Bei der Wahl in Bulgarien stehen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, Drohnenangriffe auf Schiffe vor der Schwarzmeerküste sowie steigende Energiepreise und hohe Inflation im Fokus.
Fast sieben Millionen Menschen in Bulgarien waren an diesem Sonntag dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Sorgen über die wirtschaftliche Lage und Drohnenangriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer waren die wichtigsten Themen im Wahlkampf.
Die Abstimmung ist der erste große Test für Ministerpräsident Rumen Radew (auch: Radev) und seine linksnationalistische Partei "Progressives Bulgarien", die im vergangenen April die Parlamentswahl gewonnen hatte.
Trotz eines Rekordfeldes von 27 Kandidaten gilt ein Duell zwischen der amtierenden Präsidentin Ilijana Jotowa (auch: Iliana Yotova), die von Radews Partei unterstützt wird, und dem Ex-Regierungschef Andrej Gjurow (auch: Andrey Gyurov) als sehr wahrscheinlicher Ausgang der ersten Runde.
Jotowa befürwortet den Dialog mit Moskau und lehnt militärische Hilfe für die Ukraine ab. Der Wirtschaftsexperte Gjurow tritt mit Unterstützung prowestlicher Oppositionsparteien an.
Umfragen sehen Amtsinhaberin Ilijana Jotowa zwischen 41 und 47 Prozent der Stimmen, der Herausforderer Andrej Gjurow kommt auf 28 bis 31 Prozent.
Der Vorsitzende der prorussischen rechtsextremen Partei Vazrazhdane, Kostadin Kostadinow, liegt mit zehn bis 13 Prozent in den Umfragen auf dem dritten Platz.
Im Wahlkampf spielte der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eine zentrale Rolle. Zugleich wächst die Sorge über die Eskalation im Schwarzen Meer, wo jüngste Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste die Sicherheitsdebatte in dem EU- und NATO-Mitgliedsland anheizten.
Die Angriffe schüren Befürchtungen, Russland könnte den Konflikt weiter ausweiten. Die Regierung fordert daher die Partner Bulgariens auf, beim Ausbau der maritimen Sicherheit zu helfen.
Die Kandidaten versuchten außerdem, auf die Angst vor steigenden Energiepreisen und hoher Inflation zu reagieren. Viele Familien, vor allem in ländlichen Regionen Bulgariens, kommen kaum noch über die Runden.
Amtsinhaberin Jotowa und Herausforderer Gjurow
Favoritin Ilijana Jotowa hatte Anfang 2026 das Präsidentenamt übernommen, nachdem Rumen Radew zurückgetreten war, um bei der Parlamentswahl zu kandidieren und Ministerpräsident zu werden.
Bei einem Sieg wäre sie die erste Frau in der Geschichte Bulgariens, die zur Präsidentin gewählt wird. Ein Erfolg Jotowas würde auch Radew stärken, der ebenfalls für den Dialog mit Moskau wirbt.
Ilijana Jotowa war zuvor Journalistin und Mitglied des Europäischen Parlaments. Gemeinsam mit Radew wurde sie 2016 und 2021 als Vizepräsidentin gewählt.
Ihr wichtigster Herausforderer ist der Ökonom Andrej Gjurow, früher stellvertretender Zentralbankchef und Anfang 2026 Übergangsministerpräsident. Hinter ihm steht die prowestliche, reformorientierte Opposition Bulgariens.
Gjurow bekennt sich klar zur Ukraine. Während seiner Amtszeit als Übergangsministerpräsident unterzeichnete er ein Sicherheitsabkommen mit Kyjiw.
Die Wahllokale schließen um 20 Uhr Ortszeit. Erste Nachwahlbefragungen werden danach veröffentlicht, vorläufige Ergebnisse werden aber erst am Montag erwartet.
Die Wahlbeteiligung muss über 50 Prozent liegen, der Sieger benötigt eine Mehrheit der Stimmen. Prognosen sehen die Beteiligung an diesem Sonntag allerdings bei unter 40 Prozent, weshalb eine Stichwahl am 1. November wahrscheinlich ist.