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Côte d’Ivoire: Westafrikas Hotspot für Strand und Kultur entdecken

Die Küste des schönen Assinie-Mafia
Die Küste von Assinie-Mafia Copyright  Sarah Faith
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Von Sarah Faith
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Die Elfenbeinküste gilt als karibisches Pendant Westafrikas: spektakuläre Küste, UNESCO-geschützte Kultur und Direktflüge aus Europa locken.

Die Lagune vor mir liegt still in der Sonne. Nur ein tropischer Wind raschelt in den Blättern, dazu tuckert ein Bootsmotor, der sich auf mich zubewegt. Das Boot hat gerade am Steg eines schmalen Sandstreifens abgelegt, etwa 200 Meter weiter auf der anderen Seite. Ein leises Grollen verrät, dass die Wellen hinter der sich wiegenden Reihe von Kokospalmen heute besonders kraftvoll anrollen.

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Man könnte meinen, ich sei in der Karibik. Tatsächlich stehe ich jedoch in Côte d’Ivoire, einem westafrikanischen Staat, den viele vor allem mit seinem jüngsten Comeback im Weltmeisterschaft-Fußball verbinden – und weniger mit seinen langen Atlantikküsten und den von der UNESCO gelisteten Stammeskulturen.

Doch mit Direktflügen von Paris, Brüssel und Istanbul in die faktische Hauptstadt Abidjan – eine der größten Städte Afrikas – ist jetzt ein guter Zeitpunkt, dieses Land auf der eigenen Reisekarte zu markieren.

Karibik-Feeling an der Elfenbeinküste

Ich stehe an der Küste im hübschen Assinie-Mafia, nur anderthalb Stunden östlich der modernen Hochhaus-Skyline und des Großstadttrubels von Abidjan. Hier ist es ruhig und atemberaubend schön. Entlang des stillen Wassers der Aby-Lagune reihen sich unterschiedliche Hotels, Gästehäuser, Fischerdörfer und elegante Beachclubs. Ein langer Streifen makellosen, goldenen Sandes trennt die Lagune vom Atlantik.

Ich warte auf das Boot, das mich vom Steg des galerieartigen Boutiquehotels La Maison d’Akoula zum privaten Beachclub auf der anderen Seite bringt. Hinter mir summen Gespräche, Gläser klirren. Vor allem die Elite Abidjans sitzt unter der ausladenden Krone eines Feigenbaums im Schatten und nippt an Champagner, umgeben von ivorischer Kunst. Neben mir huscht ein Webervogel als gelber Blitz in sein Nest.

Die Strände von Assinie ziehen wohlhabende Bewohnerinnen und Bewohner Abidjans an, europäische Touristinnen und Touristen sieht man jedoch kaum. Wer hier Urlaub macht, hat das Gefühl, einem Geheimtipp zuvorgekommen zu sein.

Vogelbeobachter kommen auf Bootstouren entlang der Aby-Lagune auf ihre Kosten. Die Boote gleiten an kleinen Fischerdörfern und Restaurants am Ufer vorbei bis in die dichten Mangroven des geschützten Feuchtgebiets des Nationalparks der Ehotilé-Inseln.

Fünfundvierzig Minuten weiter westlich an der Küste können Besucherinnen und Besucher im bröckelnden alten Kolonialhafen Grand-Bassam Keramikkünstlern bei der Arbeit zusehen.

Dazu kommen die funkelnden Pools, Lagunen-Restaurants und stilvollen Beachclubs von La Maison d’Akoula und dem ebenso gehobenen Nachbarn Hotel Coucoué Lodge. Die Tage hier fühlen sich an wie ein exklusiver Karibikurlaub – nur ohne Kreuzfahrtschiffe und Menschenmassen.

Teile der Karibik kämpfen inzwischen mit Übertourismus. In Côte d’Ivoire hingegen wären mehr Gäste willkommen.

La Maison d’Akoula
La Maison d’Akoula Sarah Faith

UNESCO-Kulturerbe im Hinterland

Zwei Tage zuvor fahre ich dreieinhalb Stunden ins Landesinnere, in das Dorf Kondeyaokro nahe der verschlafenen offiziellen Hauptstadt Yamoussoukro. Dort beobachte ich einen traditionellen Goli-Tanz – ein spirituelles Ritual, das das Baoulé-Volk, eine von mehr als 60 Stammeskulturen Côte d’Ivoires, mit seinen Ahnen verbindet.

Die Trommeln verstummen nicht, sie treiben den Rhythmus unaufhörlich voran und steigern sich zu einem Crescendo, als zwei maskierte Gestalten, geschmückt mit Palmwedeln, die Mitte unseres Zuschauerkreises erreichen. Einer nach dem anderen versucht, den anderen zu übertreffen, die Füße wirbeln in atemberaubender Geschwindigkeit Staub auf.

Immer mehr Dorfbewohner strömen hinzu. Die jungen Männer feuern ihren Favoriten an. Die Stimmung ist elektrisierend. Was als Vorführung für uns Reisende beginnt, wird zu einem Fest für das ganze Dorf.

Beim Abendessen, begleitet von mehreren Trinksprüchen, erklärt mir der Dorfkönig Nana Yao Daniel, wie wichtig Tourismus hier wäre. Seitdem die neue, glatt asphaltierte Schnellstraße Abidjan mit dem abgelegenen Norden verbindet, sind die Verkäufe der berühmten handgewebten Stoffe am Straßenrand eingebrochen.

In einer Trommelpause zeigen sie mir die Webstühle im Freien. Baoulé-Männer weben dort noch immer lange, schmale Streifen von Hand, die anschließend zusammengenäht werden und als Lendenschurze um den Körper getragen werden. Die Frauen bereiten Baumwolle und Farbstoffe vor.

Fühle ich mich zum Kauf gedrängt? Nein. Doch die tiefen Indigo-Blau-Töne und geometrischen Muster des Stoffes, den ich auswähle, berühren mich. Es wirkt wie ein Privileg, ein Stück Handwerkskunst zu besitzen, das auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes steht.

N’Zi River Lodges
N’Zi River Lodges Sarah Faith

Ökotourismus finanziert Naturschutz

Über die Schnellstraße geht es weiter nach Norden, vorbei an den Weberdörfern der Baoulé bis an den Stadtrand der Kleinstadt Bouaké.

Dort hat der ivorische Öko-Unternehmer Karl Diakité das einstige private Angelrevier seiner Familie in das 41.000 Hektar große N’Zi-Wildreservat verwandelt. Den Naturschutz finanziert er über Aufenthalte in den N’Zi River Lodges, einer Ansammlung komfortabler Stelzenhäuschen, verbunden durch Hängebrücken. Nachts schläft man zum Ruf der Baumklippschliefer in der Dunkelheit.

„Viele unserer Ranger waren früher Wilderer“, sagt Diakité. „Mit der Zeit haben sie verstanden, wie wichtig es ist, Wildtiere und Umwelt zu schützen – und sie sehen heute, dass sie auch selbst davon profitieren.“

Orte wie N’Zi sind dringend nötig. Seit 1960 hat Côte d’Ivoire rund 80 Prozent seiner Waldfläche verloren und mehr als 90 Prozent seiner ursprünglichen Waldelefanten.

Das Schutzgebiet steckt noch in den Anfängen, doch überall spürt man Aufbruchsstimmung. Die Tierzahlen steigen. Auf Safaris durch die bewaldete Savanne zeigen sich Waldbüffel, Western-Kob-Antilopen, Defassa-Wasserböcke, Grünmeerkatzen und viele andere Arten.

„Als wir angefangen haben, war es fast unmöglich, andere Tiere als Vögel zu sehen. An Säugetieren gab es so gut wie nichts“, erzählt Diakité. „Büffel galten als Mythos. Wenn jemand behauptete, es gebe in der Region Büffel, mussten wir lachen – bis wir selbst die ersten Herden sahen.“

Die ersten Erfolge des Reservats wecken große Ambitionen.

„Es gibt Elefantenherden, die unser Reservat durchqueren. Man sieht sie jedoch selten, so wenige sind es“, sagt Diakité. „Eines unserer Ziele ist es, ein Zufluchtsort für Elefanten zu werden und so dabei zu helfen, das einstige Elefantenland wieder zu besiedeln.“

Wer noch abenteuerlustiger ist, fährt ganz in den Westen des Landes in den riesigen Taï-Nationalpark. Dort leben bedrohte Zwergflusspferde und die vom Aussterben bedrohten Westafrikanischen Schimpansen.

Zurück in Assinie-Mafia lasse ich den feinen Sand zwischen meinen Zehen rieseln, ein Glas süßen Hibiskussaft in der Hand. Vor mir entsteht spontan ein Beachvolleyballspiel, aus den Lautsprechern im Hintergrund laufen leise die weichen Dance-Beats der ivorischen Zouglou-Musik. Es fühlt sich paradiesisch an.

Der Reiz einer Reise hier liegt jedoch nicht nur darin, dass es sich anfühlt wie die Karibik vor dem großen Ansturm. Wer jetzt kommt und unterwegs Orte wie N’Zi unterstützt, kann mithelfen, die Zukunft dieser Region mitzugestalten.

Abidjan ist die faktische Hauptstadt Côte d’Ivoires
Abidjan ist die faktische Hauptstadt Côte d’Ivoires Sarah Faith

Côte d’Ivoire: Anreise und Unterkünfte

Air France, Brussels Airlines und Turkish Airlines bieten Direktflüge von Paris, Brüssel und Istanbul nach Abidjan an. Die Flugzeit beträgt rund sieben Stunden.

Ein Aufenthalt mit Vollpension in einem Executive-Zimmer der N’Zi River Lodges (Quelle auf Englisch) kostet ab £198 (230 € / 150.000 FCFA) pro Nacht, eine Pirschfahrt ist inklusive.

Eine Overwater-Suite mit einem Schlafzimmer in La Maison d’Akoula (Quelle auf Englisch) in Assinie-Mafia kostet ab £450 (522 € / 340.000 FCFA) pro Nacht inklusive Frühstück.

Alternativ bietet Hotel Coucoué Lodge (Quelle auf Englisch) Garten-Zimmer für zwei bis vier Personen ab £112 (130 € / 85.000 FCFA) pro Nacht inklusive Frühstück.

Responsible Travel (Quelle auf Englisch)bietet Kultur- und Naturreisen in Côte d’Ivoire ab £2.450 pro Person (2.845 €) exklusive Flüge an.

Sarah Faith ist Senior Values Writer beim Reiseveranstalter Responsible Travel

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