Klimakrise: Durch Menschen verursachte Erderwärmung verstärkt Extremwetter in Westafrika – die Kakaoernte bricht dramatisch ein.
Ein „dramatischer Preissprung“ bei Schokolade wird von Fachleuten auf menschengemachten Klimawandel zurückgeführt. Sie sprechen bereits von einer „Easter Eggflation“.
Eine neue Auswertung der Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) zeigt: Der durchschnittliche Preis beliebter Oster-schokoladen im Vereinigten Königreich ist binnen drei Jahren um rund zwei Drittel gestiegen. Manche Eier kosten inzwischen mehr als doppelt so viel.
Die Daten erfassen den durchschnittlichen Preis vor Rabattaktionen großer Marken in britischen Supermärkten zwischen Januar und März. Demnach verzeichneten Galaxy-Ostereier den stärksten Anstieg: plus 105 Prozent je 100 Gramm seit 2023.
Auch Cadbury Creme Eggs sind inzwischen 81 Prozent teurer. Ein Lindt-Goldhase mit 200 Gramm kostet heute 77 Prozent mehr und liegt bei stolzen 8,42 Pfund, also rund 9,72 Euro.
Im Jahr 2025 stiegen die Schokoladenpreise in der EU im Schnitt um 18 Prozent – so stark wie kein anderes Lebensmittel. Die allgemeinen Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum im Schnitt nur um 2,5 Prozent zu.
Klimakrise trifft Schokoladenindustrie
Fachleute machen die „Easter Eggflation“ vor allem am explodierenden Kakaopreis fest. Die globale Erwärmung treibt ihn in die Höhe.
Rund 60 Prozent des weltweiten Kakaos stammen aus Westafrika. Angebaut wird er vor allem in feuchtwarmen Ländern wie Côte d’Ivoire und Ghana, wo sich hohe Temperaturen und reichlich Regen mit kurzen Trockenzeiten abwechseln.
Steigende Temperaturen verschärfen dort Extremwetter und machen es häufiger. Die Kakaoproduktion ist in den vergangenen drei Jahren dadurch um bis zu 40 Prozent eingebrochen.
Im Jahr 2023 lösten heftige Regenfälle in Westafrika einen Ausbruch der schwarzen Kakaofäule aus, viele Pflanzen verrotteten. Anfang 2024 folgte das Gegenteil: eine Dürre, verstärkt durch Klimawandel und El Niño, dazu eine extreme Hitzewelle. Sie erschwerten Aussaat, Wachstum und Ernte der Kakaobohnen.
Manche Fachleute warnen sogar, die Welt könnte bis 2050 praktisch ohne Kakao dastehen, falls Treibhausgase die Erde weiter aufheizen. Illegaler Goldabbau, überalterte Plantagen und sogar Kakaoschmuggel treiben die Preise zusätzlich.
Globale Erwärmung: direkte Ursache des Preisschocks
Chris Jaccarini, Lebensmittel- und Landwirtschaftsanalyst bei der ECIU (Quelle auf Englisch), sieht in dem Preissprung eine deutliche Erinnerung daran, dass die Klimakrise längst Gegenwart ist und kein fernes Szenario mehr.
„Die Extremwetterereignisse, die die Kakaoernte in Westafrika ruiniert und die Preise in die Höhe getrieben haben, sind eine direkte Folge unseres sich aufheizenden Planeten“, sagt er.
„Die Rohkakaopreise haben sich zuletzt etwas entspannt, und die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den Konflikt im Iran und in der Golfregion. Doch die Untätigkeit beim Klimaschutz hat Einkaufsrechnungen in den vergangenen Jahren um Hunderte Euro verteuert – Schokolade ist nur eines von vielen betroffenen Lebensmitteln.“
Jaccarini wertet die aktuelle Eier-Inflation als deutliche Warnung vor dem, was droht, falls die Welt ihre Emissionen nicht auf Netto-null senkt und Lieferketten widerstandsfähiger macht.
Steigende Schokopreise: Trägt Europa Mitschuld?
Forschende testen inzwischen die Johannisbrotbaumfrucht als Alternative – eine klimaresistente Pflanze aus dem Mittelmeerraum, die Hitze und Trockenheit mit wenig Wasser gut verkraftet.
An der Wurzel des Problems ändert das aber wenig: Die ärmeren Länder tragen weiterhin die Hauptlast der Klimakrise.
Auf dem UN-Klimagipfel COP29 im Jahr 2024 einigten sich knapp zweihundert Staaten darauf, die Klimafinanzierung für Entwicklungsländer bis 2035 auf 300 Milliarden Dollar pro Jahr zu verdreifachen, rund 254,5 Milliarden Euro.
Ein Jahr später, auf der COP30, forderten die Entwicklungsländer zusätzliche Unterstützung für die Anpassung an den Klimawandel. Sie betonten, wie stark Infrastrukturprojekte wie Hochwasserschutz und dürreresistente Wassersysteme das Leben vor Ort verändern können.
Die Staaten einigten sich am Ende jedoch nur darauf, die Mittel für Klimaanpassung bis 2035 mindestens zu verdreifachen – faktisch eine Wiederholung früherer Zusagen, ohne darüber hinauszugehen.
Zur gleichen Zeit kündigte Deutschland an, sein Budget für die Unterstützung von Entwicklungsländern beim Senken ihrer Treibhausgasemissionen von 6 Milliarden auf 4,58 Milliarden Euro zu kürzen.
Im Jahr 2025 gaben mehrere wichtige westeuropäische Staaten, darunter die Schweiz, Frankreich und die Niederlande, bekannt, ihre Hilfsbudgets deutlich zu beschneiden. Sie wollen mehr Mittel für eigene Prioritäten freimachen, etwa höhere Verteidigungsausgaben.
In diesem Monat geriet das Vereinigte Königreich in die Kritik: Die Regierung plant, die Klimahilfen um etwa 14 Prozent auf rund 2 Milliarden Pfund pro Jahr zu kürzen, also etwa 2,31 Milliarden Euro – trotz Warnungen, dass dieser Schritt die nationale Sicherheit und Menschenleben in anderen Ländern gefährden könnte.