Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Antibabypille für Männer im Test: Bei Mäusen schon zu 99 % verlässlich

Access to the comments Kommentare
Von Natalie Huet
Eine Pille kann männliche Mäuse vorübergehend unfruchtbar machen. Die Forscher hoffen, noch in diesem Jahr mit Tests am Menschen beginnen zu können.
Eine Pille kann männliche Mäuse vorübergehend unfruchtbar machen. Die Forscher hoffen, noch in diesem Jahr mit Tests am Menschen beginnen zu können.   -   Copyright  Canva

Wissenschaftler:innen in den USA haben nach eigenen Angaben eine Antibabypille entwickelt, die bei männlichen Mäusen zu 99 % wirksam ist, ohne Nebenwirkungen hervorzurufen. Noch in diesem Jahr könnte sie in Studien am Menschen getestet werden.

Die Ergebnisse, die auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society vorgestellt wurden, sind ein wichtiger Schritt in den Bemühungen, die Möglichkeiten der Empfängnisverhütung für Männer zu erweitern und die Kontrolle über eine Schwangerschaft besser mit Frauen zu teilen.

Während es für Frauen zahlreiche Möglichkeiten gibt, ihren Menstruationszyklus zu kontrollieren, gab es für Männer bisher nur zwei wirksame Verhütungsmethoden: Kondome oder Vasektomien.

Da Kondome jedoch nur für den einmaligen Gebrauch geeignet sind und Vasektomien nicht einfach rückgängig gemacht werden können, arbeiten Forschende an der Entwicklung eines wirksamen, lang anhaltenden und reversiblen Verhütungsmittels für Männer - ähnlich wie die Antibabypille für Frauen.

"Wissenschaftler versuchen seit Jahrzehnten, ein wirksames orales Verhütungsmittel für Männer zu entwickeln, aber es sind immer noch keine zugelassenen Pillen auf dem Markt", sagte Md Abdullah Al Noman, ein Doktorand, der die Arbeit auf der Tagung vorstellte.

Die meisten Präparate, die sich derzeit in der klinischen Erprobung befinden, zielen auf das männliche Sexualhormon Testosteron ab, was zu Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Depressionen und einem Anstieg des Cholesterinspiegels bei Lipoproteinen niedriger Dichte (LDL) führen kann.

"Unser Ziel ist ein nicht-hormonelles Verhütungsmittel für Männer, um diese Nebenwirkungen zu vermeiden", sagt Noman, der im Labor von Professor Gunda Georg an der Universität von Minnesota arbeitet.

Nicht-hormonelle Verhütung

Um ein nicht-hormonelles Medikament zu entwickeln, nahm sein Team das Protein Retinsäurerezeptor (RAR) alpha ins Visier.

Im Körper wird Vitamin A in verschiedene Formen umgewandelt, darunter auch in Retinsäure, die eine wichtige Rolle beim Zellwachstum, bei der Spermienbildung und bei der Embryonalentwicklung spielt.

Die Mäuse konnten 4 bis 6 Wochen nach Absetzen des Präparats wieder Junge zeugen.

Retinsäure muss mit RAR-alpha interagieren, um diese Funktionen zu erfüllen. Das Ausschalten des RAR-α-Gens bei männlichen Mäusen machte diese im Test unfruchtbar, ohne offensichtliche Nebenwirkungen, so das Forscherteam.

Also entwickelten die Forschenden eine Verbindung, die die Wirkung von RAR-alpha blockiert. Mit Hilfe eines Computermodells identifizierten sie die beste Molekularstruktur.

Die Chemikalie mit der Bezeichnung YCT529 wurde so konzipiert, dass sie speziell mit RAR-alpha interagiert aber nicht mit zwei anderen verwandten Rezeptoren, um mögliche Nebenwirkungen zu minimieren.

Schwangerschaft zu 99 Prozent verhindert

Das Medikament, das männlichen Mäusen vier Wochen lang oral verabreicht wurde, reduzierte die Spermienzahl drastisch und verhinderte eine Schwangerschaft zu 99 Prozent, ohne dass Nebenwirkungen beobachtet wurden.

Die Mäuse konnten 4 bis 6 Wochen nach Absetzen des Präparats wieder Junge zeugen.

Jenseits von Kondomen und Vasektomie: Kommt die Pille für den Mann in fünf Jahren?

Die Ergebnisse an Mäusen sind keine Garantie dafür, dass das Medikament auch beim Menschen sicher und wirksam ist.

Das Team hat sich mit einem privaten Unternehmen, YourChoice Therapeutics, zusammengetan, das bis zum dritten oder vierten Quartal 2022 mit Versuchen am Menschen beginnen will, so Georg.

"Ich bin optimistisch, dass wir schnell vorankommen werden", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP und deutete an, dass die Markteinführung in maximal fünf Jahren erfolgen könnte.

"Es gibt keine Garantie, dass es funktioniert... aber ich wäre wirklich überrascht, wenn wir nicht auch beim Menschen eine Wirkung sehen würden", fügte sie hinzu.

Die Forschung wurde von den National Institutes of Health und der Male Contraceptive Initiative , einer gemeinnützigen Organisation, die sich für ein breiteres Spektrum an Verhütungsmöglichkeiten einsetzt, finanziert.