Auf der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz URC in Danzig sollen rund 200 Verträge und Abkommen unterzeichnet werden. Politik und Wirtschaft sind überzeugt: Es lohnt sich, die Zukunft der Ukraine schon jetzt zu planen, noch bevor der Krieg endet.
Die Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine in Danzig zählt knapp 5.000 Teilnehmende. Vertreten sind mehr als 60 Länder auf unterschiedlichen Ebenen sowie über 30 internationale Organisationen. Dazu kommt eine starke Präsenz der Wirtschaft und mehr als 200 Messestände.
Die Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (URC) ist ein Zeichen der Solidarität und zugleich eines der größten Wirtschaftstreffen der vergangenen Jahre, sagt im Gespräch mit Euronews die polnische Staatssekretärin im Ministerium für Staatsvermögen (MAP), Eliza Zeidler.
„Ich glaube, der Wiederaufbau der Ukraine ist eine der größten, wenn nicht die größte Wiederaufbauaufgabe seit dem Zweiten Weltkrieg. Deshalb treffen wir uns heute hier in Danzig, um zu diskutieren, uns vorzubereiten und diesen Kraftakt gemeinsam anzugehen“, betont sie.
Nach Ansicht der Vertreterin des Ministeriums für Staatsvermögen sendet jede Form, in der der Westen seine Zusammenarbeit mit der Ukraine sichtbar macht, ein beunruhigendes Signal an Russland: Der Westen steht in dieser Frage geschlossen hinter Kyjiw.
Die politischen Turbulenzen in den Wochen vor der Konferenz, in deren Folge der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht nach Danzig reiste, bewerten Unternehmerinnen und Unternehmer nüchtern. Für sie bedeutet der Wiederaufbau der Ukraine zugleich die Chance, neue Standards zu setzen. Sie denken rational und auf lange Sicht.
Euronews hat mit Artur Popko gesprochen, dem Vorstandschef des Baukonzerns Budimex, der sich auf Großprojekte konzentrieren will.
„Vor allem geht es um Schnellstraßen und Bahnprojekte. Das steht in den ersten Jahren für uns im Vordergrund. Sicher interessieren uns auch komplexe Vorhaben wie Krankenhäuser oder Kraftwerke. Wir schauen also breit auf den Markt. Wir denken langfristig, zehn Jahre nach vorn, und in diesem Zeitraum wollen wir aktiv am Wiederaufbau der Ukraine mitarbeiten“, skizziert der Manager seine Pläne.
Damit sich Unternehmen schon vor Kriegsende stärker am Wiederaufbau beteiligen, bräuchten sie staatliche Finanzgarantien.
„Jetzt ist der Moment, in dem wir diesen Markt kennenlernen können, und genau das tun wir“, sagt er. „Wir haben ein Büro in Kyjiw eröffnet. Zurzeit suchen wir aktiv nach ukrainischen Partnern, denn wir wollen mit Firmen aus der Ukraine zusammenarbeiten – sowohl bei der Ausführung als auch bei der Planung von Projekten. Und gerade jetzt, solange der Krieg andauert, ist aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt, um sich gut auf Investitionen vorzubereiten: Projekte zu planen, ihre Umsetzung durchzudenken und Wege zu finden, sie professionell zu realisieren.“
Wie Eliza Zeidler vom MAP betont, spricht dank der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz heute alle Welt über Danzig – eine Stadt, die selbst ein eindrucksvolles Beispiel für gelungenen Wiederaufbau ist.
„Die Kriegszerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiederaufbau Danzigs sind ein starkes Beispiel – und die Umsetzung dieses Plans dauert im Grunde bis heute an. Danzig entwickelt sich weiter sehr dynamisch. Ganz zu schweigen von der Geschichte der Solidarność und der Entstehung dieser Bewegung. Auch das zieht Aufmerksamkeit an und ist etwas, das wir teilen möchten, um zu zeigen: Es geht auch anders.“
Auf der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz sollen rund 200 Verträge und Vereinbarungen unterzeichnet werden.