Vor Donald Trumps Rückkehr ins Amt wurden pro Monat in den USA etwa 8.000 vor einer geplanten Abschiebung festgenommen. Jetzt hat sich die Zahl der Festnahmen durch ICE drastisch erhöht.
Die US-Behörde "Immigration and Customs Enforcement" (ICE) hat im Juli 2026 knapp 50.000 Menschen festgenommen. Das ist der höchste Monatswert seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.
ICE verzeichnete im Juli 49.571 Festnahmen. Das sind 15 Prozent mehr als die 43.021 im Juni und ein Plus von 70 Prozent gegenüber 29.241 im Februar, wie Regierungsdaten belegen, die die Nachrichtenagentur Associated Press ausgewertet hat.
Der starke Anstieg der Festnahmen von Migrantinnen und Migranten fällt in eine Phase, in der die Regierung Trump ihre Agenda der Massenabschiebungen weiter vorantreibt. Sie verlagert den Fokus von spektakulären Einsätzen in großen US-Städten hin zu weniger sichtbaren Einsätzen.
Festnahmen bei Verkehrskontrollen
Die Zahl der Festnahmen ist in den vergangenen Wochen immer weiter gestiegen. Grund ist auch, dass ICE mehr Personal eingestellt hat. Die Behörde nimmt Menschen inzwischen bei Verkehrskontrollen fest und stützt sich zunehmend auf Dienststellen von Polizei und Sheriffs der Bundesstaaten und Kommunen, um Einwanderungsregeln durchzusetzen.
ICE-Beamte greifen inzwischen auch Haitianerinnen und Haitianer auf, die ihren Abschiebeschutz verloren haben.
Die neuen Zahlen zeigen, dass die US-Regierung „die Durchsetzung nicht gestoppt“ habe, sagte Mark Krikorian vom Center for Immigration Studies, das für strengere Einwanderungsbeschränkungen eintritt.
„Sie haben ihre Taktik geändert und sind, wenn überhaupt, jetzt sogar wirkungsvoller.“
US-Bundesstaaten werden Schlüsselakteure bei Abschiebungen
Die Zahl der Festnahmen durch Polizei und Sheriffs der Bundesstaaten und Kommunen, die mit ICE kooperieren, ist seit vergangenen Jahr stark gestiegen.
Diese Partnerschaften, die ICE mit großzügigen finanziellen Anreizen für teilnehmende Behörden ausgebaut hat, führten im Juli zu 6.500 Festnahmen. Das entsprach rund 13 Prozent aller Fälle, wie aus den Daten hervorgeht. Ein Jahr zuvor lag ihr Anteil noch bei unter fünf Prozent der monatlichen ICE-Festnahmen.
Allein in Texas und Florida gab es im Juli knapp 20.000 Festnahmen. Das unterstreicht die wachsende Rolle der beiden Bundesstaaten in der Agenda der Massenabschiebungen der Regierung Trump.
Beide Bundesstaaten haben ihre Zusammenarbeit mit ICE über sogenannte 287(g)-Abkommen ausgeweitet. Diese Vereinbarungen erlauben es Polizei- und Sheriffdienststellen der Bundesstaaten und Kommunen, bestimmte Aufgaben der bundesweiten Einwanderungsbehörden zu übernehmen.
Mehr als die Hälfte der festgenommenen Migrantinnen und Migranten ohne Vorstrafen
Die Regierung Trump betont immer wieder, ihre Einsätze zur Durchsetzung der Einwanderungsregeln richteten sich gegen Menschen, die in den USA Straftaten begangen haben. Damit wolle sie die öffentliche Sicherheit verbessern.
Die Daten zeigen jedoch, dass mehr als die Hälfte der im Juli Festgenommenen keine Vorstrafen hatten und nicht wegen eines Delikts angeklagt waren. Weniger als ein Viertel war überhaupt je wegen einer Straftat verurteilt worden.
Die Hälfte der Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde erfolgte nicht in Haftanstalten. ICE-Beamte griffen Menschen direkt in ihrem Umfeld auf, statt hauptsächlich Personen zu übernehmen, die bereits in Gefängnissen oder bei der örtlichen Polizei einsaßen.
Seit der Rückkehr Trumps ins Amt und dem Beginn seines harten Vorgehens gegen Einwanderung sind mindestens zehn Menschen durch Einwanderungsbeamte ums Leben gekommen.