Smartphones überlasten unsere Hände, führen zu SMS-Daumen, Karpaltunnelsyndrom und Arthritis. Ärztinnen und Ärzte empfehlen einfache Änderungen.
Stundenlang doomscrollen, Rechnungen bezahlen, ganze Serienfolgen schauen – das Smartphone ist für viele den ganzen Tag im Einsatz. Doch das viele Wischen und Tippen belastet unsere Hände.
Unter dem Begriff „Text-Daumen“ fassen Ärzte verschiedene handynutzungsbedingte Beschwerden zusammen: Steifheit, pochende Schmerzen rund um das Daumengelenk, ein Schnapp- oder Klickgefühl beim Beugen des Daumens.
Unbehandelt kann die dauerhafte Überlastung zu einem Karpaltunnelsyndrom, Arthritis oder einer Tendovaginitis de Quervain führen.
„Unsere Hände sind nicht dafür gemacht, den ganzen Tag ein Telefon zu bedienen“, sagt Eugene Tsai, Chirurg am Cedars-Sinai Orthopaedics and Sports Medicine. „Wenn wir unsere Handys nutzen wollen, müssen wir sorgsam mit unseren Händen umgehen.“
Aktuelle Smartphones sind größer und schwerer als frühere Modelle. Auch die Art, wie wir sie nutzen, hat sich verändert.
Warnungen gibt es schon länger – der „BlackBerry-Daumen“ war bereits vor zwei Jahrzehnten ein häufiges Problem. Doch die heute enorme Bildschirmzeit sorgt dafür, dass Überlastungsschäden viel häufiger auftreten.
Haltung öfter wechseln
Wer Handgelenke und Ellbogen stundenlang in derselben Position hält, riskiert Schmerzen am Daumenballen und im Handgelenk. Ein Smartphone über längere Zeit aufrecht zu halten, überlastet außerdem die übrigen Finger.
„Mobile Geräte werden bleiben. Statt zu sagen ‚Du darfst nicht am Handy sein‘, müssen wir lernen, wie wir sie besser an den Alltag anpassen können“, sagt Maureen O’Shaughnessy vom University of Kentucky HealthCare Hand Center.
Die einfachste Maßnahme: Bildschirmzeit begrenzen oder zwischen den Scrollphasen kurze Pausen einlegen.
Wenn das unrealistisch wirkt, hilft ein Wechsel der Hand. Nutzen Sie den Zeigefinger statt des Daumens oder variieren Sie die Art, wie Sie das Gerät halten.
Auch die integrierten Bedienhilfen sind nützlich. Spracherkennung mit Textausgabe verringert die Tippbelastung. Wenn Sie die Schrift vergrößern, müssen Sie das Telefon nicht mehr so nah vor das Gesicht halten.
Haltehilfen in Ring- oder Schlaufenform verteilen das Gewicht des Smartphones gleichmäßiger über die Hand. Sie dienen oft gleichzeitig als Ständer beim Videostreaming.
Hände regelmäßig dehnen
Tägliche Dehnübungen lindern Handschmerzen nach langen Phasen vor dem Bildschirm. Beugen Sie das Handgelenk, indem Sie die Handfläche abwechselnd zu sich hin und von sich weg neigen. Die andere Hand kann leichten Druck geben, um die Dehnung zu verstärken.
Kleine Kreisbewegungen mit den Daumen und das einzelne Durchbewegen jedes Fingers sind ebenfalls sinnvoll.
Bei Schmerzen am Daumenballen legen Sie die Hand flach auf eine Unterlage und ziehen den Daumen von den anderen Fingern weg. Halten Sie diese Position etwa 30 Sekunden lang.
Bleiben Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln trotz weniger Bildschirmzeit und Hausmitteln wie Ibuprofen oder Eis bestehen, sollten Sie ärztlichen Rat suchen.
Dauerhafte Handynutzung kann eine bestehende Daumenarthrose verschlimmern, eine Tendovaginitis de Quervain auslösen oder einen Schnappdaumen verursachen – ein schmerzhafter Hakeneffekt beim Beugen des Daumens durch eine entzündete Sehne.
Eine kurze, bewusst eingelegte Pause, um die Haltung zu verändern, wirkt vielleicht unbedeutend. Auf Dauer kann sie viel bewirken.