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Alaskas "Königin der Fjorde": Darum umgehen Kreuzfahrten den Tracy Arm

Im Tracy Arm enden zwei Gezeitengletscher; in dem Fjord leben viele Tiere wie Robben und Bären.
Tracy Arm: Zwei Gezeitengletscher, Robben und Bären Copyright  Peter Mulligan, CC BY 2.0
Copyright Peter Mulligan, CC BY 2.0
Von Michael Starling & AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Tracy Arm, Alaskas „Königin der Fjorde“, verschwindet von vielen Kreuzfahrt-Routen. Doch, warum?

Seit vielen Jahren gilt die Fahrt durch den Tracy Arm im Südosten Alaskas als Höhepunkt zahlreicher Kreuzfahrtrouten. Die dramatische Fjordlandschaft und die aktiven Gletscher, die Eisbrocken in das eiskalte Wasser stürzen lassen, ziehen Besucher an.

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Der enge Meeresarm, eingerahmt von unberührter Wildnis, gilt seit Langem als eine der eindrucksvollsten Schiffspassagen der Region. In dieser Saison lassen jedoch mehrere große Reedereien die Route aus.

Auslöser ist ein gewaltiger Erdrutsch im vergangenen Sommer, als ein großer Teil eines Gletschers in den Fjord stürzte und einen Tsunami auslöste. Die Wellen schossen hoch die gegenüberliegende Bergflanke hinauf. Das Ereignis schürte Sorgen um die Stabilität der umliegenden Hänge, die weiterhin als potenziell gefährlich gelten.

Mit Verweis auf die Sicherheit der Passagiere und anhaltende geologische Risiken haben Kreuzfahrtanbieter ihre Routen geändert. Sie gehen vorsichtiger vor, solange Fachleute die Lage vor Ort weiter prüfen.

"Die majestätische Prinzessin"

„Tracy Arm ist die majestätische Prinzessin, sie ist die Königin der Fjorde“, sagt der Reisevermittler Nate Vallier.

Als Alternative haben Kreuzfahrt- und Ausflugsanbieter den nahe gelegenen Endicott Arm und den Dawes-Gletscher gewählt. „Auch dort ist es wunderschön, aber es ist einfach nicht dasselbe“, sagt er.

Der Tracy Arm südöstlich von Juneau ist ein rund fünfzig Kilometer langer Fjord. Er endet an zwei Gezeitengletschern, dem North und dem South Sawyer, und ist Lebensraum für Wildtiere wie Robben und Bären.

Am zehnten August 2025 löste sich hoch oben am Hang über der Gletscherzunge des South Sawyer nahe dem Fjordende ein Erdrutsch. Die Wassermassen schossen mehr als eine Viertelmeile, also über einen halben Kilometer, die gegenüberliegende Felswand hinauf und hinaus in den Tracy Arm.

Zum Zeitpunkt des Ereignisses befanden sich nach Behördenangaben keine Schiffe im Fjord, Tote oder Verletzte gab es nicht. Kajakfahrer, die auf einer Insel nahe der Mündung von Tracy und Endicott Arm zelteten, verloren jedoch einen Großteil ihrer Ausrüstung in den Fluten.

Im Südosten von Alaska, der größtenteils aus gemäßigtem Regenwald besteht, sind Erdrutsche nichts Ungewöhnliches. Dass die Fjorde rund um den Tracy Arm anfällig sind, ist seit Langem bekannt. Der Hang, der im vergangenen Sommer abrutschte, galt jedoch bislang nicht als akute Gefahrenquelle, sagt Gabriel Wolken, Leiter des staatlichen Programms für Klima- und Eisrisiken.

Forschende untersuchen nun, was genau den Hangsturz auslöste und welche weiteren Gefahren im Fjord lauern könnten, sagt er.

Das Gebiet bleibe instabil, erklärt Steven Sobieszczyk, Sprecher des US Geological Survey. Steile Rutschhänge veränderten sich noch Jahre nach einem ersten Abrutsch, schrieb er in einer E-Mail.

„Anhaltende Felsstürze und kleinere Rutschungen aus der freigelegten Abrissnarbe sind zu erwarten und könnten das Wasser beeinflussen, was möglicherweise künftig einen lokalen Tsunami auslöst“, schrieb er.

Ein Kreuzfahrtschiff fährt in den Alaska-Fjord Tracy Arm
Ein Kreuzfahrtschiff fährt in den Alaska-Fjord Tracy Arm JOE KAFKA/AP

Große Kreuzfahrt-Unternehmen wie Holland America, Carnival Cruise Line und Royal Caribbean teilten auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP mit, sie ersetzten den Stopp im Tracy Arm durch den Endicott Arm. MSC Cruises, Virgin Voyages und der regionale Ausflugsanbieter Allen Marine steuern stattdessen den Endicott Arm und den Dawes-Gletscher an. Norwegian Cruise Line hat nach eigenen Angaben derzeit keine Routen, die am Tracy Arm vorbeiführen.

Der Endicott Arm diente schon früher einigen Schiffen als regulärer Halt und als Ausweichroute, wenn die Bedingungen im Tracy Arm etwa wegen zu viel Eis als unsicher galten.

Vallier, der das Reisebüro Alaska Travel Desk betreibt, hätte sich von den Reedereien frühere Informationen über die Routenänderungen gewünscht.

Nach dem Auslaufen in Seattle werden die ersten Schiffe der Saison am 21. April in Ketchikan erwartet, in Juneau eine Woche später.

Für viele Reisende steht der Blick auf einen Gletscher ganz oben auf der Wunschliste – vor allem, wenn er aktiv kalbt. Das habe den Tracy Arm so beliebt gemacht, sagt er. Der Mendenhall-Gletscher in Juneau ist zwar eine der Hauptattraktionen der Hauptstadt und des Kreuzfahrthafens. Viele Besucher sehen ihn jedoch nur aus der Ferne über einen großen See hinweg, und von einigen Wanderwegen ist er bereits stark geschrumpft oder ganz aus dem Blickfeld verschwunden.

Kimberly Lebeda aus Wichita im US-Bundesstaat Kansas war begeistert, als sie im vergangenen Jahr für ihre Familie einen Ausflug in den Tracy Arm buchte. Lebeda, die Reiseziele gründlich recherchiert, ließ sich vor allem von der Landschaft überzeugen.

Am Abend vor dem geplanten Stopp erfuhren sie jedoch, dass das Schiff wegen des Eises im Tracy Arm stattdessen in den Endicott Arm fahren würde. Lebeda, ihre Familie und andere Ausflugsgäste wechselten auf ein kleineres Boot mit Panoramafenstern, vielen Sitzplätzen und Snacks. Sie sahen Robben auf Eisschollen, Wasserfälle und wie sich „eine Eiswand“ vom Dawes-Gletscher löste, erzählt sie.

Sie nennt das Erlebnis „ein beeindruckendes Schauspiel“.

„Hat es sich gelohnt? Ja, denn ich weiß nicht, ob ich so eine Reise je wieder machen kann“, sagt sie. „Ich war noch nie im Tracy Arm und kann es deshalb nicht vergleichen. Aber für mich war es jeden Aufwand wert – und absolut aufregend.“

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