Loader
Finden Sie uns
Werbung

Totale Sonnenfinsternis über Europa: Das passiert beim Jahrhundertereignis

ARCHIV: Evelyn Sander (rechts) und Sopfia Munoz aus Indianapolis beobachten am Montag, 8. April 2024, bei einer Veranstaltung zur totalen Sonnenfinsternis den Himmel.
ARCHIV: Evelyn Sander (rechts) und Sopfia Munoz aus Indianapolis beobachten am Montag, dem achten April 2024 eine totale Sonnenfinsternis. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Jeremiah Fisayo-Bambi
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Am längsten ist die totale Sonnenfinsternis vor der Westküste Islands zu sehen. Anschließend zieht der Schatten über Portugal und Spanien, wo die Sonne noch für etwa eine Minute vollständig verdeckt wird. Über dem Mittelmeer endet das Himmelsschauspiel schließlich.

Im Oktober 2024 begeisterte eine spektakuläre Sonnenfinsternis die wenigen Glücklichen, die sie von der Osterinsel im Pazifik aus beobachten konnten. Jetzt steht das Himmelsereignis in einer anderen Region der Erde bevor.

WERBUNG
WERBUNG

An diesem Mittwoch, dem 12. August, schiebt sich der Mond genau zwischen Sonne und Erde. Sein Schatten zieht dabei über einen schmalen Streifen der Erdoberfläche. In Teilen Grönlands, Islands und Nordspaniens wird die Sonne vollständig verdeckt. Millionen Menschen in Westeuropa können zumindest eine deutlich sichtbare partielle Sonnenfinsternis beobachten.

Rund eineinhalb Stunden braucht der Kernschatten des Mondes für die etwa 8.260 Kilometer lange Strecke, die größtenteils über den offenen Atlantik führt. Der Schattenpfad beginnt nahe dem Nordpol im sibirischen Teil Russlands und zieht von dort weiter nach Süden. Entlang dieser Strecke dauert die totale Sonnenfinsternis bis zu zwei Minuten und 18 Sekunden.

Auf der Iberischen Halbinsel sowie in kleinen Teilen Grönlands und Islands wird es mitten am Tag für kurze Zeit dunkel. Das seltene Schauspiel dürfte zahlreiche Menschen anziehen. Sie können erleben, wie sich der Himmel am Tag plötzlich verdunkelt, die Temperatur spürbar sinkt und Tiere und Vögel verstummen, weil sie die Dunkelheit für den Einbruch der Nacht halten.

In London lädt das historische Royal Observatory Greenwich auf seinen Terrassen zur gemeinsamen Beobachtung ein. Bei gutem Wetter wird das Ereignis von dort auch live übertragen, während sich die Sonne über der Skyline der Stadt zunehmend verdunkelt.

Spanien erlebt totale Sonnenfinsternis: erstmals seit über einem Jahrhundert

Im Vereinigten Königreich wird der Mond die Sonne vielerorts zu mehr als 90 Prozent verdecken. "Hier im Vereinigten Königreich haben wir tatsächlich großes Glück. Wir erleben zwar nur eine partielle Sonnenfinsternis, sie fällt aber mit 90 bis 95 Prozent sehr deutlich aus – je nachdem, wo im Land man sich befindet", erklärt Jake Foster, Astronom am Royal Observatory Greenwich.

"Das Ganze findet rund um den Sonnenuntergang statt. Es ist eine Art ‚Golden-Hour-Finsternis‘: Die Sonne steht tief am westlichen Horizont. Wer eine totale Sonnenfinsternis erleben möchte, muss in den Pfad der Totalität reisen. Dazu bieten sich Grönland, Island und Nordspanien an. Dort ist der Schatten des Mondes am dunkelsten und die Sonne wird vollständig verdeckt."

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Neumond zwischen Sonne und Erde hindurchzieht. Dafür müssen Sonne, Mond und Erde nahezu exakt auf einer Linie stehen – eine Konstellation, die nur selten eintritt. Obwohl die Sonne etwa 400-mal größer ist als der Mond, erscheinen beide von der Erde aus ungefähr gleich groß. Das liegt daran, dass die Sonne auch rund 400-mal weiter von uns entfernt ist als der Mond.

Dieses besondere Größen- und Entfernungsverhältnis ermöglicht es dem Mond, die Sonne bei einer totalen Sonnenfinsternis vollständig zu verdecken. Der Bereich, in dem der Mond einen vollständigen Schatten auf die Erde wirft, wird Kernschatten oder Umbra genannt. Dort ist eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Im sogenannten Halbschatten oder der Penumbra wird die Sonne dagegen nur teilweise vom Mond verdeckt – dort ist eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten.

ARCHIV: Eine totale Sonnenfinsternis über Arlington im US-Bundesstaat Texas am 8. April 2024. (AP Photo/Julio Cortez, Archivbild)
ARCHIV: Eine totale Sonnenfinsternis über Arlington im US-Bundesstaat Texas am 8. April 2024. (AP Photo/Julio Cortez, Archivbild) Julio Cortez/Copyright 2024 The AP. All rights reserved.

Auf eine solche Finsternis müssen viele Menschen lange warten. Die letzte totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland – die Kanarischen Inseln ausgenommen – ereignete sich 1912, nur zwei Tage vor dem Untergang der Titanic. Am längsten dauert die vollständige Verdunkelung vor der Westküste Islands. Anschließend zieht der Schatten über einen kleinen Teil Portugals und weiter über Spanien.

Dort verkürzt sich die totale Phase auf etwa eine Minute. Über dem Mittelmeer endet das Schauspiel schließlich. "Bis man am selben Ort ein zweites Mal eine totale Sonnenfinsternis erleben kann, können mehr als 200 Jahre vergehen. Partielle Finsternisse kommen etwas häufiger vor. Betrachtet man aber ein bestimmtes Land oder eine einzelne Region, braucht man trotzdem Glück: Innerhalb eines Jahrzehnts kann es mehrere partielle Finsternisse geben. Je nach Standort können aber auch sie sehr selten sein", sagt Foster.

Sonnenfinsternis: Zuschauer brauchen spezielle Schutzbrillen

Um die Sonnenfinsternis sicher zu beobachten, braucht es eine einfache, aber unverzichtbare Ausrüstung: eine spezielle Sonnenfinsternisbrille. Ohne eine solche Brille kann der direkte Blick in die Sonne die Augen dauerhaft schädigen – selbst dann, wenn nur noch ein schmaler Teil der Sonne zu sehen ist.

"Am sichersten lässt sich die Finsternis mit einer Sonnenfinsternisbrille direkt beobachten. Die Gläser sind speziell beschichtet und blockieren 99,9999 Prozent des Sonnenlichts. Erst dadurch kann man gefahrlos in die Sonne schauen. Wichtig ist, dass die Brille nach ISO-Norm zertifiziert ist und die vorgeschriebenen Sicherheitstests bestanden hat. Ist das gewährleistet, kann man die Finsternis damit direkt beobachten", sagt Foster.

Sonnenfinsternisse lassen sich zwar Jahrhunderte im Voraus genau berechnen. Dennoch faszinieren sie bis heute sowohl die Wissenschaft als auch Millionen Menschen auf der ganzen Welt.

In ganz Europa erleben Astronomie-Fachgeschäfte kurz vor der Sonnenfinsternis einen regelrechten Ansturm auf zertifizierte Beobachtungsausrüstung. In einem Spezialgeschäft in Paris standen Kunden mehr als zwei Stunden Schlange, um Sonnenfinsternisbrillen und Ferngläser zu kaufen. "Zwei Stunden! Zwei Stunden für eine Sonnenfinsternisbrille", sagt der 27-jährige Simon Noé, der in der Videospielforschung arbeitet.

"Aber für mich ist die Finsternis etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Kind dachte: Was, die nächste Sonnenfinsternis ist erst 2026? Damals kam mir 2026 unendlich weit weg vor. Jetzt geht es also auch ein bisschen darum, mein inneres Kind glücklich zu machen", fügt er hinzu. Auch zwei Weltraumteleskope der Europäischen Weltraumorganisation ESA werden die verdunkelte Sonne und ihre Korona, die äußere Atmosphäre der Sonne, beobachten.

Proba-3, ein Satellitenduo der ESA, das künstliche Sonnenfinsternisse erzeugen kann, befindet sich für dieses Ereignis zwar nicht in einer optimalen Position. Dennoch soll versucht werden, Aufnahmen kurz vor und nach der Finsternis zu machen. "Sonnenfinsternisse sind immer wieder unglaublich aufregend, selbst wenn man schon mehrere erlebt hat. Sie gehören zu den Dingen, die man einmal im Leben gesehen haben möchte – wobei es eigentlich keine Grenze dafür gibt, wie oft man dieses Erlebnis wiederholen kann", sagt Foster.

Weitere Quellen • AP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Europa sucht fieberhaft Brillen, Solarstrom sinkt bei Sonnenfinsternis

„You Want It Darker?“ Die perfekte Playlist zur totalen Sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis und Sternschnuppenregen: Portugal rüstet sich für seltenes Himmelsduo