Die USA führen den Weltmarkt für Rechenzentren deutlich an und kommen auf mehr als doppelt so viele Anlagen wie die EU. Deutschland und das Vereinigte Königreich liegen vor China. Euronews Next beleuchtet Zahlen und Investitionstrends.
Rechenzentren bilden das Rückgrat der künstlichen Intelligenz. Sie ermöglichen alles, von Anfragen an KI-Chatbots über Videostreaming bis hin zu in der Cloud gespeicherten Dateien.
Es handelt sich um große Anlagen mit Servern, Speichersystemen und Netzwerktechnik. Dort werden Daten gespeichert, verarbeitet und verteilt. Je mehr Rechenzentren es gibt, desto mehr KI-Anwendungen sind möglich. Der Betrieb verbraucht jedoch sehr viel Energie und beansprucht viel Fläche.
Rechenzentren sind der Ort, „an dem Rechenleistung untergebracht ist“, heißt es im AI Index Report 2026 des Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence. Der Bericht betont, dass „ihre Kapazität, geografische Verteilung und die zugrunde liegenden Lieferketten bestimmen, welche KI-Systeme wo entstehen können“.
Welche Länder beherbergen weltweit die meisten Rechenzentren? Wie viele davon stehen in Europa? Und welchen Platz nimmt Europa in der globalen Verteilung ein?
USA liegen deutlich vorn
Der Großteil der weltweiten Rechenzentrums-Infrastruktur konzentriert sich auf wenige Länder. Laut der Plattform Cloudscene, auf die sich auch der Bericht stützt, liegen die Vereinigten Staaten mit 5.427 Rechenzentren im Jahr 2025 klar an der Spitze. Das sind mehr als das Zehnfache jedes anderen Landes und zeigt den enormen Vorsprung der USA.
Deutschland und Vereinigtes Königreich vor China
Zwei große europäische Volkswirtschaften, Deutschland (529) und das Vereinigte Königreich (523), folgen auf die USA. Auffällig: Beide liegen vor China mit 449 Rechenzentren – trotz der Stärke des Landes als Technologie- und Innovationsmacht.
Kanada (337), Frankreich (322) und Australien (314) gehören ebenfalls zu den Staaten mit mehr als dreihundert Rechenzentren. Die Niederlande liegen mit 298 Anlagen knapp unter dieser Marke.
Die meisten übrigen Länder kommen auf weniger als dreihundert Standorte.
Russland (251) und Japan (222) komplettieren die Top Ten bei der Zahl der Rechenzentren. Brasilien und Mexiko beherbergen jeweils zwischen 150 und 200 Anlagen.
EU gesamt mit weniger als der Hälfte der US-Zahl
Die EU-Staaten bringen es zusammen auf 2.269 Rechenzentren. Das entspricht 42 Prozent des US-Wertes. Wird das Vereinigte Königreich hinzugerechnet, steigt der Anteil auf rund 51 Prozent. Auch das unterstreicht erneut die dominante Rolle der USA.
Verteilung der Rechenzentren in Europa
Hinter den starken Standorten Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich und Niederlande kommen nur wenige weitere europäische Länder auf mehr als hundert Rechenzentren. Dazu zählen Italien (168), Spanien (144), Polen (144) und die Schweiz (121).
Schweden (95), Belgien (81), Österreich (68), die Ukraine (58), Irland (55) und Dänemark (50) liegen im Bereich zwischen fünfzig und hundert Rechenzentren.
In Europa zeichnen sich klare regionale Muster ab. Westeuropa dominiert. Nordeuropa ist kleiner, aber strategisch wichtig. Mittel- und Osteuropa wirken zersplittert und sind deutlich weniger entwickelt.
Mehrere EU-Länder verfügen über weniger als 35 Rechenzentren. Unter den EU-Beitrittskandidaten liegt die Türkei mit 35 Anlagen vorn.
FLAP-D-Märkte
Das europäische Rechenzentrums-Geschäft konzentriert sich auf eine bekannte Gruppe von Städten: Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin, die sogenannten FLAP-D-Märkte. Dort bündeln sich laut Atlas Edge die meisten Investitionen, die zentrale Infrastruktur und die Aktivitäten der Betreiber.
Diese Standorte dominieren, weil sie große Internet-Knotenpunkte mit hoher Nachfrage aus Finanz- und Technologiebereich verbinden. Hinzu kommen exzellente Netzanbindung, eine starke Präsenz von Cloud-Anbietern sowie stabile regulatorische Rahmenbedingungen und verlässliche Geschäftsbedingungen.
Die FLAP-Länder gehören damit in Europa zu den wichtigsten Rechenzentrumsstandorten – über die EU hinaus, einschließlich Beitrittskandidaten, der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und des Vereinigten Königreichs. Irland bleibt beim Gesamtbestand an Rechenzentren dennoch hinter den führenden Ländern zurück.
Entscheidend ist die Kapazität
Die genannten Zahlen erfassen nur die reine Anzahl der Rechenzentren. „Die USA mögen klar führen, doch die übrigen Platzierungen müssen vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Zahl der Rechenzentren weder Unterschiede in der Größe der Anlagen noch die Rechenkapazität oder Auslastung abbildet“, heißt es in dem Bericht.
Laut dem Weltbank-Bericht „Advancing Cloud and Data Infrastructure Markets“ bestimmen vier Faktoren Investitionsentscheidungen in Cloud- und Dateninfrastruktur:
- zuverlässige und bezahlbare Energie,
- robuste Breitbandanbindung,
- günstige geografische Lage und Zugang zu geeigneten Flächen,
- sowie ein stabiles politisches und wirtschaftliches Umfeld.
„Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben Schwierigkeiten, Investitionen in Rechenzentrumsinfrastruktur anzuziehen, weil ihre Strom- und Breitbandnetze schwächer sind und ihr Geschäftsumfeld weniger attraktiv ist“, stellt der Bericht fest.