Zum dritten Mal besuchte Kanzler Friedrich Merz (CDU) den US-Präsidenten Donald Trump. Für den deutschen Regierungschef gibt es viel Lob. Merz spricht den USA seine freundschaftliche Unterstützung beim Iran-Krieg aus – drängt aber auf ein baldiges Kriegsende.
Für diesen Besuch hatte der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) sich tagelang vorbereitet: Zum dritten Mal traf er den US-Präsidenten Donald Trump in Washington.
Bei dem schon seit Monaten geplanten Treffen sollte es ursprünglich um den Ukraine-Krieg und die US-Zölle gehen. Doch aufgrund des Iran-Konflikts stand thematisch der Nahe Osten im Fokus. Die USA befinden sich zusammen mit Israel seit Samstag im Krieg mit dem Iran.
Merz' klarer Termin-Vorteil: Er ist der erste ausländische Staatschef, der seit dem Angriff auf den Iran in Washington auf den US-Präsidenten trifft. Das spricht für den deutschen Kanzler. Trump hätte den Termin auch verschieben können.
Das geschah kurz vor dem Gespräch:
Wie Euronews aus Kreisen des Kanzleramtes erfuhr, war Merz besonders die "Wirkung" vor den Kameras der Presse am Kamin im Oval Office wichtig. Der Kanzler stellte sich deshalb auf Fragen rund um den Iran ein. Er erwartete, es könnte heikel werden. Denn auch wenn Merz zwar betonte, er sei "erleichtert" darüber, "dass das iranische Regime jetzt an ein Ende kommt", säte er zugleich am Samstag Zweifel an Trumps Angriffssplänen: "Wir wissen nicht, in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region noch ziehen werden."
Sogar Merz' Andeutung "Jetzt ist nicht die Zeit, unsere Partner und Verbündeten zu belehren" klang wie eine Belehrung, nur netter verpackt. Auch schloss der Kanzler militärische Unterstützung gegen das Mullah-Regime aus.
All dies sorgte kurz vor dem Treffen in Washington bereits für Enttäuschung. So zeigten sich Republikaner bezüglich der E3-Erklärung von Frankreich, Großbritannien und Deutschland empört. Dass er enttäuscht sei, sei „eine Untertreibung“, schrieb etwa der Senator Lindsey Graham auf X.
Der deutsche Staatschef hat durch den Angriff auf den Iran bereits das Problem, dass die Benzin- und Gaspreise im Land für Verbraucher und Industrie steigen. In Deutschland stehen 2026 fünf Landtagswahlen an.
Die großen Fragen: Wird Merz vor der amerikanischen Presse das völkerrechtliche "Dilemma" beim Angriff auf den Iran, wie er es formulierte, erneut betonen – oder ändert er seine Position? Spricht er die Preisschocks an? Zielt Merz etwa auf eine Zoll-Taktik, um sich gemeinsam gegen China zu verbünden?
So schlägt sich Merz beim dritten Besuch
Beim ersten Mal (Juni 2025) im Oval Office hatte Friedrich Merz dem US-Präsidenten Trump ein Geschenk mitgebracht – eine in Gold gerahmte Kopie der Geburtsurkunde von Trumps Großvater, der einst in der deutschen Pfalz aufwuchs. Das scheint eine Geste gewesen zu sein, die den US-Präsidenten nachhaltig beeindruckte.
"Er ist wirklich sehr nett", sagte Trump am Dienstag zu Beginn der Pressekonferenz. Die Stimmung: freundlich. "Unsere Länder verstehen sich sehr gut. Der Kanzler macht einen sehr guten Job. Die Beziehung, die wir haben, und der Handel, sind sehr stark."
Trump weiter: "Natürlich haben wir auch über den Iran gesprochen." Der Iran wäre "hart getroffen" worden, sie hätte keine Luftverteidigungsanlagen mehr, "es läuft militärisch sehr, sehr gut", meinte Trump.
Kanzler Friedrich Merz redete zu Beginn nicht viel. Machte aber klar: **"**Wir unterstützen die Vereinigten Staaten und Israel dabei, dieses schreckliche Terrorregime zu beseitigen." Man werde darüber sprechen, was danach passiert. Auch über die Handelsvereinbarungen zwischen Deutschland und den USA müsse gesprochen werden.
Rasch lenkte Merz das Gespräch vor laufenden Kameras auf die Ukraine: "Und wir müssen über die Ukraine sprechen. Die Ukraine muss ihr Territorium und ihre Sicherheitsinteressen gewahrt wissen." Ein Statement, das der Bundeskanzler sich wohl genauestens überlegt hatte.
Trump: "Wir hätten sonst einen Atomkrieg"
Doch wie Merz' Berater es bereits erwartet hatten, stellte die Presse Fragen zum Iran-Konflikt. "Aus militärischer Sicht sind wir sehr stark. Irgendwann wird der Iran nicht mehr in der Lage sein, Raketen zu starten", sagte Trump. "Das schlechteste Ergebnis könnte höchstens sein, dass jemand, der genauso schlecht ist, die neue Regierung im Iran übernimmt. Wir möchten aber jemanden sehen, der das übernimmt, der das Land den Menschen zurück gibt", so der US-Präsident.
Der US-Präsident verteidigt seinen Krieg gegen den Iran mit der Aussage: "Wenn wir den Angriff nicht getan hätten, hätte der Iran innerhalb eines Monats eine starke Nuklearwaffe entwickeln können. Das haben wir verhindert."
Trump geht noch einen Schritt weiter: "Wir hätten sonst einen Atomkrieg." "Das sind kranke Menschen, sie sind wütend", so Trump über das Mullah-Regime.
"Unterschied" zu Angela Merkel: Lob für Merz
Ein Reporter fragte Trump: "Was sind die Erwartungen gegenüber Deutschland?"
Trump antwortete: "Wir erwarten nicht viel. Wir wollen nur respektiert werden. Ich hatte meine Unterschiede mit Angela – ich sagte ihr: 'Du schadest Deinem Land mit Deiner Migrations- und Klimapolitik'". Merz hingegen würde eine andere Politik als Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einschlagen.
Merz hat seinen dritten Besuch bei Trump also offenbar gut überstanden.
Merz' europäische Kollegen kommen hingegen bei Präsident Trump nicht gut weg: Spanien hätte "keine gute Führung". Darum "werden wir jeden Handel mit Spanien einstellen". Der US-Präsident kündigt sogar an: "Wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben!" Mit Großbritannien sei er auch "nicht zufrieden". "Das ist nicht Winston Churchill, den wir gerade dort haben", sagt er über Keir Starmer.
Auf die Frage, wie Deutschland die USA bei dem Krieg gegen den Iran unterstütze, antwortete Kanzler Merz mit Blick aufs Kriegsende: "Wir müssen über die Strategie sprechen, wenn das Regime erst einmal entmachtet ist. Es geht dabei auch um Europa und um die Sicherheit Israels."
Auffällig: Die meisten Fragen der Journalisten wurden an Trump gestellt – nicht an den deutschen Kanzler.
**Trump verspricht: "**Ölpreise sinken auf ein Niveau, auf dem sie vorher nie waren.“
An deutschen Tankstellen steigt der Benzinpreis unterdessen drastisch. Am Dienstag überschritt er an einigen Tankstellen die 2-Euro-Marke. Der Bundeskanzler merkte an, er hoffe, der Krieg dauere nicht zu lange.
"Natürlich trifft das unsere Wirtschaft", so Friedrich Merz. Das gelte für die Öl- und Gaspreise. "Deshalb hoffe ich, dass er so schnell wie möglich wieder vorbei sein werde."
Trump hingegen verspricht: "Wenn wir mit dem Iran fertig sind, werden die Ölpreise auf ein Niveau sinken, auf dem sie vorher nie waren".
Hinter den Türen geht es vor allem um US-Zölle
Nach dem Termin im Oval Office folgt das Mittagessen zwischen Friedrich Merz und Donald Trump im Cabinet Room des Weißen Hauses. Wie Euronews erfuhr, wird es hinter den verschlossenen Türen vor allem um das Thema Zölle gehen.
Deshalb sind die Zölle weiterhin ein wichtiges Thema:
Das US-Supreme-Court-Urteil vom Februar 2026 hat Trumps frühere umfassende Sonderzölle – basierend auf dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) – für unrechtmäßig erklärt und diese weitgehend aufgehoben, woraufhin Deutschland und die EU zunächst Entlastung spürten. Trump hat jedoch sofort neue, pauschale Importzölle auf viele Waren – einschließlich deutscher Exporte wie Autos und Maschinen – eingeführt, weshalb der Handelskonflikt tatsächlich weiter eskaliert.
Doch die Erwartungen an das Gespräch über Zölle beim Merz-Trump-Treffen sind sehr gedämpft. Einen großen Durchbruch oder eine sofortige Aufhebung der neuen US-Zölle (aktuell 10 %, mit Drohung auf 15 %) erwarten selbst die Berater des Kanzleramtes nicht. Der Grund dafür: Der Iran-Krieg steht aktuell an erster Stelle auf der Agenda von Trump, und Trump gibt in Handelsfragen tendenziell nur selten nach.
Merz und die EU-Seiten hingegen drängen strategisch vermehrt auf eine "Planungssicherheit" – also schlicht eine Bestätigung, dass der bestehende EU-USA-Handelsdeal (mit 15 %-Obergrenze aus 2025) weiter gilt und die neuen pauschalen Zölle nicht darüber hinausgehen oder den Deal verletzen.
Heißt: Das Zoll-Gespräch zwischen Trump und Merz könnte als Sondierung ohne große Deals enden. Eine Art "Erfolg" wäre für Merz schon, wenn Trump keine weiteren Eskalationen ankündigt.