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„Die Störche waren vor mir hier“: Rentner leben mit Störchen in kroatischem Dorf

Störche im Nest
Störche im Nest Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Denis Loktev
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Jeden Frühling besiedeln weiße Störche die Dächer von Cigoc, einem kroatischen Dorf, dessen Bewohner die Vögel längst als Familie ansehen.

Im kroatischen Dorf Cigoc sind Störche nicht nur Besucher, sondern feste Bewohner. Jedes Frühjahr kehren Weißstörche aus Afrika zurück und bauen ihre Nester auf den Dächern der traditionellen Holzhäuser. Es kommen so viele, dass sie die Einwohnerzahl des Dorfes regelmäßig übertreffen.

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Dieses Phänomen hat Cigoc den Titel des ersten „Storchendorfs“ Europas eingebracht – und das schon seit 32 Jahren. Anders als in den meisten Regionen Europas, wo Störche ihre Nester in Bäumen, an Felsklippen oder nahe der Küste bauen, haben sie sich hier mitten im Dorfleben angesiedelt.

„Hier bauen die Störche ihre Nester auf die Dächer von Scheunen und Wohnhäusern. Anderswo in Europa findet man sie eher in Eichenwäldern, an Felsen oder über dem Meer“, sagt Davor Anzil, ein Mitarbeiter des Informationszentrums in Cigoc. „Hier leben sie in engem Kontakt und in friedlicher Koexistenz mit den Menschen.“

Feuchtgebiet als Futterquelle für die Vögel

Cigoc liegt im Naturpark Lonjsko Polje, etwa 90 Kilometer südöstlich von Zagreb, dem größten geschützten Feuchtgebiet Kroatiens. Das reiche Ökosystem des Parks bietet Lebensraum für bis zu 250 Vogelarten – mehr als zwei Drittel aller in Kroatien nachgewiesenen Arten, darunter Weiß- und Schwarzstörche.

Dieser Nahrungsreichtum trägt maßgeblich zum Bruterfolg der Störche bei. Die angrenzenden Feuchtgebiete liefern reichlich Frösche, Fische, Schlangen und Insekten. So können Storchenpaare in Cigoc im Schnitt drei bis vier Jungvögel pro Nest aufziehen – etwa doppelt so viele wie der europäische Durchschnitt von ein bis zwei Küken.

Weniger Menschen, weniger Störche

Die Bevölkerung von Cigoc wird immer älter, viele Jüngere ziehen in die Städte. Die Zahl der Störche, die hier nisten, ist ebenfalls zurückgegangen, weil frühere Weide- und Futterflächen nicht mehr bewirtschaftet werden.

Die verbliebenen Dorfbewohner wollen ihre gefiederten Nachbarn trotzdem nicht stören. „Die Störche waren vor mir hier, und ich sehe keinen Grund, ihr Nest abzutragen oder sie zu vertreiben, wo sie doch immer wieder zurückkehren“, sagt der Rentner Marijan Belosevic. „Das ist ihr natürlicher Rhythmus, und ich habe großen Respekt vor der Natur.“

Der Titel als „Storchendorf“ ist für Cigoc bis heute ein Grund zum Stolz – und eine Erinnerung daran, dass sich in dieser Ecke Kroatiens Menschen und Vögel ein Dach teilen gelernt haben.

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