Nordkorea hat laut Südkoreas Generalstab gegen sechs Uhr nahe Wonsan eine ballistische Rakete über mehr als 700 Kilometer abgefeuert. Seoul verurteilt den Test und betont seine Abwehrbereitschaft gemeinsam mit den USA.
Nordkorea hat nach Angaben südkoreanischer Medien am Mittwoch seinen zweiten Test mit einer ballistischen Rakete binnen weniger Tage durchgeführt. Beobachter werten den Start als Protest gegen die bevorstehenden gemeinsamen Militärübungen von Seoul und Washington, die Pjöngjang als Probe für eine Invasion betrachtet.
Die Rakete wurde demnach gegen sechs Uhr morgens aus dem Küstengebiet um Wonsan an der Ostküste Nordkoreas abgefeuert und legte mehr als 700 Kilometer zurück, wie der Generalstab Südkoreas mitteilte.
Südkoreas Militär verurteilte den Test und betonte, es sei gemeinsam mit den USA bereit, jede Provokation aus Pjöngjang abzuwehren. Der nationale Sicherheitsrat Südkoreas bezeichnete die nordkoreanischen ballistischen Raketenstarts als „Provokationsakte“ und forderte den Norden auf, sie umgehend einzustellen.
Auch das japanische Verteidigungsministerium registrierte den Start. Nach seinen Angaben schlug die Rakete in Gewässern außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans ein, zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan.
Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi sagte vor Reportern, Japan habe über seine Botschaften in Peking scharf gegen den nordkoreanischen Start protestiert. „Es ist ein ernstes Problem, das die Sicherheit der Menschen in Japan betrifft“, erklärte er.
Die Starts im Abstand von nur wenigen Tagen gelten als Teil einer ausgedehnten Serie nordkoreanischer Waffentests. Das Land verweigert seit Jahren die Rückkehr an den Verhandlungstisch mit den USA und Südkorea.
Der jüngste Test erfolgte zudem zwei Tage, nachdem Südkorea und die USA angekündigt hatten, am 17. August ihre jährlichen Großmanöver zu beginnen, um ihre Einsatzbereitschaft gegenüber nordkoreanischen Drohungen zu erhöhen.
Nordkorea hat in der Vergangenheit auf das Manöver Ulchi Freedom Shield und andere große südkoreanisch-amerikanische Übungen mit provokativen Waffentests und scharfer Rhetorik reagiert. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass Pjöngjang die Übungen seiner Gegner häufig nur als Vorwand nutzt, um die eigenen Tests zu intensivieren. Die USA und Südkorea betonen immer wieder, ihre Manöver seien rein defensiv ausgerichtet.
Nachdem das Ulchi-Freedom-Shield-Manöver im vergangenen Jahr begonnen hatte, erklärte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, die Übungen zeigten den „Willen der USA und Südkoreas, einen Krieg zu entfachen“. Sie seien provokativer als früher geworden, sagte er, weshalb Nordkorea mit „proaktiven und überwältigenden“ Gegenmaßnahmen reagieren müsse.
In der vergangenen Woche, am 6. August, registrierten Südkorea, die USA und Japan den Start einer kurzreichenden ballistischen Rakete aus Nordkorea. Es war der erste Test einer ballistischen Waffe des Nordens seit Ende Juni.
Pjöngjang bestätigte den gemeldeten Start nicht, veröffentlicht Details zu Waffentests aber für gewöhnlich erst am folgenden Tag.