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Brexit: „Könnte sein, dass wir in der EU bleiben“

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In dieser Gärtnerei in Spalding im Osten Englands ist man auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Wie wird das, wenn Großbritannien nicht mehr Mitglied der Europäischen Union ist? Diese und weitere sorgenvolle Fragen stellt sich auch Beata Wolkowska. Die Polin ist auf der Insel heimisch geworden. Doch wenn sie in die Zukunft blickt, bekommt sie Magengrummeln.

Wolkowska arbeitet in der Gärtnerei. Sie sagt: „Jeder macht sich Sorgen, ob man wieder herkommen darf, wenn man nach Hause fährt. Ich hätte gerne, dass alles gleich bleibt."

Euronews-Reporter Damon Embling kommentiert: „Die Ironie dieser Sache ist: Die Mehrheit der Menschen in dieser Region hat für den EU-Austritt gestimmt. Einwanderung ist hier ein großes Thema, dabei helfen die ausländischen Arbeiter, die Wirtschaft in dieser Gegend zu stärken."

Teile der Belegschaft der Gärtnerei in Spalding stammen aus Polen, Litauen, Lettland, Bulgarien und Rumänien. Sue Lamb, Besitzerin des Betriebes, fordert Klarheit für ihre Mitarbeiter aus dem Ausland - und für sich. Denn sie braucht die zupackenden Hände der Arbeitsmigranten.

„Ich finde, es wird nicht genug anerkannt, wie viel diese Menschen hier beitragen. Das müssen wir würdigen, und wir brauchen schnell eine passende Formel. Die Industrie ist in Gefahr", so Lamb.

Anton Dani sorgt im Ort Boston für ein bisschen Weltstadtduft: Der gebürtige Franzose mit britischem Pass führt hier das Café de Paris. Er ist für den britischen EU-Austritt, doch der Wind dreht sich, meint er. „Ich glaube, es läuft darauf hinaus, dass es zur Trennung ohne Abkommen kommt", meint Dani. „Sonst gibt es eine Volksabstimmung, in der wohl für einen Verbleib in der EU gestimmt werden würde. Ich bin ein Austrittsbefürworter, aber in diese Richtung gehen die Leute im Augenblick. Meine Wahrnehmung ist, dass die Leute von den Verhandlungen die Nase voll haben: Niemand weiß, was da abläuft. Nichts ist klar, Theresa May drückt sich vage aus. Es gibt keine konkreten Lösungen für dieses Problem, deshalb verlieren die Menschen den Glauben daran. Also könnte es sein, dass wir in der EU bleiben", erläutert sie.

Seine Frau Maria stammt aus Polen. Sie sagt: „Ich bin nicht dafür, dass es gar keine Einwanderung mehr gibt, doch wir müssen kontrollieren, wie viele Menschen kommen."

Für „Raus aus der EU" entschieden sich in Boston bei der Brexit-Abstimmung vor gut zweieinhalb Jahren rund 76 Prozent. Doch so ganz sicher sind sich viele Briten - auch in Boston - mittlerweile nicht mehr.