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Sudan: Der Krieg, den die Welt vergisst

Sudan steckt in einer der größten humanitären Katastrophen weltweit
Sudan ringt mit einer der größten humanitären Katastrophen weltweit Copyright  Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)
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Von Glogowski Pawel
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Mehr als zwei Jahre nach Kriegsbeginn erlebt Sudan eine schwere humanitäre Krise. An der Grenze zu Südsudan hilft die polnische humanitäre Organisation PAH Menschen auf der Flucht vor Bomben, Hunger und Gewalt.

An der Grenze zwischen Sudan und Südsudan kommen Menschen mit Kindern auf dem Arm an. Manchmal tragen sie eine Tasche, oft gar nichts. Bevor sie den Grenzübergang in Renk erreichen, verkaufen sie all ihre Habe, um den Transport zu bezahlen oder etwas zu essen zu kaufen. Wenn das Geld aufgebraucht ist, bleibt nur der Weg zu Fuß. Wochenlang schlafen sie unter freiem Himmel, laufen bei Temperaturen um 40 Grad Celsius, ohne Zugang zu Wasser.

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Hier zeigt sich besonders deutlich, was der Krieg anrichtet, der am 15. April 2023 in Sudan ausgebrochen ist. Der Konflikt zwischen den Sudanesischen Streitkräften (Sudanese Armed Forces, SAF) und der paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (Schnelle Unterstützungskräfte, RSF) hat eine der größten humanitären Krisen des 21. Jahrhunderts ausgelöst. Nach Schätzungen hat der Krieg rund 400.000 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 13 Millionen Menschen mussten aus ihren Häusern fliehen. Trotzdem taucht der Konflikt in europäischen Medien kaum auf.

Joanna Lenartowicz, Programmkoordinatorin der PAH-Einsätze
Joanna Lenartowicz, Programmkoordinatorin der PAH-Einsätze Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

Seit Mai 2025 arbeitet die Polnische Humanitäre Aktion (PAH) in der Grenzregion. Joanna Lenartowicz, Programmkoordinatorin der PAH, die seit April dieses Jahres in Südsudan tätig ist, erklärt, dass hier die wichtigste Route der Flucht vor dem Krieg verläuft:

"Die Polnische Humanitäre Aktion arbeitet gemeinsam mit einem Partner in den beiden Counties Renk und Manyo. Sie liegen ganz im Norden von Südsudan an der Grenze zu Sudan. Der Grenzübergang in Renk ist der Hauptkorridor, über den die meisten Menschen vor dem Krieg in Sudan fliehen und nach Südsudan kommen. Bis heute sind es bereits mehr als eine Million Menschen. Gemeinsam mit unserem Partner setzen wir ein Projekt um, das sich auf die Versorgung mit grundlegender medizinischer Hilfe und auf die Ernährung von Kindern bis zum fünften Lebensjahr sowie von stillenden Müttern und schwangeren Frauen konzentriert", erläutert sie im Gespräch mit uns.

Menschen, die die Grenze überqueren, gelangen in überfüllte Aufnahmezentren. Dort versuchen Hilfsorganisationen, Wasser, Nahrung, Unterkunft und eine grundlegende medizinische Versorgung zu organisieren.

Notdürftige Versorgung der Geflüchteten durch Hilfsorganisationen
Notdürftige Versorgung der Geflüchteten durch Hilfsorganisationen Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

Nach dem Grenzübertritt verbessert sich ihre Lage oft kaum. Lenartowicz beschreibt den Alltag der Geflüchteten:

"Die meisten Kinder hier gehen nicht zur Schule. Entweder gibt es in der Nähe gar keine Schule, oder die Eltern können sich die Uniform nicht leisten, die ungerechnet knapp zehn Euro kostet, und zum Beispiel die Schulgebühren von etwa 7-9 Euro für drei Monate. (...) Viele Menschen essen nur wenige Male pro Woche, und wenn sie etwas bekommen, dann einmal am Tag. Es sind immer die gleichen Lebensmittel. (...) Der Staat stellt den Menschen Land zur Verfügung, auf dem sie sich niederlassen können. Aber es ist nur ein Stück Boden. Alles andere müssen sie selbst organisieren, sie müssen ihr Haus selbst bauen", beschreibt sie.

Sudan: Krieg beginnt mit Wassermangel

Die drängendste Aufgabe ist immer der Zugang zu sauberem Wasser. Darauf konzentriert sich ein großer Teil der Arbeit der Polnischen Humanitären Aktion.

"Wir versorgen diese Einrichtungen mit Wasser. Dafür reparieren wir die Wasserversorgungsnetze oder installieren komplett neue Systeme, die Wasser aus dem Nil reinigen und es in die Kliniken leiten. Wir bauen auch Latrinen, die hier massiv fehlen. Rund 60 Prozent der Menschen verrichten ihre Notdurft im Freien. Gerade in der Regenzeit verschmutzt das das knappe Wasser zusätzlich und trägt zur Ausbreitung von Krankheiten wie Typhus, wässrigem Durchfall oder Cholera bei. Außerdem bauen wir Verbrennungsanlagen für medizinische Abfälle", erklärt Lenartowicz.

Brunnen, gebaut dank der Polnischen Humanitären Aktion
Brunnen, gebaut dank der Polnischen Humanitären Aktion Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

In Sudan hat der Krieg einen großen Teil der medizinischen Infrastruktur zerstört. In der Grenzregion erhöht jede weitere Gruppe von Geflüchteten das Risiko von Epidemien. Deshalb ist neben dem Aufbau von Infrastruktur auch die Aufklärung der Bevölkerung entscheidend.

"Wir bilden sogenannte Hygiene-Multiplikatoren aus. Das sind Menschen aus den jeweiligen Gemeinschaften, die wir in Abstimmung mit den lokalen Strukturen auswählen und schulen. Es geht um Hygiene, um Themen wie die Verbreitung der häufigsten Krankheiten und wie man vorbeugt. Diese Personen gehen dann mehrmals pro Woche von Haus zu Haus und informieren ihre Gemeinden", ergänzt Lenartowicz.

Frauen fliehen wochenlang zu Fuß

Am härtesten trifft es die Frauen. Viele fliehen allein mit ihren Kindern. Die Ehemänner sind in Sudan geblieben oder die Familien haben den Kontakt zueinander verloren.

Die dramatischsten Geschichten betreffen Frauen
Die dramatischsten Geschichten betreffen Frauen Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

"Diese Frauen sind mehrere Wochen zu Fuß auf dem Weg zur Grenze. Sie schlafen ohne jeden Schutz unter freiem Himmel, in der Hitze, ohne Wasser, ohne Essen. Der fehlende Schutz macht sie zusätzlich anfällig für Gewalt", berichtet Lenartowicz.

Die dramatischsten Geschichten betreffen Frauen
Die dramatischsten Geschichten betreffen Frauen Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

Nach Angaben von Hilfsorganisationen gehört sexuelle Gewalt zu den am häufigsten eingesetzten Mitteln des Terrors im Krieg in Sudan. Frauen reden in den ersten Gesprächen mit Helferinnen und Helfern nur selten über ihre Erfahrungen, doch das Ausmaß ist gut dokumentiert.

Klimakrise verschärft Kriegsfolgen in Sudan

Auch Südsudan bietet den Geflüchteten zwar Zuflucht, steckt aber selbst tief in der Krise. Das Land kämpft seit Jahren mit Armut, den Folgen des Klimawandels und einem gravierenden Mangel an Infrastruktur. Immer längere Dürren wechseln sich mit Überschwemmungen ab, die Felder zerstören und die Menschen zu weiteren Fluchtbewegungen zwingen.

"Durch die Klimakrise und die Tatsache, dass die Gebiete, in denen die Menschen bisher gelebt haben, regelmäßig überflutet werden, schrumpft der sichere Lebensraum immer weiter. Das führt zu einer wachsenden Konkurrenz um die Flächen, die noch bewohnbar sind", erklärt die PAH-Mitarbeiterin.

Die Klimakrise verstärkt die Folgen des Krieges
Die Klimakrise verstärkt die Folgen des Krieges Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

Joanna Lenartowicz betont, dass sich die Hilfe nicht ausschließlich an Geflüchtete richten dürfe:

"Unter den Folgen des Krieges leiden nicht nur Geflüchtete und Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Sudan nach Südsudan. Betroffen sind auch Menschen, die schon immer hier leben. Sie spüren die Auswirkungen des Klimawandels, dass es von Jahr zu Jahr weniger Wasser gibt und dass es keine Infrastruktur gibt, um das Wasser zu reinigen (...). Deshalb richten wir unsere Projekte an alle, die Hilfe brauchen. Das ist sehr wichtig, um keine neuen Spannungen innerhalb der Gesellschaft zu schaffen."

Brunnen, gebaut dank der Polnischen Humanitären Aktion
Brunnen, gebaut dank der Polnischen Humanitären Aktion Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

Zugleich können Hilfsorganisationen den Bedarf bei Weitem nicht decken.

"Leider gibt es trotz der Vielzahl an humanitären Organisationen große Finanzierungslücken. Wir können grundlegende Bedürfnisse wie Wasser und Nahrung nicht für alle Menschen decken, die hierher gekommen sind."

Sudan-Krieg verschwindet aus den Schlagzeilen

Der Konflikt in Sudan hat Auswirkungen weit über Afrika hinaus. Bereits vor dem Krieg war die Gruppe Wagner im Land aktiv. Sie sollte russische Interessen beim Goldabbau und bei den Plänen für einen Marinestützpunkt in Port Sudan absichern. Die Destabilisierung der Region erhöht zudem den Migrationsdruck auf Europa – ein Punkt, der in den aktuellen Diskussionen über die EU-Migrationspolitik besonders ins Gewicht fällt.

Paradox ist, dass Sudan trotz des Ausmaßes der Katastrophe zu den am meisten vergessenen Konflikten der Welt gehört.

"Der Krieg in Sudan ist in den europäischen Medien praktisch nicht präsent, und weltweit ist es ähnlich. Ohne diese Aufmerksamkeit ist es sehr schwer, Mittel einzuwerben", fasst Joanna Lenartowicz zusammen.

PAH-Teammitglieder in Südsudan
PAH-Teammitglieder in Südsudan Polska Akcja Humanitarna (www.pah.org.pl)

Das Projekt, das Joanna koordiniert, wird von der Europäischen Union finanziert.

Polska Akcja Humanitarna (PAH)ist eine der größten polnischen Nichtregierungsorganisationen für humanitäre und Entwicklungsarbeit. Sie wurde 1992 auf Initiative von Janina Ochojska gegründet. Die Organisation unterstützt Menschen, die von bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen und den Folgen des Klimawandels betroffen sind, und ist unter anderem in der Ukraine, in Südsudan, Somalia, Jemen, Äthiopien und Kenia aktiv. PAH sorgt für Zugang zu sauberem Wasser, Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und sanitären Einrichtungen, führt Bildungsprogramme durch und unterstützt den Wiederaufbau lokaler Gemeinschaften. In Polen betreibt die Organisation zudem das Programm Pajacyk, das Kindern mit drohender Unterernährung und Menschen in schwierigen Lebenslagen hilft.

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