Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird in Taschkent erwartet, wo Usbekistan Investoren und ausländische Delegationen empfängt. Themen sind europäische Vernetzung, US-Geschäfte, KI und Investitionen.
Ausländische Staats- und Regierungschefs, Investoren, Unternehmenschefs und internationale Finanzinstitute sind in der usbekischen Hauptstadt zusammengekommen, wo mit dem fünften Taschkenter Internationalen Investitionsforum (TIIF) eine Woche voller Investitionsdebatten, Geschäftstreffen und Wirtschaftsdiplomatie begonnen hat.
Am Eröffnungstag reichten die Diskussionen von Investitionen und Infrastruktur über Technologie und künstliche Intelligenz bis hin zum Zugang zu Kapital.
Das Forum fällt in eine darüber hinausgehende Woche intensiver diplomatischer Aktivitäten in Taschkent. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird am Mittwoch zu einem offiziellen Besuch erwartet, der vor allem Handel, industrielle Zusammenarbeit, grüne Technologien, Verkehr und Logistik in den Mittelpunkt stellt.
Begleitend zum Forum hat Präsident Schawkat Mirsijojew eine Reihe bilateraler Gespräche mit angereisten Führungspersönlichkeiten und Wirtschaftsdelegationen geführt.
Albanien betont europäische Vernetzung
Zu den auffälligsten Terminen gehörte der erste Gipfel zwischen Usbekistan und Albanien.
Präsident Mirsijojew und Albaniens Präsident Bajram Begaj sprachen über eine Ausweitung der Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Investitionen, grüne Energie, digitale Technologien, Tourismus und Landwirtschaft.
Besonders im Fokus stand die mögliche Nutzung des albanischen Hafens Durrës als Logistikdrehkreuz für usbekische Exporte nach Südeuropa und in die Mittelmeermärkte.
Beide Seiten einigten sich außerdem auf die Einrichtung einer zwischenstaatlichen Kommission, die die wirtschaftliche und investitionsbezogene Zusammenarbeit voranbringen soll.
US-Wirtschaft baut Präsenz aus
Ein zentrales Ereignis des ersten Tages war das Amerikanisch-Usbekische Wirtschaftsforum.
„Derzeit sind 193 US-Unternehmen auf dem Taschkenter Internationalen Investitionsforum vertreten“, sagte Investitionsminister Laziz Kudratow den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Das zeigt, dass die US-Wirtschaft Usbekistan nicht nur als Markt, sondern auch als langfristigen Investitionspartner sieht.“
Dem Treffen ging eine von Präsident Schawkat Mirsijojew geleitete Gesprächsrunde mit Spitzenvertretern großer US-Konzerne und Finanzinstitute voraus, darunter Boeing, Visa, JP Morgan, Meta, Air Products und Franklin Templeton.
Die Gespräche konzentrierten sich auf Projekte zu kritischen Mineralien, Energie, künstlicher Intelligenz, digitalen Technologien und industrieller Entwicklung.
In separaten Treffen mit der US-Export-Import-Bank und der US International Development Finance Corporation ging es um die Finanzierung von Infrastruktur, der Modernisierung des Energiesektors und Technologieprojekten, darunter Rechenzentren und Logistikanlagen.
Am Ende der Gespräche tauschten usbekische und amerikanische Partner Kooperationsvereinbarungen aus.
Themen, die Investitionsentscheidungen prägen
Über bilaterale Treffen und Unternehmensrunden hinaus rückte der erste Forumstag viele Fragen in den Vordergrund, die derzeit Investitionsentscheidungen auf internationalen Märkten beeinflussen.
Mehrere Sitzungen befassten sich damit, wie Länder langfristiges privates Kapital anziehen, die Unternehmensführung verbessern und das Vertrauen der Anleger stärken können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten die Rolle politischer Risiken, gemischter Finanzierungen und Exportkreditagenturen bei der Mobilisierung von Investitionen für große Infrastruktur- und Industrieprojekte.
Andere Diskussionsrunden nahmen die Zukunft von Sonderwirtschaftszonen, Standards verantwortungsvollen Wirtschaftens und die wachsende Bedeutung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien für internationale Investoren in den Blick. Rednerinnen und Redner betonten, dass der Zugang zu Kapital zunehmend nicht nur von Wachstumsaussichten abhängt, sondern auch von Transparenz, Rechenschaftspflicht und verlässlicher Regulierung.
Das Programm spiegelte zudem breitere wirtschaftliche Trends wider. Sitzungen befassten sich mit der Ausweitung islamischer Finanzinstrumente, dem Wettbewerb der Städte um Investitionen und Fachkräfte sowie der Rolle von Unternehmen in Frauenhand für das Wirtschaftswachstum. Die Teilnehmer verwiesen darauf, dass Frauen in Usbekistan fast 40 Prozent der Unternehmer stellen, aber nur 14 Prozent des gesamten Kreditvolumens erhalten – eine der Finanzierungslücken, die auf dem Forum thematisiert wurden.
KI-Ambitionen und Investitionsprioritäten
Viele der Themen aus den bilateralen Treffen, darunter künstliche Intelligenz, Energie, Infrastruktur und der Zugang zu Kapital, tauchten auch im weiteren Programm des Forums immer wieder auf.
Im Gespräch mit Euronews sagte der Minister für digitale Technologien Scherzod Schermatow, Usbekistan wolle den Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien mit Investitionen in digitale Infrastruktur und Rechenzentren verbinden.
_„_Mit KI braucht man Rechenleistung. Für Rechenleistung braucht man Energie“, sagte er.
„Statt Energie als Rohenergie zu exportieren, möchten wir sie in Form von KI-Rechenzentrumsdiensten exportieren.“
Ähnliche Motive prägten die Diskussionen über Technologie, industrielle Entwicklung und die Infrastruktur, die künftiges Wachstum tragen soll.
Auch die Kapitalmärkte waren ein wiederkehrendes Thema.
„Investoren sind sehr daran interessiert, sich an den Kapitalmärkten des Landes zu beteiligen“, sagte Marius Dan, Zentralasien-Chef von Franklin Templeton, gegenüber Euronews.
Er erklärte, internationale Anleger schenkten den Chancen in Usbekistan zunehmend Aufmerksamkeit, da das Land seine Wirtschaftsreformen fortsetzt.
Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, dass es für die Anziehung langfristigen Kapitals mehr braucht als bloße Investitionsmöglichkeiten.
„Es muss Vertrauen geben“, sagte Kanokpan Lao-Araya, Landesdirektorin der Asiatischen Entwicklungsbank für Usbekistan.
Sie unterstrich, dass Investoren für langfristige Zusagen weiterhin auf politische Stabilität, rechtliche Sicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen achten.
Der erste Forumstag diente vor allem als Plattform für Diskussionen und Vernetzung vor der Plenarsitzung am Mittwoch, bei der Präsident Mirsijojew die wirtschaftlichen Prioritäten der Regierung skizzieren soll.
In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob aus den Gesprächen konkrete Investitionsabkommen und neue Geschäftsprojekte hervorgehen.