Riyadh Air punktet mit einer beeindruckenden Business Class, die Hafawa Lounge in Riad gilt schon jetzt als womöglich beste Flughafenlounge der Region.
Eine Fluggesellschaft von Grund auf aufzubauen, ist alles andere als leicht. Besonders mutig ist das im Nahen Osten, wo bereits Schwergewichte wie Qatar Airways, Emirates und Etihad Airways den Markt prägen.
Riyadh Air ist Ende vergangenen Jahres auf die Bühne getreten: Seit Oktober verbindet die Airline ihre Basis am King-Khalid-Flughafen in Riad mit London-Heathrow im Oktober.
Für die breite Öffentlichkeit waren diese Flüge erst ab Juni buchbar. Seither jagt eine neue Streckenankündigung die nächste.
Die Airline bedient bereits Verbindungen von Riad nach Kairo, Dubai und Málaga. In den kommenden Wochen folgen Flüge zu Zielen wie Manchester, Kuala Lumpur, Mumbai und Dhakar.
Ich hatte das Glück, beim Erstflug nach Madrid an Bord zu sein – hier mein Eindruck.
Hafawa Lounge: Beste Flughafen-Lounge im Nahen Osten?
Das Erlebnis mit Riyadh Air beginnt in der Hafawa Lounge im Terminal zwei des King-Khalid-Flughafens.
Die Lounge trägt den Namen eines arabischen Wortes für „herzliche Begrüßung“. Diese Geste ist ein wichtiger Teil der saudi-arabischen Kultur. Das spürt man sofort, wenn zur Ankunft Kaffee und Datteln serviert werden.
Entworfen wurde der Raum vom Studio Yabu Pushelberg. Vorbild ist die saudische Wüste: warme Sandtöne und geschwungene Linien ziehen sich durch das gesamte Design.
Mit fast 2.000 Quadratmetern verteilt sich die Lounge auf mehrere Räume. So lässt sich genau die Umgebung wählen, die zur eigenen Stimmung passt.
Für ein klassisches Lounge-Erlebnis gibt es den Social Dining Room. Dort wartet ein Buffet mit arabischen Mezze wie Hummus, Baba Ghanoush und Taboulé. Dazu kommen warme Speisen wie Lamm-Kofta und Seebarsch Sayadiya sowie eine Auswahl an Broten, Käse und Desserts.
Wer vor dem Flug etwas mehr Zeit hat, sollte den Executive Dining Room ausprobieren. Dort werden à-la-carte-Gerichte wie Garnelen-Machbous, Rinderfilet und Ravioli mit Pilzfüllung serviert.
Ich begann mit einem Burrata-Salat und bestellte danach Paneer Tikka – beides hervorragend.
Nach dem Essen zog es mich direkt zur Getränke-Ecke. Dort werden alkoholfreie Weine und Biere serviert sowie Mocktails, etwa der „Lavender Haze“, eine Anspielung auf den Duft, der Riyadh Air prägt.
Die Lounge wirkt wie eine kleine Flucht vor dem Trubel des Flughafens. Leise Lounge-Musik untermalt den gesamten Bereich. Den Unterschied merkt man besonders im Außenbereich der Lounge mit Blick auf das Terminal.
Für alle, die kurz die Augen schließen möchten, gibt es private Räume. Außerdem stehen Massagesessel und Duschen bereit.
Riyadh Air plant eine weitere Hafawa Lounge im Terminal vier von London-Heathrow. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest.
Erlebnis an Bord
Viel Überlegung ist in das Kabinendesign geflossen, damit es sich klar von anderen Airlines abhebt. Das beginnt beim „Canopy Twist“ über jedem Business-Class-Sitz und reicht bis zu den vielen Violetttönen im Innenraum.
Durch die vielen eingesetzten Materialien wirkt der Raum warm und einladend – etwa durch die Sitzdetails und die marmorierte Tischoberfläche. Gleichzeitig bietet er dank der Schiebetür viel Privatsphäre.
Riyadh Air hat acht Monate lang intern Flüge von und nach London durchgeführt, um den Service zu verfeinern. Das Ergebnis ist spürbar.
Die Kabine wirkt, als hätte ein Vielflieger sie für Vielflieger entworfen. Alles, was man sich wünschen könnte, ist bereits eingeplant.
In jeder Suite gibt es zwei USB‑C-Ladeanschlüsse, einen USB‑A-Port und eine normale britische Steckdose vom Typ G.
Kopfhörer liegen bereit. Wer lieber eigene nutzt, kann sie per Bluetooth mit dem Bildschirm verbinden. Und wer ganz ohne Kopfhörer reisen möchte, hört den Ton über Lautsprecher in der Kopfstütze.
Der Bildschirm ist mit 32 Zoll beeindruckend groß. Im Bordunterhaltungssystem finden sich alle aktuellen Filme und Serien, die man sich wünschen kann.
Eines unserer Lieblingsdetails versteckt sich in der Flugkarte. Nahe gelegene Städte werden hervorgehoben, und der Bildschirm lädt dazu Informationen aus Wikipedia zu dem jeweiligen Ziel.
Im Amenity Kit liegen Lippenbalsam, Handcreme, Gesichtscreme und Gesichtsspray der saudischen Wellness-Marke Kayanee. Dazu kommen Ohrstöpsel, Schlafmaske sowie eine Zahnbürste mit Zahnpasta von Marvis.
Da mein Flug um zwei Uhr morgens startete, verzichtete ich auf das Abendessen und legte mich lieber schlafen. Der Safran-Unity-Sitz lässt sich in ein komplett flaches Bett verwandeln, und die dicke Matratzenauflage sorgt für ein wirklich bequemes Nickerchen.
Ich wachte erholt und hungrig auf und bestellte zum Frühstück French Toast, Gebäck und eine Obstplatte. Alles schmeckte genauso gut wie das Essen in der Lounge.
Insgesamt war das Erlebnis mit Riyadh Air außergewöhnlich – umso bemerkenswerter für eine so junge Airline.
Warum sich Riyadh Air für Europäer lohnt
Riyadh Air ist nach Saudia, deren Basis in Dschidda liegt, die zweite nationale Fluggesellschaft Saudi-Arabiens. Zwei nationale Airlines sind zwar ungewöhnlich, aber kein Einzelfall: Japan hat sowohl Japan Airlines als auch All Nippon Airways, die Vereinigten Arabischen Emirate sowohl Emirates als auch Etihad Airways.
Der Nahe Osten dient vielen Europäerinnen und Europäern als wichtiges Drehkreuz auf dem Weg nach Asien oder Afrika. Riyadh Air ist dabei eine durchaus attraktive Alternative zu den etablierten Airlines der Region.
Das aktuelle Streckennetz ist noch begrenzt. Bis 2030 will Riyadh Air jedoch mehr als 100 Städte anfliegen.