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Mord an TV-Journalistin: Festnahme in Stade

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Mord an TV-Journalistin: Festnahme in Stade

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Nach dem Mord an der bulgarischen Fernsehjournalistin Wiktorija Marinowa ist ein Tatverdächtiger in Deutschland festgenommen worden, so die bulgarische Staatsanwaltschaft. Es handele sich um einen 21-jährigen Mann aus Russe, der polizeibekannt sei, sagte der bulgarische Innenminister Mladen Marinow in Sofia.

Der Verdächtige sei über die Donaubrücke von Russe nach Rumänien geflüchtet, sagte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow. DNA-Material des Mannes sei am Körper der Toten entdeckt worden. Auch seien persönliche Sachen der Ermordeten in der Wohnung des Verdächtigen in Russe entdeckt worden. Es gebe keine Belege, dass der Mord an Marinowa mit ihrem Beruf in Verbindung stehe.

Nach Medienberichten (bulgarische Zeitung «168 Tschassa») war der Tatverdächtige laut Angaben der Grenzpolizei am Sonntag nach Deutschland geflüchtet, wo seine Mutter leben soll. Nach Berichten (privater Fernsehsender Btv) wurde in seiner Wohnung Marinowas Handy gefunden.

In Bulgarien war ein erster Verdächtiger – ein Obdachloser aus Rumänien - befragt und später wieder freigelassen worden.

Die 30Jährige war am Samstag in der nordostbulgarischen Stadt Russe in einem Park am Donauufer vergewaltigt und erwürgt worden.

"DETEKTOR"

Marinowa hatte in der letzten Ausgabe ihrer neuen Sendung «Detektor» einen Investigativjournalisten aus Rumänien und einen aus Bulgarien zu Gast. Die beiden recherchieren

über angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern in Millionenhöhe in Bulgarien. In der Sendung kritisierte Marinova die Situation der Medien in Bulgarien und kündigte an, dieses Problem auch in künftig thematisieren zu wollen.

Die öffentliche Empörung über den Mord und kritische Reaktionen aus dem Ausland setzen die bürgerlich-nationalistische Regierung in Sofia unter Druck. Neben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" reagierte auch die deutsche Bundesregierung bestürzt und mahnte den Schutz der Pressefreiheit an.

Die EU-Kommission forderte die zuständigen Behörden zu einer schnellen Klärung auf, ob das Verbrechen in Verbindung zur Arbeit der Frau steht.

Aktivisten der Nichtregierungsorganisation "Boez" ("Kämpfer") hatten am Montagabend eine Protestkundgebung am Vorplatz der Kirche Sveta Nedelja in Sofia organisiert, zu der Hunderte Menschen kamen.

su mit dpa