Der Kandidat der Sozialistischen Partei António José Seguro galt als Favorit bei der Stichwahl gegen den rechtspopulistischen Chega-Parteichef André Ventura. Er erhielt gut zwei Drittel der Stimmen.
Der gemäßigte Sozialist António José Seguro hat bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Portugal am Sonntag laut offiziellen Ergebnissen nach Auszählung von 99 % der Stimmen einen überzeugenden Sieg über seinen rechtspopulistischen Rivalen André Ventura errungen. Er erhielt 66,7 % der Stimmen gegenüber 33,3 % für Ventura. Der 63-Jährige ist der erste Präsident aus dem sozialistischen Lager seit zwanzig Jahren und kehrt nun an die Spitze der nationalen Politik zurück. In seiner Siegesrede sagte er Zusammenarbeit mit Portugals Mitte-Rechts-Minderheitsregierung zu und versprach, ein anspruchsvoller und wachsamer Präsident zu sein, aber niemals eine Gegenmacht:
„Ich habe Loyalität und institutionelle Zusammenarbeit mit der Regierung versprochen, und ich werde mein Wort halten. Ich werde niemals eine Gegenmacht sein, aber ich werde ein Präsident sein, der anspruchsvoll ist, wenn es um Lösungen und Ergebnisse geht.“
Venturas Anti-Establishment- und Anti-Einwanderer-Rhetorik lehnt Seguro ab. Er erhielt Unterstützung von anderen Mainstream-Politikern, die die zunehmende populistische Strömung stoppen wollen. Diese spiegelt sich auch in den wachsenden Wahlerfolgen von Venturas Partei Chega - "Es reicht" wider.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Seguro in den sozialen Netzwerken mit den Worten: „Portugals Stimme für unsere gemeinsamen europäischen Werte bleibt stark.“
André Ventura wusste von Anfang an, dass der Abend nicht mit einem Sieg für ihn enden würde. Denn schon vor der ersten Wahlrunde hatte die deutliche Mehrheit der Befragten angegeben, ihm nicht ihre Stimme zu geben. Dennoch erzielte der 43-jährige Chega-Kandidat sein bisher bestes Ergebnis mit mehr als eineinhalb Millionen Stimmen und übertrumpfte mit 33 Prozent die 31 Prozent, die die Regierungsparteien bei der Parlamentswahl im vergangenen Mai erzielt hatten. Seine Partei Chega, 2019 gegründet, ist die größte Oppositionskraft im Parlament.
Ventura bekräftigte, dass er sich nach dem Wahlabend gestärkt fühle. Er sagt von sich, Anführer einer unaufhaltsamen Bewegung zu sein, die früher oder später im Namen des Volkes und gegen die Eliten Portugal erfolgreich verändern werde.
Nach Bekanntgabe der Ergebnisse erklärte er: „Ich denke, die Botschaft des portugiesischen Volkes war klar. Wir führen die Rechte in Portugal an, wir führen den rechten Flügel in Portugal an, und wir werden dieses Land bald regieren.“
Elf Millionen Menschen in Portugal und im Ausland waren berechtigt, ihre Stimme bei der Wahl abzugeben. Im ersten Wahlgang hatte Seguro 31,1 Prozent der Stimmen erhalten, Ventura 23,5 Prozent.
Der Präsident wird in Portugal für eine fünfjährige Amtszeit gewählt und hat weitgehend eine repräsentative Funktion ohne Exekutivbefugnisse. Traditionell steht das Staatsoberhaupt über der Parteipolitik und fungiert als Vermittler, um Streitigkeiten beizulegen und Spannungen abzubauen.