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Iran-Krieg: Das steckt hinter der "Marine Expeditionary Unit" (MEU), die die USA entsenden wollen

US-Marines üben mit amphibischem Angriffsschiff und Hubschraubern
US-Marines üben mit amphibischem Angriffsschiff und Hubschraubern Copyright  AP Photo
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Von Farhad Mirmohammadsadeghi
Zuerst veröffentlicht am
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US-Medien melden, das Pentagon schickt über zweitausend Marinesoldaten und ein amphibisches Angriffsschiff in den Nahen Osten.

Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf drei US-Regierungsvertreter, Verteidigungsminister Pete Hegseth habe einem Antrag des US-Zentralkommandos Centcom zugestimmt. Demnach soll ein Teil einer sogenannten „Amphibious Ready Group“ zusammen mit einer "Marine Expeditionary Unit" (MEU) in den Nahen Osten verlegt werden.

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Eine Amphibious Ready Group besteht in der Regel aus einem amphibischen Angriffsschiff, zwei Transportschiffen und einem Unterstützungsschiff. An Bord befindet sich die MEU, die normalerweise mindestens 2.200 US-Marinesoldaten umfasst.

Nach Angaben zweier US-Regierungsvertreter soll sich die Amphibious Ready Group um das amphibische Angriffsschiff "USS Tripoli" herum formieren. Die Tripoli liegt derzeit in ihrem Heimathafen in Japan, soll aber in Richtung Naher Osten auslaufen.

Was ist eine Marine Expeditionary Unit?

Die Fachseite "The War Zone" beschreibt die Marine Expeditionary Unit (MEU) als hochflexible, weitgehend autarke und sehr schnell einsetzbare Eingreiftruppe, die von amphibischen Angriffsschiffen aus operiert.

Die MEU bringt ein breites Fähigkeitsspektrum mit. Dazu können zusätzliche Luftfahrzeuge gehören, unter anderem F‑35B-Kampfflugzeuge für Angriffe tief im iranischen Territorium sowie Einsätze zur Seekontrolle, etwa gegen Schnellboote Irans. Solche Missionen können auch Hubschrauber der Typen AH‑1Z und UH‑1Y von Bord des Angriffsschiffs übernehmen, ebenso F‑35-Kampfjets.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Schlagkraft dieser Luftkomponente: Die US-Marines können per Hubschrauber an nahezu jeden Punkt innerhalb der Reichweite der amerikanischen Drehflügler verlegt werden.

Der Luftkampfanteil lässt sich je nach Auftrag konfigurieren. Möglich ist etwa, deutlich mehr F‑35 an Deck zu bringen oder die Luftangriffskapazitäten insgesamt stärker zu gewichten. Die „USS Tripoli“ ist auf intensive Luftoperationen ausgelegt und genau für eine solche fliegende Gefechtskomponente konzipiert.

Eine Marine Expeditionary Unit kann außerdem Anlandungsoperationen an der Küste durchführen und umfangreiche logistische Unterstützung von See aus leisten. Die gesamte Flotte, die als "Expeditionary Strike Group" (ESG) firmiert, umfasst zusätzlich Kampfschiffe mit dem Raketenabwehrsystem Aegis und kann bei Bedarf Marschflugkörper vom Typ Tomahawk abfeuern.

Nach Angaben von "The War Zone" stehen zwar meist die Flugzeugträgerkampfgruppen im Rampenlicht, weil sie aus großer Entfernung massive Schläge führen können. In der Praxis gelten jedoch die Marine Expeditionary Units und die Expeditionary Strike Groups als die vielseitigsten maritimen Fähigkeiten der USA.

Möglicher Auftrag im Iran-Konflikt

Tyler Rogoway, Militärjournalist sowie Gründer und Hauptautor von "The War Zone", sieht im Kontext eines möglichen US‑Iran-Konflikts ein naheliegendes Ziel für eine MEU: die Insel Kharg.

Ein großer Teil der iranischen Ölexporte läuft über diese Insel, sie besitzt strategischen Wert und verfügt über eine kritische Infrastruktur. Die Einnahme der Insel wäre ein gewaltiges Unterfangen und eine extrem riskante Operation.

Das größte Risiko liegt nicht in der Eroberung, sondern in der anschließenden Sicherung. Sollte Iran den Verlust der Insel befürchten, könnte Teheran sie mit allen verfügbaren Waffensystemen ins Visier nehmen.

Rogoway hält es zudem für unwahrscheinlich, dass eine Marine Expeditionary Unit direkt in den Persischen Golf einläuft. Ein solcher Einsatz würde sich vor allem aus der Luft abspielen und bliebe ebenfalls riskant.

Er verweist außerdem auf mehrere Inseln im und rund um den Golf von Oman und die Straße von Hormus. Diese Standorte könnten als eine Art Schutzschild gegen Angriffe auf Handelsschiffe dienen. Auch ein solcher Schritt wäre jedoch aus naheliegenden Gründen mit erheblichen Risiken verbunden.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitagabend auf seinem Netzwerk Truth Social, das US-Zentralkommando Centcom habe auf seinen Befehl hin "eine der mächtigsten Bombardierungen in der Geschichte des Nahen Ostens" geflogen. Alle militärischen Ziele auf der Insel Kharg seien "vollständig" zerstört worden.

Trump schrieb, die USA verfügten über "die stärksten und modernsten Waffen, die die Welt je gesehen hat". Aus humanitären Gründen und aus moralischer Erwägung habe er sich jedoch dagegen entschieden, die Ölinfrastruktur der Insel zu zerstören. Sollte Iran oder ein anderes Land jedoch versuchen, die freie und sichere Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus zu stören, werde er diese Entscheidung umgehend überdenken.

Danny Citrinowicz, leitender Iran-Experte im Programm zum schiitischen Machtblock am "Institute for National Security Studies" (INSS) in Israel, betont, dass jeder der drei diskutierten Schritte – die Einnahme der Insel Kharg, der Abtransport von hoch angereichertem Uran aus Anlagen wie Natans und Isfahan sowie die Kontrolle über die Straße von Hormus – eine breit angelegte und lang anhaltende Militärkampagne erfordern würde.

Solche Vorhaben, so Citrinowicz, bräuchten komplexe gemeinsame Operationen. Dazu zählten eine dauerhafte Kontrolle über besetztes Gebiet, eine weitreichende Überlegenheit zur See und in der Luft, ein wirksamer Schutz der eingesetzten Kräfte sowie eine robuste und dauerhaft tragfähige Logistik.

In der Praxis würde eine derartige Operation vermutlich Wochen oder sogar Monate dauern. Besonders wichtig sei, dass diese Einsätze äußerst schwer durchzuhalten wären, solange das iranische Führungs- und Kontrollsystem intakt bleibt und militärische Reaktionen in verschiedenen Einsatzräumen koordinieren kann.

Der israelische Analyst warnt, selbst bei frühen militärischen Erfolgen sei es sehr unwahrscheinlich, dass Iran den Verlust strategischer Vermögenswerte akzeptiert – insbesondere nicht von Territorium oder der Kontrolle über zentrale Energieinfrastruktur. Solange das herrschende System in Teheran an der Macht bleibt, sei es nahezu sicher, dass es versuchen werde, den Status quo mit einer Mischung aus konventionellen Vergeltungsschlägen, asymmetrischen Operationen und regionaler Eskalation wiederherzustellen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde sich daraus ein langwieriger Konflikt entwickeln, der weniger zu klaren Ergebnissen führen würde, sondern eher von schrittweiser Eskalation und strategischer Abnutzung geprägt wäre.

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