Eigentlich sollten massenhaft Fußballfans in die USA reisen. Doch geplante ESTA-Reformen und der Druck in sozialen Netzwerken könnten die Besucherzahlen deutlich drücken.
Im Jahr 2025 legte der internationale Tourismus weltweit im Schnitt um vier Prozent zu. In den USA dagegen brach die Zahl der Auslandsbesucher um enttäuschende fünf Komma vier Prozent ein.
Beobachter sprechen bereits vom „Trump-Schwund“. Strengere Einwanderungspolitik, LGBTIQ+-feindliche Änderungen bei Pässen, verschärfte Grenzkontrollen und Wechselkurs-Schwankungen schrecken viele Gäste ab.
Nun richtet sich der Blick auf die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft: Im Juni und Juli finden Spiele in den USA statt, außerdem in Mexiko und Kanada.
Eigentlich sollte das Turnier Massen von Fußballfans in die USA locken. Geplante Änderungen beim ESTA-Verfahren und der genaue Blick der Behörden auf soziale Medien könnten die Besucherzahlen jedoch deutlich drücken.
US-Reiserückgang: Was steckt hinter dem „Trump-Schwund“?
Die USA verzeichnen in fast allen Herkunftsländern weniger Gäste. Besonders stark ist der Einbruch bei Touristinnen und Touristen aus Kanada: Im Januar 2025 kamen achtundzwanzig Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Aus Großbritannien gab es ein kleines Plus von einem halben Prozent, aus Frankreich und Deutschland reisten hingegen weniger Menschen an.
Der Trend setzt sich offenbar auch 2026 fort. Im Januar lag die Zahl der Europareisenden in die USA um fünf Komma zwei Prozent unter dem Vorjahreswert.
Unberechenbare außenpolitische Vorstöße und Unruhe im Land selbst verunsichern ausländische Gäste – von Drohungen, Grönland zu annektieren, bis zu Tötungsfällen unter Beteiligung von Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE.
Strengere Kontrollen an den Grenzen schrecken ebenfalls ab. Besonders seit Fälle bekannt wurden, in denen Europäerinnen, Europäer und Kanadier im vergangenen Jahr von Beamtinnen und Beamten festgehalten und befragt wurden, sowie Berichte über Durchsuchungen elektronischer Geräte.
Die USA haben zudem für Dutzende Staaten ein Einreiseverbot verhängt, darunter vier Länder, die für die Weltmeisterschaft qualifiziert sind: Iran, Senegal, Elfenbeinküste und Haiti. Außerdem wurde eine „Visa-Integritätsgebühr“ von 250 Dollar für Touristen- und Geschäftsvisa eingeführt.
LGBTQ+-Reisende verzichten zunehmend auf USA-Reisen, seit Präsident Trump im vergangenen Januar eine Politik anstieß, nach der der Bund nur noch zwei biologische Geschlechter anerkennt: männlich und weiblich.
Die Maßnahme verschärft bestehende Sorgen vor Reisen in ein Land, in dem schon jetzt regionale Gesetze und gesellschaftliche Stimmungslagen belastende Situationen auslösen können.
WM als Hoffnungsschimmer?
Die anstehende Fußball-WM sollte den USA eigentlich einen kräftigen Tourismusschub bescheren.
Im November veröffentlichte das Unternehmen Tourism Economics eine Studie. Darin heißt es, das Turnier werde einen kräftigen Aufschwung im internationalen Reiseverkehr auslösen, die Nachfrage beleben, die Hotels füllen und die wirtschaftliche Schlagkraft solcher Mega-Events demonstrieren.
Die Analysten prognostizierten, dass zur Weltmeisterschaft rund 1,24 Millionen ausländische Gäste in die USA reisen. Davon seien 742.000 Menschen, also etwa 60 Prozent, zusätzliche Besucherinnen und Besucher, die ohne das Turnier nicht gekommen wären.
„Nach einem schwierigen Jahr 2025 mit einem Rückgang der internationalen Übernachtungsreisen in die USA um sechs Komma drei Prozent erwarten wir 2026 ein Plus von drei Komma sieben Prozent bei den Einreisen, fast ein Drittel des Wachstums geht dabei auf das Turnier zurück“, heißt es weiter.
Sommer: Weniger Flugbuchungen in die USA
Neuere Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass diese Hoffnungen zu optimistisch waren.
Im Februar durchbrachen die USA zwar laut National Travel and Tourism Office ihre neunmonatige Durststrecke im Tourismus, das Plus lag jedoch nur bei null Komma acht Prozent. Zuvor war die Zahl der Gäste im Januar um vier Komma zwei Prozent gesunken.
Noch ernüchternder: Laut einem Bericht des Magazins Forbes (Quelle auf Englisch) unter Berufung auf Daten des Luftfahrtanalyse-Unternehmens Cirium liegen die Flugbuchungen aus Europa in die USA für diesen Sommer mehr als vierzehn Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Und womöglich kommt bald eine weitere „Reisebarriere“ hinzu. Ein Vorschlag der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP sieht vor, dass Antragstellerinnen und Antragsteller für das elektronische Reisegenehmigungssystem ESTA ihre Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenlegen müssen.
Der Verband der europäischen Reisebüros und Reiseveranstalter ECTAA warnt, aus Sicht europäischer Reisender mache die „Kumulation“ solcher Maßnahmen USA-Reisen „komplexer, eingriffsintensiver und weniger zugänglich“ und könne am Ende sogar „Reisen gänzlich entmutigen“.
Aran Ryan, Direktor für Branchenanalysen bei Tourism Economics, rechnet zwar damit, dass die Weltmeisterschaft im Sommer zusätzliche Gäste bringt. Zugleich warnt er jedoch vor „starkem Gegenwind“.
Dazu zählen die negative Stimmung gegenüber den USA und die Sorge vor Grenz- und Einwanderungspolitik. All das lasse sich „nicht allein durch die WM umkehren“.
Hotels in den Austragungsstädten stellen sich laut einem Bericht (Quelle auf Englisch) des Analysehauses CoStar bereits auf deutlich geringere Effekte ein als ursprünglich erhofft.
Besonders Sorgen bereitet das verhaltene Interesse an den von der FIFA geblockten Zimmerkontingenten.
Der Weltfußballverband hatte bereits vor zwei Jahren Zimmer für Kartenkäuferinnen und -käufer reserviert. Hotelgruppen berichten nun von schwacher Nachfrage und davon, dass sogar geblockte Kontingente wieder freigegeben werden.
Die Weltmeisterschaft wird den Tourismus in den USA zwar spürbar ankurbeln. Bitter bleibt jedoch die Erkenntnis, wie viel größer der Effekt hätte ausfallen können.
„Wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen, werden die Gesamtzahlen wohl etwas enttäuschend ausfallen“, sagt Jan Freitag, nationaler Direktor für Marktanalysen im Gastgewerbe bei CoStar.