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Kolumbien vor der Wahl: Der Frieden steht auf dem Spiel

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Kolumbien vor der Wahl: Der Frieden steht auf dem Spiel

Die Kandidaten Gustavo Petro, Sergio Fajardo und Ivan Duque
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REUTERS/Henry Romero
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Bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien geht es dieses Wochenende um nichts weniger als die Zukunft des Friedensprozesses im Land. Denn mit der Wahl entscheiden die Kolumbianer auch über den künftigen Umgang mit den Rebellengruppen.

Vor eineinhalb Jahren hatte der damalige Präsident Juan Manuel Santos mit der größeren Rebellengruppe Farc 2016 ein Friedensabkommen unterzeichnet - nach jahrzehntelangen militärischen Auseinandersetzungen.

Iván Duque vs. Gustavo Petro

Der Favorit Iván Duque von der rechtsgerichteten Partei Centro Democrático will das Abkommen mit den Farc-Rebellen in wesentlichen Punkten ändern. Den Gegnern des Vertrags sind vor allem die relativ milden Strafen für die Ex-Kämpfer und die für zwei Legislaturperioden garantierten Parlamentssitze der Farc-Partei ein Dorn im Auge. "Die Übergangsjustiz darf nicht zu Straflosigkeit führen", sagt Duque.

Sein wohl größter Konkurrent, Gustavo Petro, will hingegen grundsätzlich am Friedensabkommen festhalten. Petro war Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und selbst einmal Mitglied einer linken Rebellengruppe.

"Einen linken Kandidaten, der in den Umfragen an zweiter Stelle steht - das haben wir jetzt, weil der wichtigste Teil des Konflikts vorüber ist", erklärt die politische Analystin Sandra Borda. "Das ist für die kolumbianische Politik sehr sehr ungewöhnlich. Wir hatten nie eine politische Partei, die von links kam, und so kurz davor war, den Sieg zu erringen."

Sicherheitslage in Kolumbien verbessert

Auch gut eineinhalb Jahre nach dem historischen Abkommen der Regierung mit der Farc-Guerilla ist Kolumbien noch lange nicht befriedet. Verbrecherbanden sind in die von den Rebellen aufgegebenen Gebiete vorgestoßen und haben deren Geschäfte mit Drogenhandel, Schutzgelderpressung und illegalem Bergbau übernommen.

Trotzdem hat sich die Sicherheitslage seit der Demobilisierung der Farc-Rebellen deutlich verbessert. Weite Teile des Landes sind wieder frei zugänglich, zahlreiche Antipersonen-Minen wurden entschärft, heftige militärische Auseinandersetzungen wie zu Zeiten des Bürgerkriegs gehören der Vergangenheit an.

Stichwahl wahrscheinlich

Neben dem Streit um das Farc-Abkommen dürften die Friedensverhandlungen mit der kleineren Rebellengruppe ELN, der Umgang mit den Hundertausenden Migranten aus dem Nachbarland Venezuela, der Kampf gegen den Drogenhandel und die Entwicklung ländlicher Gebiete im Mittelpunkt der Wahl stehen. Da wahrscheinlich keiner der Kandidaten in der ersten Runde über 50 Prozent der Stimmen erhalten wird, deutet alles auf eine Stichwahl hin