Während Donald Trump seinen Einwanderungskurs verschärft, wächst die Zahl der Todesfälle in US-Abschiebehaft auf den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Die UN fordert nun Konsequenzen und ein Ende von Abschiebungen in gefährliche Länder wie Haiti.
Der UN-Menschenrechtskommissar Volk Türk hat am Montag Konsequenzen für die steigende Zahl von Todesfällen im US-Einwanderungsgewahrsam verlangt. Er forderte Washington zudem auf, Abschiebungen in Regionen zu stoppen, in denen Menschen "irreparablen Schaden" erleiden könnten.
Vor dem UN-Menschenrechtsrat sagte der Österreicher, seit seinem letzten Bericht an das Gremium im Juni seien "vier weitere Menschen im US-Einwanderungsgewahrsam gestorben".
Insgesamt habe es " im Jahr 2026 allein 23 Todesfälle" gegeben, so Türk. "Für diese Todesfälle muss es Verantwortlichkeit geben", betonte er.
US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen illegale Einwanderung zu einer seiner wichtigsten Prioritäten in der zweiten Amtszeit gemacht. Die Behörden nehmen tausende Menschen fest und bauen Haftzentren aus.
Ein gemeinsamer Bericht von Human Rights Watch und Physicians for Human Rights vom Juni kommt zu dem Schluss, dass die Zahl der Todesfälle in ICE-Haft im Zuge von Trumps Durchgreifen den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht hat.
Der UN-Menschenrechtskommissar kritisierte zudem weitere Praktiken der US-Einwanderungsbehörden, etwa Abschiebungen in gefährliche Gebiete und in Länder, zu denen die Betroffenen keinerlei Verbindung haben.
"Ich fordere die Vereinigten Staaten auf, Rückführungen von Menschen an Orte zu stoppen, an denen ihnen irreparabler Schaden drohen könnte, darunter Haiti, und bei allen Abschiebungen in Drittstaaten ein rechtsstaatliches Verfahren zu gewährleisten", sagte Türk vor dem Rat.
Türk äußerte sich auch besorgt über Berichte, wonach die US-Behörde Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, plane, "Einwanderungsbeamte mit Elektroschock-Handschuhen auszustatten". Dies werde "die mit ihren Einsätzen verbundene Gewalt noch erhöhen", warnte er.
Nach dem Plan zum Kauf der Handschuhe, über den zunächst die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet hatte, soll das für ICE zuständige Heimatschutzministerium DHS zwischen 10 und 20 Millionen Dollar, umgerechnet 8 bis 17 Millionen Euro, für die als "Ablenkungs- und Deeskalationsgeräte" bezeichneten Mittel ausgeben.
ICE steht wegen einer Reihe tödlicher Schusswaffeneinsätze bei Razzien in der Kritik. Dazu gehören auch die tödlichen Schüsse auf zwei US-Staatsbürger in Minnesota im Januar, die sich an Anti-ICE-Protesten beteiligt hatten.
Kritiker prangern vor allem das harte Vorgehen der ICE-Beamten bei Festnahmen von Migranten an sowie eine angebliche Absenkung der Ausbildungsstandards für neue Rekruten.