Seit drei Jahren herrscht im Sudan Krieg. Heute trifft sich die Bundesregierung mit afrikanischen Partnern in Berlin. Es geht um Milliardenhilfen und zivile Perspektiven – doch die Konfliktparteien, Armee und eine rivalisierende Miliz, sind nicht eingeladen.
Direkt vor Beginn der großen Sudan-Geberkonferenz in Berlin forderte Außenminister Johann Wadephul (CDU) von der internationalen Politik einen stärkeren Fokus auf den Sudan-Konflikt zu legen. "Diese große humanitäre Katastrophe in Afrika darf nicht vergessen werden", so Wadephul im Deutschlandfunk.
Seit Kriegsbeginn vor drei Jahren hat sich die dortige humanitäre Krise zur größten der Welt entwickelt, findet trotzdem international teils wenig Beachtung.
Besonders herausfordend sind für Helfer die gekürzten Mittel für humanitäre Hilfe seitens vorheriger Unterstützer. Die USA hatten Ende 2025 ihre humanitären Hilfen für die UN von 17 auf zwei Milliarden US-Dollar gekürzt.
Auch in Deutschland wurde zusammengestrichen: Von 2022 bis 2026 schrumpte der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um 30 Prozent.
Nichtsdestotrotz ist Deutschland einer der weltweit größten humanitären Geldgeber im Sudan. 2025 stellte die Bundesregierung 155,4 Millionen Euro für den Sudan sowie Nachbarländer zur Verfügung. Allerdings konnte der humanitäre Hilfsplan für Sudan vergangenes Jahr nur zu 40 Prozent finanziert werden, so die Zeitung Merkur. 2,2 Milliarden Euro hätten gefehlt.
Deutschland müsse trotz Haushalts-Problemen seiner internationalen Verantwortung nachkommen, erklärte Wadephul weiter. Dabei sei es wichtig zu versuchen, teilweise gekürzte Zahlungen anderer Staaten zu ersetzen. 20 Millionen Euro plant das BMZ dieses Jahr zusätzlich bereitzustellen, so Ministerin Reem Alabali-Radovan (SPD).
Bei dem heutigen Treffen im Auswärtigen Amt in Berlin kommen Vertreter der Bundesregierung sowie afrikanischer Länder zusammen. Auch Vertreter der Vereinten Nationen, verschiedener Nichtregierungsorganisationen sowie der sudanesischen Zivilgesellschaft und internationale Geldgeber werden anwesend sein.
Anlass ist der dritte Jahrestag des Kriegsausbruchs im Sudan, wo das sudanesische Militär (SAF) und die paramilitärische Miliz (RSF) einen brutalen Krieg führen.
Seit Mitte April 2023 bekämpfen sich die "Sudanesischen Streitkräfte" (SAF), die die Armee des Sudan bilden, sowie die paramilitärischen "Rapid Support Forces" (RSF). Die RSF versucht seitdem, die Kontrolle über den Sudan zu erlangen. Die SAF werden unter anderem durch Ägypten, Iran und die Ukraine unterstützt. Auf der Seite der RSF stehen Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Äthiopien sowie weitere Länder.
Mehr als 150.000 Tote
Doch ein Ende des Krieges in dem drittgrößten afrikanischen Land stehe bei der Sudan-Konferenz nicht auf dem Programm, erklärt Afrika-Experte Gerrit Kurtz im Gespräch mit Euronews. "Die Konfliktparteien sind gar nicht eingeladen, was diese auch kritisieren. Der Fokus liegt ausdrücklich auf zivilen Perspektiven."
"Wichtig wäre, dass auch das Thema der Staaten, die direkt oder indirekt Konfliktparteien unterstützen, stärker behandelt wird. Ich zweifle daran, dass das ein Schwerpunkt sein wird. Insgesamt muss dort mehr passieren", sagt Kurtz. "Es braucht echte Rechenschaft, die teilweise auch im persönlichen Gespräch eingefordert werden kann."
Mehr als 33 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe, sodie Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. Etwa 70 Prozent der Sudanesen leben in Armut, fast doppelt so viele wie vor dem Krieg, so Luca Renda, der Sudan-Vertreter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Mehr als 150.000 Menschen sollen bei den bisherigen Kämpfen getötet worden sein.