Eine Bevorzugung europäischer Waffen könnte die transatlantische Rüstungsindustrie schwächen und Europas „Feinden“ nutzen, warnt US-Botschafter Andrew Puzder.
Der Kurs der Europäischen Union, die eigene Rüstungsindustrie zu bevorzugen, birgt nach Einschätzung des US-Botschafters bei der EU, Andrew Puzder, ein hohes Risiko. Er warnte im Gespräch mit Euronews, dies könne „Verbündete entfremden“ und die transatlantische Verteidigungsindustrie zersplittern.
Auf dem Defence and Space Summit von Euronews in Brüssel am Mittwoch sagte Puzder: „Nur unsere Gegner profitieren, wenn wir den Fokus verlieren und nicht mehr darauf achten, die effektivsten Waffen für unsere gemeinsame Verteidigung zu haben.“
„Ein einziger Angriff eines mächtigen Gegners auf einen Mitgliedstaat, und wir alle werden froh sein, dass wir auf Überlegenheit bei den Waffen und nicht auf regionale Wirtschaftsfragen gesetzt haben“, so der US-Botschafter in Brüssel.
Andrew Puzder betonte, wenn Menschenleben auf dem Spiel stünden, sollten „Fähigkeit und Verfügbarkeit die Lösung bestimmen, nicht die Geografie“.
USA gegen Vorteile für "Made in Europe"
Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten haben Vorschläge vorgelegt, die heimische Waffenhersteller bevorzugen sollen. Ziel ist, die Abhängigkeit Europas von US-Rüstungsgütern zu verringern, vor dem Hintergrund sichtbarer Risse im transatlantischen Bündnis unter Donald Trump.
Das Pentagon stellt sich entschieden gegen diesen Kurs, obwohl die US-Regierung die europäischen NATO-Partner zugleich unter Druck setzt, bei der eigenen Verteidigung unabhängiger zu werden.
Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, Grönland gewaltsam zu übernehmen, sowie der drastische Rückzug bei der finanziellen und militärischen Unterstützung der USA für die Ukraine haben der EU-Initiative zusätzlichen Schwung gegeben, Waffen aus europäischer Produktion zu bevorzugen.
Die Pläne spalten jedoch die Mitgliedstaaten. Einige Regierungen warnen vor überzogenem Protektionismus, gerade angesichts der Stärke der US-Rüstungsindustrie.
Am Dienstag mahnte der oberste NATO-Militär Alexus Grynkewich vor dem Verteidigungsausschuss des Europäischen Parlaments, die „Festschreibung von Präferenzen, wo militärische Ausrüstung hergestellt wird“, nütze am Ende nur Europas „Gegnern“.
Ukraine kann US-Rüstung mit EU-Darlehen kaufen
Puzder lobte die Kommission dafür, dass mit dem jüngsten Kredit über 90 Milliarden Euro an Kyjiw auch US-amerikanische Waffen - vor allem Luftabwehrsysteme - für die Ukraine beschafft werden kann. Die USA würden sich dafür einsetzen, dass ähnliche Regelungen in künftigen Verteidigungspolitiken verankert werden, erklärte der Botschafter.
„Wir werden weiter offen miteinander sprechen. Manchmal werden wir unterschiedlicher Meinung sein, im Grundsatz aber bin ich überzeugt, dass wir uns einig sein werden“, sagte Puzder.
Zugleich habe die EU-Kommission signalisiert, sie habe „nicht die Absicht“, den Mitgliedstaaten den Einsatz nationaler Haushaltsmittel für den Kauf von US-Waffensystemen zu verbieten, so Puzder.
Das Ziel sei „eine Allianz, die unseren Gegnern mit Einheit und Stärke entgegentritt, nicht mit Spaltung und Eigennutz“, so der Botschafter.