Trotz Waffenruhe bleibt die Straße von Hormus blockiert – in Islamabad sollen nun Gespräche zwischen den USA und dem Iran den Konflikt entschärfen.
Pakistan hat am Freitag Vorbereitungen getroffen, Delegationen aus dem Iran und den USA zu Gesprächen in Islamabad zu empfangen. Ob Teheran tatsächlich teilnehmen wird, blieb jedoch unklar. Auslöser sind neue Spannungen, nachdem Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah die ohnehin fragile Waffenruhe in dieser Woche erneut unter Druck gesetzt haben.
Nach Angaben eines US-Außenbeamten sind zudem Gespräche zwischen Israel und dem Libanon in Washington für kommende Woche geplant. Hintergrund ist die wachsende Sorge, dass Israels Angriffe auf die vom Iran unterstützte Hisbollah die seit zwei Wochen geltende Waffenruhe zwischen Washington und Teheran gefährden könnten.
In Islamabad wurden unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Für die geplanten Verhandlungen stehen mehrere heikle Themen auf der Agenda, darunter das iranische Atomprogramm sowie die Sicherung des Schiffsverkehrs durch die strategisch wichtige Straße von Hormus.
Iran: „untrennbarer Bestandteil“ der Waffenruhe
Der Iran machte seine Teilnahme jedoch von Bedingungen abhängig. Außenamtssprecher Esmaeil Baqaei erklärte, Gespräche zur Beendigung des Krieges setzten voraus, dass die USA ihre Waffenstillstandsverpflichtungen „an allen Fronten, insbesondere im Libanon“ einhielten. Details zur Delegation würden erst bekanntgegeben, wenn die Reisepläne feststehen.
Gleichzeitig bekräftigten die iranischen Revolutionsgarden nach Angaben staatlicher Medien ihre Einhaltung der Waffenruhe. Seit deren Inkrafttreten seien „keine Angriffe auf irgendein Land“ erfolgt, hieß es.
Die Lage bleibt dennoch angespannt. Am Mittwoch kamen bei den schwersten israelischen Angriffen auf den Libanon seit März Hunderte Menschen ums Leben. Die Gewalt ließ die erst kurz zuvor vereinbarte Waffenruhe binnen weniger Tage ins Wanken geraten.
Pakistan drängt darauf, auch den Libanon in die diplomatischen Bemühungen einzubeziehen. Washington wiederum bestätigte, dass kommende Woche Gespräche mit Israel und dem Libanon geplant sind. Eine offizielle Bestätigung aus Jerusalem oder Beirut steht bislang aus.
Zuletzt hatten die Angriffe in der Region erneut zugenommen. In Tel Aviv und anderen Teilen Israels heulten in der Nacht die Sirenen. Die Hisbollah erklärte, sie habe Drohnen- und Raketenangriffe auf israelische Stellungen entlang der Grenze sowie auf eine Stadt im Norden Israels durchgeführt.
Sie sind im Unrecht
In Islamabad kam es am Freitag während eines zweitägigen Feiertags zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, die Hauptstadt wirkte zeitweise wie leergefegt.
Die zweiwöchige Waffenruhe war ursprünglich vereinbart worden, um Gespräche zwischen den USA und dem Iran zu ermöglichen – mit dem Ziel, einen Konflikt zu beenden, der bereits Tausende Menschenleben gefordert und die Weltwirtschaft belastet hat.
Doch aus Teheran kamen zuletzt deutliche Zweifel. Iranische Vertreter bezeichneten die Gespräche in Pakistan als „bedeutungslos“, solange die israelischen Angriffe andauerten. Der Libanon sei ein „untrennbarer Bestandteil“ der Waffenruhe.
Zusätzliche Verwirrung entstand, als der iranische Botschafter in Pakistan einen Social-Media-Beitrag löschte, in dem die Ankunft einer Delegation angekündigt worden war.
Ungeachtet dessen will US-Vizepräsident JD Vance am Samstag die amerikanische Delegation anführen. Begleitet wird er vom Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump.
Für weitere Spannungen sorgte ein inzwischen gelöschter Beitrag des pakistanischen Verteidigungsministers Khawaja Asif, in dem er Israels Angriffe auf den Libanon scharf kritisiert hatte. Das Büro des israelischen Premierministers reagierte empört und sprach von inakzeptablen Äußerungen – insbesondere von einem Land, das sich als neutraler Vermittler darstelle.
Pakistan drängt darauf, den Libanon in die Waffenruhe einzubeziehen – ein Punkt, den Israel zurückweist. Das erschwert die Vermittlungsbemühungen zusätzlich.
Auch international wächst die Sorge. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte, die anhaltende Zerstörung im Libanon könne „den Friedensprozess insgesamt zum Scheitern bringen“.
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hält dagegen an seiner Linie fest: Der Libanon falle nicht unter die Vereinbarung. „Wer israelische Zivilisten angreift, wird von uns getroffen“, sagte er. Die Hisbollah werde weiter bekämpft, „wo immer es nötig ist“.
US-Präsident Donald Trump erklärte unterdessen im Sender NBC News, Israel fahre seine Angriffe im Libanon zurück. Netanjahu habe ihm zugesichert, diese künftig „unauffälliger“ zu gestalten.
Zentraler Streitpunkt bleibt die Straße von Hormus
Sollte es zu den Gesprächen kommen, bleibt ein zentraler Streitpunkt die Straße von Hormuz, durch die in Friedenszeiten ein Fünftel des weltweiten Öls sowie riesige Mengen an Erdgas und Düngemitteln fließen.
Trump warf dem Iran vor, bei der Durchleitung von Öl durch die Meerenge "sehr schlechte Arbeit" zu leisten und gegen die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens zu verstoßen.
In einer Flut von Beiträgen in den sozialen Medien, die neue Ängste um den wackeligen Waffenstillstand auslösten, warnte er Teheran auch davor, eine Maut für Schiffe zu erheben, die die wichtige Wasserstraße passieren.
"Der Iran macht einen sehr schlechten Job, unehrenhaft, würden manche sagen, wenn es darum geht, Öl durch die Straße von Hormus zu lassen", sagte Trump auf Truth Social. "Das ist nicht das Abkommen, das wir haben!"
MarineTraffic-Daten zeigten, dass die unter gabunischer Flagge fahrende MSG am Donnerstag die Straße von Hormuz passierte, der erste nicht-iranische Öltanker seit der Ankündigung des Waffenstillstands.