische Drohnen über 14 russischen Regionen sowie über der völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel Krim abgeschossen.
Russland meldet Treffer auf Raketenwerk und Munitionsfabrik
Der nächtliche Angriff Russlands auf die Ukraine umfasste nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe Seezielflugkörper, ballistische Raketen, Marschflugkörper und mehr als 200 Drohnen.
Im zentralukrainischen Dnipro kamen durch die Angriffe vier Menschen ums Leben, sagte Oleksandr Hanzha, Leiter der regionalen Militärverwaltung im Gebiet Dnipropetrowsk.
Die Angriffe in mehreren Regionen der Ukraine beschädigten Wohnhäuser, Betriebe und Lagerhallen. Nach Behördenangaben wurden landesweit mindestens fünf Menschen verletzt. In der Hauptstadt Kyjiw kamen nach offiziellen Angaben fünf weitere Menschen zu Schaden.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag, eigene Truppen hätten Metall- und Chemiebetriebe, den Brennstoff- und Energiesektor sowie den militärisch-industriellen Komplex angegriffen. Zudem seien Hafenanlagen in vier Regionen der Ukraine getroffen worden.
Unter den Zielen befanden sich demnach das Werk Fire Point in Kyjiw, das Komponenten für Langstrecken-Marschflugkörper herstellt, und eine Tabakfabrik im zentralen Gebiet Poltawa, die zur Produktion von Munition für Handfeuerwaffen genutzt werde.
Reaktion aus Frankreich
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte am Dienstag an, die Ukraine mit zusätzlichen Radargeräten zu unterstützen, um ihr Stromnetz besser zu schützen.
Macron erklärte in sozialen Netzwerken, er habe mit Trump über die Möglichkeit einer Feuerpause zwischen Moskau und Kyjiw bei Angriffen auf Energieinfrastruktur und über ein „Moratorium“ für Attacken im Schwarzen Meer gesprochen.