Bosnien und Herzegowina verbindet uraltes Kulturerbe mit einer jungen, kreativen Gastroszene – und steigt damit zu einem neuen Trendziel Europas auf.
Sie wissen noch nicht, wohin es diesen Sommer gehen soll, möchten aber kein FOMO-Risiko eingehen? Dieses Balkanland sorgt in den sozialen Medien gerade als eines der spannendsten Reiseziele Europas für viel Gesprächsstoff.
Im April hat Tripscout, ein soziales Reiseportal, die Gewinner seiner „Most Engaging Destination Awards“ bekanntgegeben. Grundlage ist die „Social IQ“-Analyse der Plattform, die die Auftritte von Reisezielen über verschiedene digitale Kanäle hinweg auswertet – nach Interaktionen wie Likes, Kommentaren und Reposts sowie nach Wachstum bei den Followerzahlen.
In Europa holte sich Schottland gleich zwei Auszeichnungen als trendigste und als interaktionsstärkste Region. Bosnien und Herzegowina landete an der Spitze in der Kategorie der interaktionsstärksten Länder: Nutzerinnen und Nutzer drückten auf den offiziellen Tourismusprofilen des Landes mehr als 2,4 Millionen Mal auf „Gefällt mir“.
„Bosnien hatte die höchste Gesamtwertung für Interaktionen in Europa und bekam deshalb diese Auszeichnung“, erklärt Jim Brody, Global Vice President of Destinations bei Tripscout, gegenüber Euronews Travel. „In die Entscheidungen zu den Preisen ist keine redaktionelle Bewertung eingeflossen, sie folgen ausschließlich dem Algorithmus, der diese Kennzahl berechnet.“
Nach Brodys Einschätzung verfügt Bosnien noch nicht über die Markenbekanntheit und mediale Präsenz, die das Land eigentlich verdient. In den sozialen Medien können sich Destinationen aber Beitrag für Beitrag direkt mit potenziellen Gästen austauschen und Inhalte mit Mehrwert liefern.
„Unsere Erfahrung zeigt, historisch gesehen, dass soziale Netzwerke neugierigen Menschen ermöglichen, mehr über unbekannte Reiseziele herauszufinden“, sagt er. „Es liegt weniger daran, dass es dort mehr neugierige Reisende gibt als in anderen Medienformen – auch wenn das mit dazu beiträgt, dass weniger bekannte Ziele plötzlich viral gehen. Entscheidend ist vor allem, wie soziale Plattformen aufgebaut sind: Nutzerinnen und Nutzer können weit über das bloße Ansehen von Inhalten hinausgehen, sie teilen, kommentieren und weiter recherchieren.“
Die Auszeichnung durch Tripscout fällt in eine Phase, in der das Balkanland 2025 mehr als 1,9 Millionen Besuche verzeichnete – ein leichter Anstieg um 0,3 Prozent im Jahresvergleich. Das wirft die Frage auf: Was steckt hinter diesem leisen Tourismusboom?
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Die Stadt Mostar liegt 126 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Sarajevo und beherbergt eine UNESCO-Welterbestätte: die rekonstruierte Alte Brücke. Der ursprüngliche Bau aus dem Jahr 1566 entstand unter Sultan Süleyman dem Prächtigen. Im Krieg der 1990er Jahre wurde die Brücke zerstört und 2004 wieder aufgebaut.
Mostar – der Name geht auf das Wort mostari, „Brückenwächter“, zurück – stand über Jahrhunderte für ein Nebeneinander von Moscheen, Kirchen und Synagogen. Der Wiederaufbau der Brücke gilt heute als Symbol für das gemeinsame Leben von Muslimen, Christinnen und Christen sowie Jüdinnen und Juden in Bosnien.
„Die rekonstruierte Alte Brücke und die Altstadt von Mostar sind ein Symbol der Versöhnung, der internationalen Zusammenarbeit und des Zusammenlebens verschiedener kultureller, ethnischer und religiöser Gemeinschaften“, heißt es bei UNESCO (Quelle auf Englisch).
Die lebendige Hauptstadt Sarajevo verbindet Geschichte und Gegenwart: In Architektur und Küche treffen osmanische, österreichisch-ungarische und jugoslawische Einflüsse aufeinander.
In den kopfsteingepflasterten Gassen von Baščaršija wird die Vergangenheit greifbar. Das Marktviertel hat sich optisch kaum verändert. Der Time-Out-Autor John B Wills (Quelle auf Englisch) schreibt: „Was Sie hier sehen, kommt dem sehr nahe, was die Menschen damals über die Jahrhunderte gesehen haben.“
Den modernen Puls spürt man in der sich rasant entwickelnden Gastroszene. Fine-Dining-Adressen wie Mala Kuhinja servieren asiatisch-balkanisch inspirierte Gerichte mit Geflügel und Fisch in kreativen Fusion-Varianten.
Zeitgenössische Kunstgalerien wie Manifesto prägen Sarajevos kreative Szene. Sie geben Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern Raum für Ausstellungen und für Kontakte zu Kulturorganisationen und Kollektiven. Die Ausstellung „Ukrštenica“, die im April eröffnet hat, zeigte Werke von sechs bosnischen und regionalen Künstlerinnen und Künstlern, die Kreuzworträtsel-Strukturen in der bildenden Kunst untersuchten.
Wo man übernachten kann
In den vergangenen Jahren hat das Wachstum im Tourismus eine Welle neuer Hotelprojekte ausgelöst, darunter auch internationale Marken, die kurz vor der Eröffnung stehen.
Marriott Bonvoy hat das Mostar Marriott Hotel als Neuzugang für das Balkanland angekündigt. Geplant sind 182 Zimmer und Suiten, fünf Restaurants, ein Außenpool und ein Businesscenter.
Das Vier-Sterne-Haus Hotel NOVA Inn Sarajevo, seit Februar 2026 geöffnet, bietet acht möblierte Studios für Geschäfts- und Freizeitreisende. Das Aparthotel liegt nur wenige Schritte von der Baščaršija-Straße entfernt, das Frühstück ist im Zimmerpreis inbegriffen.
Sarajevos Hotel Eleven hat im Juni vergangenen Jahres eröffnet. Wenig überraschend verfügt das Vier-Sterne-Hotel über elf Einheiten: Doppel- und Zweibettzimmer sowie Apartments. Die Zimmer sind für ein oder zwei Gäste ausgelegt, in den Apartments können bis zu vier Personen übernachten. Helle, weiße Innenräume treffen auf farbenfrohe Kunstwerke, und das Haus liegt fußläufig vom Nationaltheater Sarajevo entfernt.
Praktische Reisetipps
Bosnien ist zwar EU-Beitrittskandidat, doch Staatsangehörige aus EU-Ländern und aus Staaten des Schengen-Raums, darunter Liechtenstein, Monaco und die Schweiz, können bis zu neunzig Tage innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten einreisen – vorausgesetzt, sie verfügen über ein gültiges Reisedokument, etwa einen Reisepass oder Personalausweis.
Andere Staatsangehörige können ein Visum für Kurzaufenthalte beantragen. Es erlaubt mehrfache Einreisen in das Balkanland für insgesamt bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen. Besonders interessant ist dieses Visum für Geschäftsreisende sowie für Bildungs-, Sport- und Veranstaltungstourismus, etwa wissenschaftliche, kulturelle oder religiöse Events.
Um ins Land zu kommen und sich darin zu bewegen, bietet sich der Bus an. Von Sarajevo aus gibt es zahlreiche Abfahrten; die meisten internationalen und innerbosnischen Linien führen über die Hauptstadt.
Das Netz verbindet mehr als 91 Städte des Landes. Außerdem liegt der zentrale Busbahnhof in der Nähe des Međunarodni aerodrom Sarajevo, des wichtigsten internationalen Flughafens. Städte wie Banja Luka und Mostar dienen ebenfalls als wichtige Verkehrsknotenpunkte.
Wer lieber mit dem Zug reist, profitiert von Bahnverbindungen zu nationalen und internationalen Knoten. Auf der Strecke Sarajevo–Ploče–Sarajevo geht es etwa direkt ins benachbarte Kroatien und zurück.
Die Landeswährung ist die Konvertible Mark. Eine Konvertible Mark (1 BAM) entspricht etwa 0,51 Euro. Ausländische Besucherinnen und Besucher können sich die Mehrwertsteuer auf Einkäufe über 100 BAM (51,12 Euro) erstatten lassen – ausgenommen sind unter anderem Öl und Tabakwaren.