Die Brände in Spanien und Frankreich zählen zu den größten der jüngeren Vergangenheit. Die Lage wird aufmerksam beobachtet: vor allem Mitte der Woche werden wieder teils extreme Temperaturen erwartet. Einige der Brände sind offenbar auf Brandstifter zurückzuführen, es gab Festnahmen.
Am Mittwoch konnten Tausende Menschen aus der Region Madrid in ihre Häuser zurückkehren. Die Waldbrände gelten dort inzwischen als stabilisiert.
Bereits am Vortag hatten die spanischen Behörden mehr als ein Dutzend Evakuierungsanordnungen für Gemeinden westlich der Hauptstadt Madrid aufgehoben, wo die Flammen zuvor besonders heftig gewütet hatten.
„24.000 evakuierte Menschen konnten in ihre Häuser zurückkehren, und weitere 20.000 wurden in der Autonomen Gemeinschaft Madrid aus Ausgangsbeschränkungen befreit“, schrieb der Vertreter der Zentralregierung in der Region, Francisco Martín Aguirre, am späten Dienstag auf X.
Die Regionalregierung berichtete, dass sich das Wetter über Nacht gebessert habe. Das habe den Einsatzkräften geholfen, die Intensität der Brände zu verringern.
Am Dienstag schrieb die Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Isabel Díaz Ayuso, die Lage „werde nach und nach besser“.
Auch in der Region Valencia hob die Regionalregierung eine Ausgangssperre auf.
Seit Jahresbeginn sind in Spanien insgesamt 207.000 Hektar Land verbrannt – so viel wie noch nie in einem Zeitraum von Januar bis Juli, teilte das Europäische Waldbrandinformationssystem mit. Spanische Behörden nennen leicht abweichende Zahlen.
Im Kampf gegen die Brände kann Spanien auf weitere Hilfe aus dem Ausland zählen. Wie das Innenministerium mitteilte, schickt Serbien einen Löschhubschrauber vom Typ Super Puma sowie 40 Einsatzkräfte und 18 Fahrzeuge. Bereits zuvor hatten Griechenland, Italien, Portugal und die Türkei Unterstützung geleistet.
Im Nachbarland Frankreich brannten 92.000 Hektar – der höchste Wert seit zwei Jahrzehnten.
Frankreich erwartet neue Hitzewelle – Brandstifter am Werk
Die Behörden im besonders stark betroffenen Département Gironde meldeten bereits die zweite ruhige Nacht. Der große Brand in der Nähe der Stadt Bordeaux sei stabil, hieß es.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Brände als schlimmste Krise des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet hat, warnte jedoch, die kommenden Wochen würden schwierig. Die Wetterlage solle sich ab Mittwoch weiter verschlechtern.
Indes verschärft Frankreich sein Vorgehen gegen mutmaßliche Brandstifter. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden seit Beginn des Sommers 184 Verdächtige festgenommen. Im Département Var befindet sich einer der Beschuldigten in Untersuchungshaft.
Die Ermittlungen zu mutmaßlich vorsätzlich gelegten Bränden in der Bretagne haben zudem zu zwei weiteren Festnahmen geführt. Nach Angaben der Behörden wurde ein Verdächtiger mithilfe von Zeugenhinweisen ermittelt, während der andere wiederholt in der Nähe mehrerer Brandorte aufgefallen sein soll. Beide Männer befinden sich derzeit in Polizeigewahrsam.
Für die Départements Gironde und Landes gilt die Warnstufe Orange. Im Landesinneren werden Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius erwartet, an der Küste bis 38 Grad.
Außerdem rechnen Meteorologen mit starken Winden mit Böen zwischen 30 und 45 Kilometern pro Stunde. Es besteht die Sorge, dass sie die Brände wieder anfachen könnten.
„Der Mittwoch wird ein wichtiger Tag, den wir sehr genau beobachten werden, angesichts der extremen Temperaturen, die uns erwarten“, so der Feuerwehrchef des Départements Gironde, Lieutenant Colonel Eric Pitault, am Dienstag.
Für Frankreich hat Deutschland im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus unter anderem zwei CH-53-Transporthubschrauber der Bundeswehr, Löschausrüstung sowie ein A400M-Transportflugzeug entsandt. Darüber hinaus wurden zwei Löschflugzeuge, darunter die im Harz stationierte „Hexe 1“, zur Bekämpfung der Waldbrände in der Region Bordeaux nach Frankreich verlegt.
Europa wärmt sich weltweit am schnellsten auf
Die jüngsten Waldbrände in Spanien und Frankreich gehören zu den größten, die beide Länder in ihrer jüngeren Geschichte erlebt haben.
Forscher warnen, dass die Hitzewelle im Juni, die die Brände begünstigte, kein Einzelfall gewesen sei.
Nach dem Bericht „European State of the Climate 2025“ ist Europa der Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Die Temperaturen steigen hier etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.
Klimafachleute warnen, dass der menschengemachte Klimawandel Hitzewellen häufiger und intensiver macht – und dass sie zunehmend früher und später im Jahr auftreten.