Ab dem ersten Juni gilt in ganz Warschau ein Verbot des nächtlichen Alkoholverkaufs. Das Programm „Sichere Nacht“ soll Sicherheit und Ruhe fördern.
Nach einem Beschluss des Warschauer Stadtrats darf Alkohol in Geschäften, Kiosken und an Tankstellen künftig zwischen 22.00 und sechs Uhr morgens nicht mehr verkauft werden.
„Ich bin kein Freund von Beschränkungen, aber nach Jahren der Diskussionen bin ich überzeugt worden, dass das dieser Stadt guttun kann“, sagt Warschaus Stadtpräsident Rafał Trzaskowski.
Die Stadtverwaltung betont, dass der Entscheidung ein Pilotprojekt in Śródmieście und in Praga-Północ vorausging. Nach Angaben der Stadtwache und der Polizei ist dort die Zahl der nächtlichen Einsätze deutlich zurückgegangen. Die Regelung soll außerdem dem sogenannten „Alkoholtourismus“ entgegenwirken, also dem nächtlichen Umherfahren durch die Stadt auf der Suche nach rund um die Uhr geöffneten Verkaufsstellen. Restaurants und die Duty-free-Zone am Chopin-Flughafen sind von dem Verbot ausgenommen.
Die Warschauerinnen und Warschauer stehen der nächtlichen Prohibition überwiegend positiv gegenüber. Bei den öffentlichen Konsultationen im Jahr 2024, an denen fast neuntausend Menschen teilnahmen, sprachen sich 81 Prozent für das Verbot aus. Von ihnen waren 97 Prozent dafür, dass es in der gesamten Hauptstadt gelten soll und nicht nur in einzelnen Stadtteilen.
Was ändert sich auf Warschaus Straßen?
In einer von uns durchgeführten Straßenumfrage äußerten die Bewohnerinnen und Bewohner ganz unterschiedliche Meinungen zu den neuen Regeln. Die meisten sind überzeugt, dass die Einschränkung des Alkoholverkaufs Sicherheit und Alltagskomfort in der Stadt verbessert.
„Dann wird es einfach ruhiger“, sagt uns eine ältere Frau.
Manche erinnern daran, dass ähnliche Regeln schon früher galten und ihrer Meinung nach gut funktionierten. In der Volksrepublik Polen wurde im Herbst 1982 ein Verkaufsverbot vor dreizehn Uhr eingeführt, um die Trinkerei in Betrieben und in Warteschlangen einzudämmen. Im freien Polen wurde diese Vorschrift im November 1990 endgültig abgeschafft.
„Früher hat man Alkohol von dreizehn bis zweiundzwanzig Uhr verkauft und alle waren zufrieden. Ich finde, das ist eine sehr gute Idee“, erzählt uns ein betagter Warschauer.
Die Einwohnerinnen und Einwohner verweisen auch auf Erfahrungen anderer Länder, in denen Einschränkungen beim Alkoholverkauf seit Langem gelten.
„Ich glaube, es wird sicherer. Mein Mann und ich sind oft in Schweden, dort funktioniert das gut, und ich finde, das ist eine gute Uhrzeit, um den Verkauf einfach zu beenden“, sagt uns eine junge Frau.
Doch nicht alle unterstützen die neuen Regeln. Einige lehnen jede Form von Einschränkung ab. Besonders kritisch reagieren viele junge Bewohnerinnen und Bewohner. Sie verweisen auf Probleme beim sommerlichen Aufenthalt im öffentlichen Raum und auf höhere Alkoholpreise in Bars und Restaurants.
„Wenn es diese Prohibition gäbe, müsste ich ja nüchtern sein, das gefällt mir nicht, so eine Idee. Überhaupt Prohibition. Egal, wie spät es ist. Prohibition – auf keinen Fall“, sagen uns junge Männer, bei denen deutlicher Alkoholgeruch in der Luft liegt.
In den Gesprächen tauchten auch Sorgen vor einer möglichen Ausbreitung des illegalen Alkoholhandels auf.
„Bei Prohibition entsteht immer irgendein Schwarzmarkt. Irgendeine Oma verkauft Tüten aus dem Fenster, so war es seit Ewigkeiten. Aber ich bin sehr für Prohibition, denn das wird sich auf jeden Fall einschränken und es wird sicher weniger Vorfälle und Streit geben“, sagt uns eine Rentnerin.
Wir haben auch gefragt, ob das Trinken von Alkohol auf den Weichselboulevards verboten werden soll. Dass der Konsum alkoholischer Getränke dort erlaubt ist, stellt eine Ausnahme von dem seit dem neunten März zweitausendachtzehn geltenden landesweiten Verbot dar, Alkohol an allen öffentlichen Orten zu trinken. Die meisten Einwohnerinnen und Einwohner sprechen sich gegen ein Verbot auf den Boulevards aus.
„Ich habe dort selbst viel Zeit mit Freunden verbracht. Jetzt vielleicht nicht mehr so oft, aber ich finde, es sollte Orte geben, an denen auch junge Leute in Ruhe sitzen können.“
Ein Teil der Bevölkerung findet, dass nicht der Alkohol das Problem ist, sondern das Verhalten der Menschen und fehlendes Maß.
„Nur weil ich nicht trinke, heißt das nicht, dass andere nicht trinken sollen. Man sollte es einfach mit Maß tun, damit es vernünftig bleibt. Flaschen wirft man in den Mülleimer oder gibt sie beim Pfand ab, aber man zerschlägt sie nicht mitten auf dem Boulevard, wo man weder sitzen noch stehen kann.“
Die Warschauer Polizei bestätigt den Rückgang der Einsätze in den Stadtteilen, in denen der Versuch lief. Die Beamtinnen und Beamten erinnern auch daran, dass sich Händler, die gegen das Verbot verstoßen, auf ernsthafte Konsequenzen nach dem Gesetz zur Bekämpfung des Alkoholismus und zur Förderung der Nüchternheit einstellen müssen. Unter anderem können sie ihre Alkohollizenz verlieren.
Die neuen Regeln treten bereits Anfang Juni in Kraft. Erst die folgenden Monate werden zeigen, ob die Beschränkung des nächtlichen Verkaufs tatsächlich zu mehr Ruhe und Sicherheit in der Hauptstadt führt.