Der Vorsitzende der französischen Rechtsaußenpartei Rassemblement National weist entschieden einen Artikel des französischen Online-Mediums Mediapart zurück, der ihm antisemitische Äußerungen aus dem Jahr 2013 vorwirft.
Der Vorsitzende des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, steht im Zentrum einer neuen Kontroverse, wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl.
Das Investigativportal Mediapart hat am Montag von Äußerungen mit antisemitischem Inhalt berichtet (Quelle auf Französisch), die der Politiker im Jahr 2013 gemacht haben soll. Damals trat er gerade in die rechtsextreme Partei ein, die zu dieser Zeit noch Front National hieß.
Jordan Bardella weist den Vorwurf entschieden zurück. Die von Mediapart veröffentlichten Dokumente bezeichnet er als „wahnwitzig“ und „plumpe Fälschungen“. Am Montag erstattete er nach eigenen Angaben Anzeige wegen Verleumdung gegen die Online-Zeitung.
Bei einem Besuch auf der Fachmesse für die Baubranche in Paris wurde Marine Le Pen, Präsidentschaftskandidatin des RN für das Jahr 2027, am Montag zu der Affäre befragt. Sie stellte sich klar hinter ihren politischen Kronprinzen und verurteilte den Vorgang als „‚manip‘ und ‚barbouzerie‘“, übersetzt etwa Manipulation und Intrige.
„Die Enthüllungen von Mediapart, erlauben Sie mir bitte, sie zu bezweifeln, entschuldigen Sie“, antwortete sie einer Journalistin. „Keine normal veranlagte Person kann an diesen Wahnsinn glauben. Ich weiß nicht einmal, wovon Sie sprechen, aber es erscheint mir so verrückt, dass es offensichtlich nur eine Fälschung sein kann, eine manip, eine barbouzerie, wie man sie von Mediapart übrigens gewohnt ist“.
Politische Reaktionen
Kritik kam umgehend, sowohl aus dem linken Lager als auch aus der politischen Mitte.
Der Frontmann von La France insoumise (LFI), Jean-Luc Mélenchon, der selbst in der Vergangenheit wegen angeblicher Unklarheit beim Thema Antisemitismus kritisiert wurde, hat die Bardella zugeschriebenen Äußerungen „formell“ verurteilt. Sie seien seiner Ansicht nach „Verschwörungsdenken und der absurdeste Antisemitismus“.
„Ein schwerer Vorwurf lastet auf Herrn Bardella. Er muss seine Ablehnung gegenüber den ihm zugeschriebenen antisemitischen und verschwörungsideologischen Äußerungen deutlich machen“, erklärte Mélenchon. „Andernfalls wird der Beweis in großem Maßstab erbracht, der den Irrtum derjenigen zeigt, die der extremen Rechten ihre antisemitischen Wurzeln amnestiert haben“.
Die Kandidatin der Écologistes, Marine Tondelier, hält die Äußerungen für „unvereinbar mit jedem politischen Mandat“ und forderte den Präsidenten des RN auf, „von allen seinen Funktionen zurückzutreten“.
Sie betonte außerdem, dass Jordan Bardella laut der Untersuchung „in aller Heuchelei eine Entdämonisierungsstrategie verfolgt, die darin besteht, den Antisemitismus des RN zu verbergen“, und beklagt darüber hinaus die Verbindungen des RN-Präsidenten zum rechtsextremen Aktivisten Alain Soral, der mehrfach wegen Antisemitismus verurteilt wurde.
Die Affäre hat sogar die Regierung zum Handeln veranlasst. Die für die Bekämpfung von Diskriminierungen zuständige Ministerin, Aurore Bergé, äußerte sich am Montag als Erste und sprach von Aussagen von „immens großer Schwere“, falls sich ihre Echtheit bestätigen sollte.
Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte, „Antisemitismus ist für den RN kein Unfall auf dem Weg, er ist die Geschichte dieser Partei“.
„Dies ist das wahre Gesicht der extremen Rechten“, fügte er in einer auf X veröffentlichten Nachricht hinzu.
Die Kontroverse dürfte die Strategie der „Entdämonisierung“ des Rassemblement National empfindlich treffen. Gleichzeitig führt Marine Le Pen in den Umfragen deutlich, und Jordan Bardella sieht sich selbst bereits als künftiger Premierminister.
Unter den verschiedenen Teilnehmern der Präsidentschaftskampagne lag das Duo Marine Le Pen/Jordan Bardella zuletzt bei den Zustimmungen vorn: 35 Prozent der Befragten geben an, sie zu unterstützen oder Sympathie für sie zu empfinden. Beide verloren jedoch vier beziehungsweise fünf Punkte.