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Thema auf dem Brüsseler Wirtschaftsforum: Was hat der Ukraine-Krieg für Folgen?

Von Naomi Lloyd  & Guillaume Desjardins
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Thema auf dem Brüsseler Wirtschaftsforum: Was hat der Ukraine-Krieg für Folgen?
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Das Brüsseler Wirtschaftsforum (Brussels Economic Forum - BEF) ist die jährliche Leitveranstaltung der Europäischen Kommission zu Wirtschaftsfragen. Das BEF verpflichtet sich seit über 20 Jahren, neue Perspektiven einzubringen und die Debatte über die wirtschaftlichen Herausforderungen und politischen Prioritäten Europas anzuregen.

Bei Real Economy geht es dieses Mal um die wichtigste EU-Wirtschaftsveranstaltung - das Brüsseler Wirtschaftsforum. Euronews-Reporterin Naomi Lloyd spricht mit der Nummer 2 des Internationalen Währungsfonds (IWF) und dem EU-Handelskommissar über die Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine auf die europäische Wirtschaft - und die Folgen.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs: Großes Thema auf dem Brüsseler Wirtschaftsforum

Der russische Krieg ist in erster Linie eine Tragödie für die Menschen in der Ukraine. Die unmittelbare Reaktion Europas bestand darin, Solidarität zu zeigen und den Flüchtlingen zu helfen. Jetzt, da die Lebensmittel- und Energiepreise in die Höhe schießen und Europa dringend seine Abhängigkeit von russischer Energie beenden muss, stellt sich die Frage, was das für die Wirtschaft der EU bedeutet. Das ist das große Thema auf dem Brüsseler Wirtschaftsforum Ende des Monats.

Die wirtschaftlichen Folgen aus internationaler Perspektive

Der Krieg in der Ukraine bremst die wirtschaftliche Erholung von der Pandemie aus. Der Weltwährungsfonds korrigiert seine Schätzung für die globale Konjunktur deutlich nach unten.

Gita Gopinath, die Nummer zwei des IWF antwortete auf die Frage, wie weitreichend die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges auf Europa sein werden und was das für unseren Alltag bedeutet:

"Der Krieg in der Ukraine wird erhebliche Auswirkungen auf fast ganz Europa haben. Wir haben unsere Wachstumsprognosen für die großen europäischen Volkswirtschaften um etwa 1 % auf jetzt 3 % für dieses Jahr zurückgenommen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die Inflation deutlich steigen wird. Die direkteste Auswirkung auf das Leben der Menschen ist – natürlich abgesehen von der Ukraine und der dortigen Flüchtlingskrise,- die Tatsache, dass die Rohstoffpreise gestiegen sind, die Energiekosten sind erheblich gestiegen. Und das wirkt sich auf die Kaufkraft der Menschen aus. Und die Auswirkungen des Krieges und der Sanktionen haben sich noch nicht voll ausgewirkt."

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Gita Gopinath, erste stellvertretende geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfondseuronews

Und auf die Frage, welche Schritte die EU in Anbetracht all dessen für einen starken wirtschaftlichen Aufschwung unternehmen muss - insbesondere für junge Menschen, sagte die erste stellvertretende geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds

"Die Pandemie hat junge Menschen besonders hart getroffen. Jetzt haben wir den Krieg und die große Unsicherheit, die damit einhergeht, das wirkt sich auf das Vertrauen und auf das Einstellungsverhalten der Unternehmen aus. Das betrifft auch jüngere Arbeitnehmer, die gerade erst ins Berufsleben starten. Gezielte Unterstützung wäre eine Maßnahme, z. B. in Form von Geldtransfers an Haushalte, die von den gestiegenen Energiepreisen hart getroffen werden. Es ist auch wichtig, zu investieren. Wir müssen den grünen Wandel vollziehen und gleichzeitig auf die Energiesicherheit achten. Ein Klima-Investitionsfonds wäre ebenfalls sehr hilfreich."

Ausblick auf das Brüsseler Wirtschaftsforum

Gita Gopinath ist eine der hochkarätigen Redner auf dem Brüsseler Wirtschaftsforum am 17. Mai. Ein Ausblick:

Auf dem Brüsseler Wirtschaftsforum diskutieren Entscheidungsträger, Wissenschaftler, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft über die größten wirtschaftlichen Herausforderungen Europas. Diese EU-Leitveranstaltung gibt es seit über 20 Jahren.

Was erwartet die nächste Generation von der Zukunft?

2022 ist das Europäische Jahr der Jugend. Wie steht es um die Zukunft der nächsten Generation? Euronews-Reporter Guillaume Desjardins hat recherchiert. Er fragte junge Ökonomen und Politiker, die am Brüsseler Wirtschaftsforum teilnehmen werden, was sie von der Zukunft erwarten.

Die erste Station seiner Recherche ist das Europäische Parlament: Die junge dänische Europaabgeordnete Kira Marie Peter-Hansen, die vor drei Jahren gewählt wurde, zieht eine gemischte Bilanz:

"Ich befürchte, dass wir die Klimaziele nicht erreichen werden, und dass es in Osteuropa einen Rückschritt in Sachen Demokratie und Menschenrechte geben wird. Das wird unsere Demokratie vor große Herausforderungen stellen und es wird einen neuen Kalten Krieg geben. Aber gleichzeitig bin ich auch sehr hoffnungsvoll und denke, dass wir all diese Krisen bewältigen können. Wenn ich mir die junge Generation anschaue, bin ich sehr zuversichtlich."

Jede Generation hat ihre eigenen Probleme

Jede Generation hat ihre eigenen Probleme zu lösen, aber die der Generationen Z und Alpha sind gewaltig: Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und die Corona-Pandemie 2020, Klima- und Umweltkrise, Krise der Demokratie und Krieg in der Ukraine sowie technologische und digitale Revolutionen, die die Welt umkrempeln.

"Unsere Zukunft wird von den politischen Maßnahmen abhängen, die wir heute umsetzen, um die Vorteile und die Kosten des digitalen Wandels auszubalancieren", sagt Roxana Mihet, Tenure-Track-Professorin für Finanzen, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Universität Lausanne. "Regierungen auf der ganzen Welt müssen darauf achten, wie und wann sie diese Technologien regulieren, denn zu wenig Regulierung wird dem Einzelnen schaden. Aber zu viel Regulierung kann ebenfalls kontraproduktiv sein und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen."

Für diese Generation, die mit einem Smartphone in der Hand geboren wurde, ist es wichtig, den grünen und digitalen Wandel voranzutreiben. Aber wie stellt man sicher, dass diese Umwälzungen nicht die sozialen Ungleichheiten verstärken? Auf diese Frage antwortet Diego Känzig, Doktorand der Wirtschaftswissenschaften an der London Business School:

"Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, indem er sein Verhalten ändert, aber natürlich ist unser Handeln nur begrenzt möglich. Es liegt an den Politikern, einen Rahmen zu schaffen, der es uns ermöglicht, die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren und Anreize für die nötigen Verhaltensänderungen zu schaffen, um dem Klimawandel zu begegnen. Und die Europäische Union unternimmt in dieser Hinsicht eine Menge."

Vor dem Hintergrund der Klimakrise, der Automatisierung und den Bedrohungen der Demokratie verändert sich die Welt rasant. Die nächste Generation wird ganz anders wirtschaften, arbeiten und konsumieren als ihre Vorgänger. Sie passt sich an die neue Welt an und gestaltet sie nach ihren eigenen Vorstellungen.

Welche Wirtschaft geben wir an die nächste Generation weiter?

Und was muss jetzt getan werden, dass sie in guter Verfassung ist. Darüber spricht Naomi Lloyd mit dem Exekutiv-Vizepräsidenten der Europäischen Kommission und Handelskommissar Valdis Dombrovskis:

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Exekutiv-Vizepräsident der Europäischen Kommission und Handelskommissar Valdis Dombrovskiseuronews

Euronews-Reporterin Naomi Lloyd: "Welche Schritte müssen für einen starken Aufschwung in Europa unternommen werden?" 

Exekutiv-Vizepräsident der Europäischen Kommission Valdis Dombrovskis: "Zuallererst ist es natürlich wichtig, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Das ist ein Ziel, das sich von allein ergibt. Aber es ist auch klar, dass je schneller wir den Krieg beenden, desto besser kann sich auch die Wirtschaft erholen. Es ist wichtig, dass wir die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wirtschaft stärken, dass die Mitgliedstaaten die verfügbaren Finanzmittel für den Wiederaufbau und die Widerstandsfähigkeit sinnvoll einsetzen. Es ist auch klar, dass wir uns von unserer Abhängigkeit von Russlands fossilen Brennstoffen lösen müssen."

Euronews: "Die Europaabgeordnete Kira Marie Peter-Hansen ist besorgt, dass wir die Klimaziele nicht erreichen. Teilen Sie diese Sorge?"

**Valdis Dombrovskis: "**Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir in Bezug auf unsere Klimaziele auf Kurs bleiben müssen: 55% Reduktion bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050. Die Tatsache, dass wir uns jetzt mit aller Macht von den russischen fossilen Brennstoffen wegbewegen, steht dazu nicht im Widerspruch - denn genau das ist das Ziel des Green Deal."

Cutter • Jean-Christophe Marcaud

Weitere Quellen • Produktion: Louise Lehec; Kamera: Jorne Van Damme, Bram Verbeke; Motion Design: NEWIC https://www.agence-newic.com/