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Schottisches Start-up rettet Wildfische mit Omega-drei-Algen aus Whiskyabfällen

Douglas Martin, Gründer & CEO, MiAlgae
Douglas Martin, Gründer und CEO von MiAlgae Copyright  Denis Loctier/
Copyright Denis Loctier/
Von Denis Loktev
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Sind Zuchtfische wirklich nachhaltig? Viele werden mit Wildfang gefüttert. Algen, gezüchtet auf Abfällen der schottischen Whiskybranche, könnten das ändern.

Die Aquakultur ist inzwischen die wichtigste Quelle für Speisefisch weltweit. Sie hat den Fang wilder Bestände global überholt.

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Doch die Branche hat ein verstecktes Problem: Zuchtfische, vor allem Lachs, sind Fleischfresser und brauchen Omega-3-Fettsäuren. Fast das gesamte Omega-3 stammt aus Fischöl, das wiederum aus wild gefangenen Fischen gewonnen wird.

„Die nachhaltigen Fanggrenzen im Ozean sind derzeit erreicht“, sagt Douglas Martin, Gründer und CEO von MiAlgae, gegenüber Euronews Earth. „Man kann physisch nicht mehr aus den Meeren holen.“

Die Folge ist ein Kreislauf, der das Öko-Image von Zuchtfisch untergräbt: Je stärker die Aquakultur wächst, desto größer wird der Druck auf die ohnehin belasteten Wildfischbestände.

Raubfische sind für ihr Futter weiterhin auf wild gefangene Fische angewiesen
Raubfische sind für ihr Futter weiterhin auf wild gefangene Fische angewiesen Getty Images

Zurück zur ursprünglichen Omega-3-Quelle

Martins Ansatz geht in der Nahrungskette weiter nach unten – bis zu Mikroalgen. Ölige Fische produzieren Omega-3 nicht selbst, sie reichern es über die Algen an, die sie fressen. MiAlgae schaltet diesen Zwischenschritt komplett aus.

„Die Algen sind diejenigen, die Omega-3 überhaupt produzieren“, sagt Martin gegenüber Euronews Earth. „Wenn man die Algen herstellen und Algen züchten kann, bekommt man Omega-3, ohne die ganze Nahrungskette zu durchlaufen.“

Die Kosten haben Forschende jahrelang ausgebremst. Algen auf hochwertigen Substraten zu kultivieren, rechnet sich nicht im Wettbewerb mit billigem Fischöl aus Wildfang. MiAlgae nutzt deshalb industrielle Nebenprodukte mit geringem Wert als Nährlösung für die Algen – konkret die flüssigen Abfälle aus Scotch-Whisky-Brennereien.

Bei der Whiskyherstellung fällt zunächst ein Bier mit einem Alkoholgehalt von acht Prozent an. Die Destillerien ziehen daraus den Alkohol. Die verbleibenden 92 Prozent – jedes Jahr Milliarden Liter in ganz Schottland – gelten bisher größtenteils als minderwertiger Abfall.

MiAlgae gibt diese Flüssigkeit in große Edelstahltanks und lässt dort Algenzellen wachsen. Die dabei entstehende Biomasse ersetzt Fischmehl und Fischöl direkt.

„Das ist ein bisschen wie Brauen“, erklärt Martin. „Man nimmt eine sehr kleine Menge an Algenzellen, dazu alle Whisky-Nebenprodukte und ein paar weitere Bestandteile, füllt sie in diese großen Edelstahltanks und lässt die Algen all diese nahrhafte Mischung verarbeiten.“

MiAlgae-Produktionsbehälter
MiAlgae-Produktionsbehälter The Earthshot Prize

Produktion getrockneter Algen wird ausgebaut

Das derzeitige Produkt von MiAlgae sind getrocknete Algen. Sie werden abgepackt und an Hersteller von Aquafutter und Tierfutter geliefert und ersetzen dort direkt Zutaten aus Wildfisch. Der Tierfuttermarkt ist derzeit das wichtigste Geschäftsfeld, weitere Aquafutter-Kunden stehen in den Startlöchern.

Das Unternehmen baut gerade seinen ersten voll kommerziellen Produktionsstandort. Martin rechnet dort mit einer Jahresproduktion von Tausenden Tonnen – ein bedeutender Schritt, aber gemessen an der globalen Nachfrage nur ein Bruchteil.

„In der Omega-3-Welt ist das ein guter Anfang, aber ein Tropfen im Meer“, sagt er gegenüber Euronews Earth. „Es gibt noch viele Fische, die wir retten können.“

Beim Thema Preis räumt Martin ein, dass es auf der jetzigen Produktionsstufe schwierig ist, mit Fischöl mitzuhalten. Er betrachtet den Vergleich deshalb über den Wert pro Einheit Omega-3. „Wir wollen preislich mit jedem Fischöl gleichziehen, das weltweit auf den Markt kommt“, sagt er.

MiAlgae schaffte es 2024 ins Finale des Earthshot Prize – eine Bühne, die laut Martin die Glaubwürdigkeit des Unternehmens deutlich gestärkt hat. „Die Unterstützung durch den Earthshot Prize war ein riesiger Erfolg für uns“, sagt er.

Mit der absehbaren Produktion im industriellen Maßstab und wachsendem Interesse aus der Branche positioniert sich MiAlgae als systemische Alternative für eines der tief verankerten – und kaum sichtbaren – Nachhaltigkeitsprobleme der Aquakultur.

Weitere Quellen • The Earthshot Prize

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