Auf Capri drängen sich in der Hochsaison täglich bis zu 50.000 Gäste – weit mehr als die nur rund 13.000 bis 15.000 Einwohner der Insel.
Die italienische Insel Capri führt in diesem Sommer neue Regeln für den Tourismus ein.
Der Nobelort geht strenger gegen Reisegruppen vor. Nach Ansicht der Behörden verstopfen sie die engen Gassen und stören Bewohnerinnen, Bewohner und andere Reisende.
Die neuen Vorschriften begrenzen die Größe der Gruppen, und Reiseleiterinnen und Reiseleiter dürfen keine Lautsprecher oder Schirme mehr benutzen.
Bedrohung für Capris ruhige Atmosphäre
Zur Hochsaison besuchen täglich bis zu 50.000 Menschen Capri – weit mehr als die rund 13.000 bis 15.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Die Insel wirbt seit Langem als ruhiges, elegantes Reiseziel, doch Menschenmassen an schwer zu lenkenden Tagestouristen passen nicht zu diesem Bild.
Schon in den fünfziger Jahren galten auf Capri Benimmregeln für Gäste: Holzclogs waren tabu, ebenso laut aufgedrehte Radios.
Heute sehen die Behörden vor allem Reisegruppen als Gefahr für die exklusive Atmosphäre. Viele seien laut, schlecht organisiert und blockierten die engen Gassen und Aussichtspunkte.
Capri schränkt große Reisegruppen ein
Die neue Regelung erlaubt nur noch Reisegruppen, die auf höchstens 40 Personen begrenzt sind, das Betreten der Insel.
In Gruppen mit mehr als 20 Personen sind Lautsprecher künftig tabu. Stattdessen müssen die Teilnehmenden Kopfhörer oder Ohrstöpsel bekommen, um ihren Reiseleiterinnen und Reiseleitern folgen zu können.
Reiseleiterinnen und Reiseleiter sowie Gruppenverantwortliche dürfen sich nur noch mit einem unauffälligen Schild oder einer kleinen Zugkelle kenntlich machen. Auffällige Utensilien wie Schirme oder Fahnen sind nicht mehr erlaubt.
Die Gruppen müssen eng beieinanderbleiben und dürfen die Sicherheit und den Komfort anderer Besucherinnen und Besucher nicht beeinträchtigen. Reiseleiterinnen und Reiseleiter sollen darauf achten, dass ihre Gruppen nicht zu viel Platz einnehmen und anderen Touristinnen und Touristen Raum lassen.
„Touristen? Alle, aber nicht alle auf einmal“
Bewohnerinnen und Bewohner sowie Tourismusbetriebe begrüßen den Schritt.
„Das ist ein verantwortungsvoller Schritt und entspricht unserer Vorstellung von einer Insel, die endlich wieder gut bewohnbar ist“, sagte Lorenzo Coppola, Präsident des Hotelverbands von Capri.
„Die neuen Regeln für organisierte Gruppen sind ein unverzichtbares Instrument, um kritische Bereiche zu entlasten und unseren Fußwegen wieder Luft zum Atmen zu geben.“
Gianluigi Lembo, Besitzer der berühmten Taverne Anema e Core, in der schon Stars wie Jennifer Lopez, Mariah Carey und Leonardo DiCaprio gefeiert haben, betont, dass die neuen Regeln allen Gästen zugutekommen, nicht nur VIPs.
„Touristen? Alle, aber nicht alle auf einmal. Ich will keine Besucher erster oder zweiter Klasse, niemand soll ausgeschlossen werden“, sagte er der italienischen Tageszeitung „Corriere del Mezzogiorno“.
„Aber auch für Gruppen braucht es eine Grenze, denn der Platz auf der Insel ist begrenzt. Deshalb begrüße ich die Obergrenze – sie schützt nicht nur den VIP‑Tourismus, sondern alle.“
Capris Bürgermeister Paolo Falco kündigt weitere Maßnahmen an, um den Bootsverkehr zu steuern im Hafen Marina Grande. Dort kommen die Besucherinnen und Besucher an und steigen in die Standseilbahn oder in Busse ins Zentrum von Capri oder in den ruhigeren Ort Anacapri im Westen der Insel um.
Gegenüber italienischen Medien erklärte Falco, man könne das Anlanden auf bestimmte Zeiten beschränken. „Wir prüfen diese Frage und die Sicherheit im Hafen gründlich und werden das Problem lange vor Beginn des Sommers lösen können“, sagte er.