Bericht: Eltern-Influencer und Ärzte werben trotz Kritik für Teenager-Konten bei Meta, laut neuem Bericht
Meta soll gezielt Eltern-Influencerinnen und -Influencer eingesetzt haben, um sein Image beim Thema Kindersicherheit aufzupolieren. Hintergrund ist Kritik am Einfluss der Plattform auf Minderjährige, wie aus einem neuen Bericht hervorgeht.
Das US-Recherchezentrum Tech Transparency Project (TTP) argumentiert, Meta habe mit der Bewerbung seiner Instagram-„Teen Accounts“ eine breitere Strategie verfolgt, um die öffentliche Debatte über die Verantwortung von Plattformen zu beeinflussen.
Demnach baute der Konzern ein Netzwerk aus Hunderten Online-Creators und sogenannten „Momfluencerinnen“ auf. Sie erhielten Einladungen zu speziell kuratierten Veranstaltungen, bei denen Meta die neuen Konten vorstellte.
Laut Bericht gaben viele dieser Influencerinnen und Influencer Metas Argumente an ihre Follower weiter. Teilweise kennzeichneten sie ihre Beiträge mit Hinweisen oder Hashtags auf eine bezahlte Partnerschaft.
Der Bericht erscheint, nachdem Meta in den USA mehrere Klagen verloren hat, in denen dem Unternehmen vorgeworfen wird, Minderjährige auf seinen Plattformen nicht ausreichend zu schützen. In einer Klage des Generalstaatsanwalts von New Mexico, Raul Torrez, geht es zusätzlich um fehlenden Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung.
Wer wirbt für die Teen Accounts?
Teen Accounts (Quelle auf Englisch) bieten laut Instagram für Nutzerinnen und Nutzer unter siebzehn Jahren eingebaute Funktionen, die unerwünschte Kontakte und schädliche Inhalte einschränken. Zusätzlich stehen Tools wie Zeitmanagement zur Verfügung.
Zu den im Bericht hervorgehobenen Influencerinnen gehört die frühere „Duck Dynasty“-Darstellerin Sadie Robertson Huff. Sie lobte die Instagram-Teen-Accounts in einem Video aus dem Jahr zweitausendvierundzwanzig vor ihren Millionen Followern.
„Sie haben tatsächlich diese neuen Teen Accounts eingeführt, die ich absolut beeindruckend finde“, sagt Robertson Huff in dem Video, das als Instagram-Partnerschaft gekennzeichnet war.
Auch Influencerinnen wie Alexia Delarosa und Noelle Downing sowie Reality-TV-Persönlichkeit Leroy Garrett äußerten sich nach den Veranstaltungen öffentlich positiv über das System der Teen Accounts.
Euronews Next bat die im Bericht zitierten Influencer um eine Stellungnahme, erhielt jedoch zunächst keine Antwort.
Meta: Influencer sollen mehr Eltern erreichen
Eine Meta-Sprecherin erklärte, das Unternehmen arbeite „stolz mit Eltern und Creators zusammen, um über diese Kontrollen zu informieren und ihre Nutzung zu fördern“.
Teen Accounts böten eingebaute Schutzfunktionen für junge Menschen und gäben Eltern konkrete Werkzeuge an die Hand, um die Online-Erfahrung ihrer Kinder zu beaufsichtigen, so das Unternehmen.
„Unsere Kritiker behaupten, ihnen gehe es um Sicherheit. Wer jedoch Bemühungen angreift, Eltern aufzuklären, zeigt, dass ihm Schlagzeilen wichtiger sind als echte Hilfe für Familien“, heißt es in der Stellungnahme.
Meta betonte, man arbeite mit Influencern zusammen, weil diese Eltern in großer Zahl in lokalen Communities erreichen könnten. Über Schulveranstaltungen oder Elternabende allein sei das kaum möglich.
Zudem informiert Meta Eltern in Werbekampagnen, In-App-Hinweisen, Interviews und über Online-Material darüber, wie sie ihre Kinder im Netz schützen können.
Der Konzern verweist außerdem darauf, dass auch andere soziale Netzwerke wie TikTok, Roblox und Snapchat mit Influencern zusammenarbeiten.
Leroy Garrett verteidigte seine Zusammenarbeit mit Meta gegenüber CNN: „Es ist entscheidend, dass wir alle zusammenstehen, um diese Probleme zu bewältigen und eine sicherere Online-Umgebung für unsere Jugend zu fördern.“
Meta erklärte gegenüber CNN, man arbeite „stolz“ mit Creators und Eltern zusammen, um für seine Funktionen zur elterlichen Kontrolle zu werben.
Laut TTP fanden sich zudem elf Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie Therapeutinnen und Therapeuten, die die Teen Accounts unterstützten. Fünf weitere Mediziner traten bei Meta-Veranstaltungen als Vortragende auf; der Bericht legt nahe, dass sie dafür ein Honorar erhielten.
Zu den Genannten gehören die auf Jugendmedizin spezialisierte Ärztin Hina Talib und die Psychologin Ann-Louise Lockhart. Beide veröffentlichten unterstützende Beiträge zu den Teen Accounts und wiesen dabei auf finanzielle Beziehungen zu Meta hin.
Talib erklärte gegenüber TTP, sie habe kurzzeitig für Meta gearbeitet, unter anderem für Vorträge und einen Social-Media-Beitrag. Sie habe jedoch darauf bestanden, eigene Formulierungen zu verwenden statt vorgegebener Textbausteine des Unternehmens. Euronews Next hat Talib unabhängig davon um eine weitere Stellungnahme gebeten.
Politischer Streit um Altersnachweise für Apps
Die Recherche kommt außerdem zu dem Schluss, dass Meta Influencer einsetzt, um eines seiner wichtigsten politischen Ziele voranzutreiben: Gesetze, die die von Apple und Google betriebenen App-Stores verpflichten sollen, Altersprüfung und elterliche Zustimmung zu übernehmen, wenn Minderjährige Apps herunterladen.
Meta vertritt die Position, Eltern sollten Anfragen ihrer Kinder zum Download von Social-Media-Apps ausdrücklich genehmigen oder ablehnen können. Dabei müsse auch das Alter der Kinder überprüft werden.
Der Bericht wirft Meta vor, Influencer als Teil einer „politischen Astroturf-Kampagne“ einzusetzen, um Unterstützung für Gesetze zu schaffen, die die Pflicht zur Altersprüfung bei den App-Stores verankern und nicht bei einzelnen Apps wie Instagram.
Expertinnen und Experten hatten Euronews Next bereits zuvor erklärt, dass eine Altersverifikation nur auf Ebene der App-Stores nicht ausreicht, um Kindern eine sicherere Online-Erfahrung zu bieten. Sie gehe nicht an die systemischen Probleme vieler Social-Media-Apps heran, etwa „suchtartige Funktionen“ wie endloses Scrollen.