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Einsteins Gedanken über Gott und die Welt - für 2,6 Millionen Euro versteigert

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Einsteins Gedanken über Gott und die Welt - für 2,6 Millionen Euro versteigert

Einsteins Gedanken über Gott und die Welt  - für 2,6 Millionen Euro versteigert
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Ein handgeschriebener Brief des deutsch-amerikanischen Physikers Albert Einstein (1879-1955) ist in New York für knapp 2,9 Millionen Dollar (etwa 2,6 Millionen Euro) versteigert worden.

Vier Minuten lang haben sich laut Auktionshaus Christie's zwei anonyme Telefonbieter bei der Auktion gegenseitig getestet. Wer den sogenannten Gottes-Brief ersteigerte, wurde zunächst nicht bekannt. Christie's hatte das Dokument vorab auf bis zu 1,5 Millionen Dollar geschätzt.

"LIEBER HERR GUTKIND"

Der zwei Seiten lange Brief – auf deutsch - aus dem Jahr 1954 ist an den Philosophen Eric Gutkind adressiert, als Antwort auf dessen Bucch „Choose life The Biblical Call to Revolt“. Einstein beschreibt darin seine Gedanken über Religion, seine jüdische Identität und seine Suche nach dem Sinn des Lebens.

Zitat: "Das Wort Gott ist für mich nichts anderes als der Ausdruck und das Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch letztlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern."

Er sei aber kein Atheist, betonte Einstein laut Zeitgenossen, und er ärgerte sich darüber, als einer bezeichnet zu werden.

Zitat: Das jüdische Volk, „zu dem ich gerne gehöre und zu dem ich eine tiefe Affinität habe", sei für ihn ein Volk „wie jedes andere“. "Nach meiner Erfahrung sind sie nicht besser als andere menschliche Gruppen, sie sind durch Machtlosigkeit vor den schlimmsten Auswüchsen geschützt. Ansonsten kann ich nichts 'Auserwähltes' in ihnen sehen. "

Einstein sagte, er glaube an „Spinozas Gott“ - gemeint ist Baruch Spinoza, ein niederländischer Philosoph aus dem 17. Jahrhundert - "der sich in der gesetzmäßigen Harmonie der Welt offenbart, nicht an einem Gott, der sich mit dem Schicksal und den Taten der Menschheit beschäftigt".

GLÄUBIGER "ATHEIST"

Dazu Nick Spencer, Senior Fellow des christlichen Thinktanks Theos: "Einstein bietet jeder Seite in dieser Debatte Beistand an. Seine kosmische Religion und sein entfernter deistischer Gott passen weder in die Schubladen der religiösen Gläubigen noch in die eingefleischter Atheisten.

Wie so oft in seinem Leben lehnte er die weitverbreiteten Kategorien ab und verwirbelte sie. Wir leisten dem großen Physiker einen schlechten Dienst, wenn wir uns auf ihn beziehen, um unseren Glauben an Gott oder seine Abwesenheit zu legitimieren."

ALBERT EINSTEIN

Albert Einstein, 1879 geboren in Ulm und aufgewachsen in einer assimilierten, nicht strenggläubigen deutsch-jüdischen Mittelstandsfamilie, gilt als einer der bedeutendsten theoretischen Physiker der Wissenschaftsgeschichte. 1914 bis 1932 lebte Einstein in Berlin und war als Bürger Preußens (zuvor Württembergs, der Schweiz und Österreichs) erneut Staatsangehöriger im Deutschen Reich. Als er 1934 unter den Nationalsozialisten vom Deutschen Reich ausgebürgert wurde, hatte er seine „Relativitätstheorie“ (1905) und den Nobelpreis (1921) längst in der Tasche.

Zusätzlich zu seinem seit 1901 geltenden Schweizer Bürgerrecht erwarb er 1940 noch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten und blieb in Princeton, New Jersey, bis zu seinem Tod 1955.