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Trump-Xi-Gipfel in China: Chips außen vor, KI-Kriegsführung rückt in den Fokus

Trump reist mit Tech-Größen nach Peking: KI-Rivalität mit China spitzt sich zu
US-Präsident Donald Trump reist mit Tech-Größen nach Peking: KI-Rivalität spitzt sich zu Copyright  Canva
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Von Pascale Davies
Zuerst veröffentlicht am
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Gipfel in Peking: Trump und Xi beraten über KI-Kriegführung, Cyberabwehr und den verschärften Tech-Konflikt – Durchbruch bei Halbleitern kaum in Sicht.

Handel und Geopolitik dürften die Tagesordnung bestimmen. Doch die Gästeliste von US-Präsident Donald Trump für seine China-Reise zeigt, dass auch Technologie bei den Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping am Donnerstag eine zentrale Rolle spielen wird.

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Mit Trump reisen unter anderem Apple-Chef Tim Cook und Tesla-Chef Elon Musk. Auffällig fehlt dagegen Nvidia-Chef Jensen Huang auf der Liste.

Im Mittelpunkt stehen jedoch wohl weniger Halbleiter, sondern Iran, Taiwan und Kriegsführung mit Hilfe künstlicher Intelligenz – erst recht nach ihrem breiten Einsatz in den Konflikten im Gazastreifen und im Iran.

Künstliche Intelligenz ist zum Kernstück des Tech-Wettlaufs zwischen den USA und China geworden. Beide Staats- und Regierungschefs könnten daher auch über eine Zusammenarbeit bei dieser Schlüsseltechnologie sprechen.

Kriegsführung mit KI

„Ganz oben auf der Agenda stehen die geopolitischen Verwerfungen durch den Konflikt im Iran. Dazu kommt die neue Unsicherheit, ob die USA in den Spannungen zwischen China und Taiwan tatsächlich noch als Schutzmacht gelten können“, sagt David Leslie, Leiter für Ethik- und Innovationsforschung am Alan Turing Institute.

„Mit Blick auf KI muss aus meiner Sicht unbedingt eine Dimension angesprochen werden: das neue Zeitalter der KI-gestützten Kriegsführung, in dem wir uns seit rund acht Monaten wiederfinden“, sagte er Euronews Next. Er verwies dabei auf den Kommandoeinsatz gegen Nicolás Maduro in Venezuela, Israels laufende Militäroperation in Palästina und den breiten Einsatz von KI in vielen Anwendungen im Iran.

„Fragen zur KI-gestützten Kriegsführung werden daher sehr präsent sein“, fügte er hinzu. „China und die USA haben dieses Thema bereits angeschnitten, vor allem im Zusammenhang mit Nuklearwaffen.“

Der Trump-Xi-Gipfel folgt nur wenige Wochen auf die Entscheidung des US-KI-Unternehmens Anthropic, sein auf Cyberangriffe spezialisiertes Modell Mythos ausgewählten Unternehmen und Cybersicherheitsfirmen zur Verfügung zu stellen.

Anthropic erklärte, das Modell könne nicht frei zugänglich sein, da es „beispiellose Risiken für die Cybersicherheit berge“.

Fortgeschrittene KI-Modelle, die Schwachstellen in der nationalen Cybersicherheits-Infrastruktur aufdecken, werden damit zu einem zentralen Thema zwischen China und den USA, so Leslie. Solche Lücken hätten Folgen bis in die höchsten Ebenen der nationalen Sicherheit.

Wichtig sei zudem der enorme Einfluss von Trumps Verbündeten aus der Techbranche auf seine Regierung, fügte Leslie hinzu. Teilweise könne man sagen, dass nicht Washington die Unternehmen steuere, sondern das Silicon Valley die Politik.

Das könne bedeuten, dass die US-Position zu Themen wie Cybersicherheit oder dem mutmaßlichen Diebstahl geistigen Eigentums durch chinesische Techkonzerne – etwa beim Kopieren amerikanischer KI-Modelle – weniger von Diplomatinnen und Diplomaten geprägt werde, sondern stärker von Tech-Managerinnen und -Managern, die für diese Regierung inzwischen zentral seien.

„Eines der prägenden Merkmale der Technologiepolitik der Trump-Regierung ist aus meiner Sicht, dass sie weitgehend von den Interessen des Silicon Valley diktiert wurde“, sagte Leslie.

Wettlauf um KI

Die USA überlassen die Entwicklung von KI weitgehend der Privatwirtschaft. China treibt dagegen Bildungs- und Forschungsstrukturen massiv voran.

Peking hat das Ziel ausgegeben, bis 2027 in Schlüsselbranchen eine KI-Durchdringungsrate von mehr als 70 Prozent zu erreichen.

Auch bei KI-Anbietern hat China zu den USA aufgeschlossen. Firmen wie DeepSeek bieten nach eigenen Angaben günstigere Alternativen zu ChatGPT mit vergleichbarer Leistung. Gleichzeitig baut China eine eigene Chipindustrie auf: Konzerne wie Huawei, Alibaba und ByteDance haben damit begonnen, eigene Chips zu entwerfen.

Laut dem diesjährigen KI-Jahresbericht des Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (Quelle auf Englisch) haben Chinas Fortschritte im Bereich KI den Abstand zu den USA deutlich verkleinert.

Dem Bericht zufolge liegen die USA bei Kapital, Infrastruktur und KI-Chips vorn. China führt hingegen bei Patenten, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und „physischer KI“, also Robotik.

Verflechtete Interessen

Zwischen beiden Ländern bestehen komplexe wechselseitige Abhängigkeiten. Chinas Vorkommen seltener Erden, darunter Metalle wie Cerium und Lanthan, sind für moderne Technologien unverzichtbar. Sie liefern damit sowohl Stoff für Spannungen als auch politischen Hebel.

„Das Bild ist sehr vielschichtig, und die USA stehen meiner Einschätzung nach heute weniger stark da als früher“, sagte Leslie.

Er verwies auf die stark geschrumpften US-Militärbestände an Ausrüstung und Material. Allein um diese wieder aufzufüllen, brauche Washington verlässlichen Zugang zu vielen verschiedenen seltenen Erden. „Es gibt veränderte und schwächer werdende Elemente in der Position der USA, die in diesem Verhältnis eine wichtige Rolle spielen“, so Leslie.

Gleichzeitig könnte China versuchen, eine Lockerung der US-Exportbeschränkungen für sensible Technologien zu erreichen, sagte Jacob Gunter, Programmleiter „Wirtschaft und Industrie“ beim Thinktank MERICS, in einem Pressegespräch. Das würde auch helfen, das Handelsdefizit zu verringern.

„Aber selbst Peking hat gezeigt: Wenn die Trump-Regierung bei bestimmten Nvidia-Chips Ausnahmen zulässt, damit sie nach China verkauft werden dürfen, lautet die Antwort aus China oft schlicht: Nein, wir wollen sie nicht“, sagte er. Langfristig sei es für Peking wichtiger, die gesamte Binnennachfrage nach Chips auf heimische Produzenten zu lenken.

Gleichzeitig gebe es wohl eine Schwelle, ab der der Zugang zu den leistungsfähigsten Hochleistungschips China einen so großen Vorsprung bei der KI-Entwicklung verschaffen würde, dass dies den Vorteil einer reinen Förderung der heimischen Industrie überwiege, fügte Gunter hinzu.

Jeder Versuch Trumps, irgendeine Art von Halbleiter- oder KI-Abkommen auszuhandeln, würde jedoch nahezu sicher auf heftigen Widerstand des sicherheitspolitischen Flügels seiner Regierung stoßen, angeführt von Persönlichkeiten wie Außenminister Marco Rubio.

„Das sind im Grunde rote Linien. Auf diesen beiden Feldern sind wir festgefahren: KI und Halbleiter sind zwei von vielen Fronten des neuen Kalten Krieges, in dem wir leben.

„Ein Abkommen muss diese Bereiche nicht zwingend umfassen. Bei KI und Chips werden beide Seiten sie deshalb wahrscheinlich ausklammern“, sagte Gunter.

Auch im Interesse der gesamten Menschheit liegt es, dass der Wettlauf um KI nicht in eine Abwärtsspirale mündet, die die Existenz von Menschen bedroht.

„Jeder Staat befindet sich in einem eigenen Kontext, was die Entwicklung der Technologie im jeweiligen Umfeld betrifft“, sagte Leslie. Ebenso unterschiedlich sei, wie die Bevölkerung die Innovationsdynamik und die Verbreitung von KI aufnimmt.

Angesichts des rasanten Tempos beim Ausbau von KI gibt es bereits Gegenreaktionen – in den USA ist von „Techlash 2.0“ die Rede. Neue Rechenzentren entstehen, belasten Energie- und Wasserressourcen und verdrängen ganze Stadtviertel. Zugleich wächst die Sorge, dass KI selbst im Technologiesektor zahlreiche Arbeitsplätze verdrängt.

In China habe die stärker zentralisierte Machtstruktur zu aggressiveren Industriepolitiken und zu mehr Steuerung der großen Linien geführt, sagte Leslie.

„Seit Langem gibt es nicht nur die Wahrnehmung, dass China in diesem vermeintlichen Technologiewettlauf nicht zurückfallen will“, so Leslie. „Es besteht auch die tiefere Überzeugung, dass sich die Technologie im chinesischen Kontext stärker im Dienst des öffentlichen Interesses entwickeln soll.“

„Dafür gibt es bestimmte Rahmenbedingungen und ein größeres Vertrauen, denn Chinas innenpolitische Regeln für KI und deren Regulierung gelten im Hinblick auf den Schutz der Bevölkerung vor Schäden als vergleichsweise progressiv“, fügte er hinzu.

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