Die 14-stündige Zugreise ist eine attraktive Alternative zum Fliegen. Sie sparen Geld und ersparen sich die sonst am Flughafen vergeudete Zeit.
2025 war ein großes Jahr für das Bahnreisen, denn die moderne Eisenbahn wurde zweihundert Jahre alt. Zahlreiche neue Strecken gingen an den Start, doch die Renaissance des Schienennetzes zeigt auch 2026 keine Ermüdungserscheinungen.
Zu den Vorreitern gehört das niederländisch-belgische Bahnunternehmen European Sleeper, das 2023 seine erste Nachtzugverbindung zwischen Brüssel und Berlin gestartet hat.
Am 26. März fuhr erstmals der zweite dauerhafte Dienst – von Paris nach Berlin. Euronews Travel gehörte zu den ersten Fahrgästen an Bord.
ÖBB und SNCF hatten seit 2023 einen Nachtzug zwischen den beiden europäischen Hauptstädten betrieben, kündigten jedoch an, den Dienst Mitte Dezember einzustellen.
European Sleeper übernahm daraufhin die Strecke. Die Züge fahren von Paris dienstags, donnerstags und sonntags, von Berlin montags, mittwochs und freitags.
Die Fahrt von Paris nach Berlin dauert rund 14 Stunden. Abfahrt ist am Gare du Nord um 18.03 Uhr, Ankunft im Berliner Hauptbahnhof um neun Uhr zwei am Morgen. Die Rückfahrt braucht etwas länger: Der Zug verlässt Berlin um 18.31 Uhr und erreicht Paris um elf Uhr.
Warum den Nachtzug statt Kurzstreckenflug wählen?
Nachtzüge sind für Fahrgäste oft effizienter – sie sparen Zeit am Flughafen und eine Hotelübernachtung, sagt Chris Engelsman, einer der Mitgründer des Unternehmens.
„Außerdem ist es eine sehr angenehme Art zu reisen“, sagte Engelsman Euronews Travel. „Es geht nicht nur darum, von A nach B zu kommen. Man genießt die Fahrt, sitzt mit Freundinnen, Freunden und Familie zusammen und lernt sich im Zug besser kennen.“
Das konnten wir an Bord direkt beobachten: Bei der Premierenfahrt saßen viele Familien, Freundesgruppen und Paare zusammen und kamen mit den Menschen ins Gespräch, mit denen sie ihr Abteil teilten.
Manche schreckt es ab, ein Abteil mit Fremden zu teilen – das Berliner Start-up Nox will deshalb ab 2027 Nachtzüge mit ausschließlich privaten Kabinen anbieten. Für uns gehört das Teilen des Abteils jedoch zum Erlebnis dazu.
Damit stehen wir nicht allein: Schon bevor der erste Zug den Gare du Nord verließ, gingen rund 25.000 Buchungen für die Verbindung Berlin–Paris ein.
„Das wird nie für alle die richtige Option sein, und das muss es auch nicht“, ergänzte Engelsman. „Wichtig ist, dass es eine Alternative zum Fliegen gibt.“
Für uns passten die Zeiten sehr gut. In Paris isst man zwar etwas früher zu Abend, aber der Tag endet nicht so abrupt wie bei einem Flug. Und um neun Uhr morgens kommt man auf der anderen Seite an und kann direkt loslegen.
Die verschiedenen Abteiltypen und ihre Preise
Die Wagen von European Sleeper stammen überwiegend aus den neunziger Jahren und wirken eher funktional als luxuriös.
Es gibt vier Abteilkategorien: Budget, Classic, Comfort Standard und Comfort Plus. Je nach Zug gibt es kleinere Unterschiede, daher kann Ihre Erfahrung leicht von unserer abweichen.
In der Budget-Kategorie haben die Abteile sechs Sitze, die sich nicht in Betten verwandeln lassen. Je drei Sitze stehen sich gegenüber, am Fenster gibt es einen kleinen Tisch und einige Steckdosen – insgesamt also recht gemütlich, aber eng. Zum Glück verkaufen die Zugbegleiter Spielkarten, so dass man mit Unbekannten im Abteil schnell ins Gespräch kommt.
Tickets kosten ab 39,99 Euro. Der Schlafkomfort hält sich zwar in Grenzen, aber wenn man müde genug ist, wird fast jeder Zug zum Nachtzug.
In den Classic-Abteilen können vier bis sechs Personen übernachten. Tagsüber werden die oberen Liegen hochgeklappt, so dass die untere Reihe als normale Sitzbank dient. Ein Bett im Classic-Abteil kostet ab 59,99 Euro, inklusive Bettwäsche, Decke und Kissen.
Sowohl Comfort Standard (ab 99,99 Euro) als auch Comfort Plus (ab 129,99 Euro) bieten Platz für drei Schlafgäste. Der wichtigste Unterschied: Im Comfort-Plus-Abteil sind die Betten etwas bequemer, es gibt ein eigenes Waschbecken, und im Preis sind ein Willkommensgetränk und das Frühstück enthalten.
Es gibt zudem reine Frauenabteile. Wer ungestört reisen möchte, kann ein komplettes Schlafabteil ab 279,99 Euro zur Alleinnutzung buchen.
Einige Abteile verfügen über USB-A-Ladebuchsen, die meisten jedoch nur über ein oder zwei normale Euro-Steckdosen. WLAN gibt es nicht, daher lohnt es sich, ein Buch mitzunehmen – oder die erwähnten Spielkarten zu kaufen, um sich zu beschäftigen.
In jedem Wagen stehen zwei Waschbecken und eine Toilette zur Verfügung. Für jeden Wagen ist ein Zugbegleiter zuständig. Bei der Premierenfahrt waren zwar ein paar Toiletten außer Betrieb, die übrigen waren jedoch stets mit Seife, Toilettenpapier und Handtüchern ausgestattet.
Für das Gepäck gibt es keine Größen- oder Gewichtsbeschränkungen. Mehr als einen großen Koffer oder Rucksack würden wir trotzdem nicht empfehlen, wenn alles noch unter den Sitz im Abteil passen soll. Auch die Gänge vor den Abteilen sind sehr schmal.
Essen und Trinken an Bord
Züge von European Sleeper führen keinen Speisewagen. Eigene Snacks und Getränke dürfen Sie aber problemlos mitbringen.
Alternativ kann man über den QR-Code im Abteil beim Zugbegleiter im Wagen bestellen; die letzte Bestellung ist um 23.30 Uhr möglich.
Eine 330-Milliliter-Dose Bier kostet moderate vier Euro, ein Glas Wein gibt es ab 6,75 Euro. Kaffee schlägt mit drei Euro zu Buche, Softdrinks mit 3,50 Euro. Zu essen gibt es Chips, Nüsse oder Instantnudeln ab 3,50 Euro.
Das Frühstück wird ab etwa sieben Uhr serviert und umfasst Kaffee, Saft, Joghurt mit Granola sowie Brot mit Aufstrichen für 14,50 Euro.
Schläft man im Nachtzug wirklich gut?
Wer schon im Flugzeug oder in fremden Betten schlecht schläft, wird vermutlich auch im Nachtzug nicht glücklich werden.
Ich selbst habe oft in Hostel-Schlafsälen mit vierundzwanzig Betten übernachtet und zeitweise auf einem Boot gelebt – Einschlafen war für mich daher kein Problem.
Ein Thema kann die Bettgröße sein, vor allem für große Menschen: Die Liegen sind rund sechzig Zentimeter breit und etwa 175 bis 185 Zentimeter lang.
An Bord gilt unter anderem: Zwischen 23 Uhr und sieben Uhr soll es ruhig bleiben. Das sanfte Schaukeln des Zuges wirkt zudem sehr beruhigend.
Aufgewacht bin ich eher, wenn der Zug anhielt – was nach dem letzten Halt vor Berlin, Lüttich, kurz vor Mitternacht zum Glück nicht mehr allzu oft vorkam.
Laut meiner Apple Watch kamen so 57 Minuten REM-Schlaf zusammen, vier Stunden und elf Minuten Leichtschlaf und 24 Minuten Tiefschlaf. Kein schlechter Wert.
Weitere Strecken von European Sleeper
Nach dem Start der Verbindung Brüssel–Berlin im Jahr 2023 verlängerte European Sleeper die Linie 2024 bis Prag.
Ab September sollen Fahrgäste zwischen Brüssel und Mailand reisen können; unterwegs hält der Zug in Köln, Zürich und Como.
Im Juli erhält die Verbindung Paris–Berlin einen zusätzlichen Halt in Hamburg.
Laut Engelsman sind weitere Verbindungen in Planung, etwa zwischen Amsterdam und Italien sowie zwischen Brüssel und Barcelona. Diskutiert werden außerdem Ziele wie Stockholm und Kopenhagen.
Anfragen für Nachtzüge in Australien und den USA gibt es bereits. Vorerst konzentriert sich das Unternehmen jedoch auf Europa.